Rei­se­zeit ist Impf­zeit

Wo Sie im Ur­laub wel­chen Impf­schutz ha­ben soll­ten

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – MAGDALENA MEER­GRAF

Vie­le In­fek­ti­ons­krank­hei­ten kom­men im eu­ro­päi­schen Raum glück­li­cher­wei­se kaum mehr vor, sind aber in an­de­ren Re­gio­nen weit­ver­brei­tet. Je nach Rei­se­ziel wer­den da­her ver­schie­de­ne Schutz­imp­fun­gen emp­foh­len.

Um­stän­de, die es zu be­ach­ten gilt, sind die be­reis­te Re­gi­on, die dor­ti­ge ak­tu­el­le Epi­de­mio­lo­gie, die Rei­se­dau­er, der Rei­se­stil und das Al­ter der Per­son. „Rei­se­impf­pro­gram­me wer­den heut­zu­ta­ge maß­ge­schnei­dert“, so Her­wig Kol­le­ritsch, lang­jäh­ri­ger Fach­arzt für spe­zi­fi­sche Pro­phy­la­xe und Tro­pen­me­di­zin. Grund­sätz­lich wird – un­ab­hän­gig von der Des­ti­na­ti­on und den Rei­se­be­din­gun­gen – zu al­len Ba­si­simp­fun­gen ge­mäß des Ös­ter­rei­chi­schen Impf­plans ge­ra­ten: al­so Diph­the­rie, Te­ta­nus, Po­lio­mye­li­tis, Ty­phus und auch He­pa­ti­tis A und B (au­ßer in Eu­ro­pa und Nord­ame­ri­ka).

HÄU­FI­GE IN­FEK­TIO­NEN. Die häu­figs­te schwer­wie­gen­de In­fek­ti­ons­krank­heit bei nicht ge­impf­ten Rei­sen­den ist He­pa­ti­tis A. „Ei­ner un­ter 8000 Ur­lau­bern er­krankt“, weiß Kol­ler­tisch. Um­fra­gen zei­gen, dass et­wa die Hälf­te der ös­ter­rei­chi­schen Be­völ­ke­rung ge­gen He­pa­ti­tis ge­schützt ist. Hat man die voll­stän­di­ge Imp­fung er­hal­ten, schützt sie le­bens­lang. „Die Imp­fung ge­gen Toll­wut ge­hört zu den wich­tigs­ten rei­se­me­di­zi­ni­schen Maß­nah­men, weil Tier­kon­tak­te ein­fach nicht kal­ku­lier­bar sind“, so Her­wig Kol­le­ritsch. Wird man ge­bis­sen, gibt es in vie­len Län­dern nur ei­ne schlech­te Ver­sor­gung mit Impf­stoff und Im­mun­glo­bu­lin. Er­kran­kungs­fäl­le en­den da­her meis­tens töd­lich, so der Ex­per­te. Die Schutz­dau­er der drei­tei­li­gen Imp­fung be­trägt fünf bis

zehn Jah­re, das Im­mun­ge­dächt­nis hält hin­ge­gen le­bens­lang.

HO­HE MÜCKENDICHTE. Wäh­rend der Re­gen­zeit und un­mit­tel­bar da­nach ist die Mückendichte er­höht und so­mit auch die Über­tra­gungs wahr­schein­lich­keit. Da­her wird­fü rei­ni­ge Re­gio­nen zu ei­ner Imp­fung ge­gen Ja­pan En­ze­pha­li­tis ge­ra­ten. „Es gibt aber auch tro­pi­sche Ge­bie­te, wo die Mückendichte im­mer hoch ist. Und es gibt klei­ne Ge­bie­te, in de­nen die Er­kran­kung ge­häuft auf­tritt. Zum Bei­spiel gibt es im in­di­schen Ut­tar Pra­desh im­mer wie­der Epi­de­mi­en oder klei­ne Aus­brü­che in Viet­nam“, er­klärt Kol­la­ritsch. Ein ku­mu­la­ti­ves Ri­si­ko ent­steht au­ßer­dem durch ei­ne län­ge­re Dau­er oder durch die Häu­fig­keit des Auf­ent­halts. Nach drei Teilimp­fun­gen hält der Schutz min­des­tens zehn Jah­re. Ei­ne spe­zi­el­le Imp­fung, die auch in der nä­he­ren Um­ge­bung emp­foh­len wird, ist die ge­gen Früh­som­mer-me­nin­go­en­ze­pha­li­tis. Als En­de­mie­ge­bie­te gel­ten ne­ben Ös­ter­reich und Deutsch­land auch Tsche­chi­en, die Slo­wa­kei, Slo­we­ni­en, Po­len, Russ­land und das Bal­ti­kum.

AUF­GA­BE DES MEDIZINERS. Rei­se­imp­fun­gen mit spe­zi­el­ler In­di­ka­ti­on er­for­dern ein sehr gro­ßes Hin­ter­grund­wis­sen .„ Die Auf­ga­be des Rei­se mediziners ist es, ei­ner­seits die Rei­se­rou­te des be­trof­fe­nen und an­de­rer­seits diee pi de mio lo­gi­sche Si­tua­ti­on ge­gen­ein­an­der ab­zu­wä­gen“, so Kol­la­ritsch. Da ei­ni­ge Imp­fun­gen in meh­re­ren Tei­len ver­ab­reicht wer­den, soll­ten sie recht­zei­tig ge­plant wer­den.Neb en­den Impf­emp­feh­lun­gen kön­nen Fach­ärz­te auch Vor­gangs wei­sen für ei­ne Mala­ria pro­phy­la­xe ge­ben. So muss zum

Bei­spiel nicht je­der, der nach Afri­ka reist, wo­chen­lang Ta­blet­ten ein­neh­men. In man­chen Fäl­len reicht auch ei­ne so­ge­nann­te Ex­po­si­ti­ons­pro­phy­la­xe mit­tels Re­pel­lent, ent­spre­chen­de Klei­dung und ein Mos­ki­to­netz.

RI­SI­KO BEI ZI­KA. We­gen des zu­letzt in der Öf­fent­lich­keit stark dis­ku­tier­ten Zi­ka-vi­rus müs­se man sich kei­ne Sor­gen ma­chen, so Kol­la­ritsch. Denn die Er­kran­kung an sich sei harm­los. Die Wahr­schein­lich­keit, dass man nach ei­ner Infektion wäh­rend der Schwan­ger­schaft ein miss­ge­bil­de­tes Kind zur Welt bringt, ist sel­te­ner als 1 zu 1000. „Von ei­ner Hoch­zeit­rei­se nach Bra­si­li­en wür­de ich trotz­dem eher ab­ra­ten. Wenn man ei­ne Schwan­ger­schaft in den Wo­chen vor und nach der Rei­se aus­schlie­ßen kann, ist das aber kein Pro­blem.“

FORT­SCHRITT DER IMPF­STOF­FE. Vor 100 Jah­ren wa­ren In­fek­ti­ons­krank­hei­ten noch viel wei­ter ver­brei­tet. Wäh­rend des 20. Jahr­hun­derts fand ei­ne mas­si­ve Be­schleu­ni­gung in der For­schung statt, was zur Ein­füh­rung wich­ti­ger, neu­er Imp­fun­gen führ­te. Wie­so sind man­che da­von teu­er und an­de­re nicht? „Für die Ent­wick­lung der al­ten Impf­stof­fe wie zum Bei­spiel Te­ta­nus gal­ten noch an­de­re Richt­li­ni­en und Ge­set­ze. Da­her sind auch die Kos­ten für Ent­wick­lung und Zu­las­sung nied­rig ge­we­sen“, so Her­wig Kol­la­ritsch. Die heu­ti­gen Impf­stof­fe wür­den ei­nem strin­gen­ten Arz­nei­mit­tel­ge­setz un­ter­lie­gen, wie kein an­de­res Me­di­ka­ment. „Ist auch ver­ständ­lich, denn wir ver­wen­den Impf­stof­fe am ge­sun­den Men­schen. Nur die­ses ‚Mehr an Si­cher­heit und Wis­sen‘ hat ei­nen hö­he­ren Preis.“Das mo­men­ta­ne Ar­senal an Impf­stof­fen ist nicht nur grö­ßer, son­dern auch si­che­rer und bes­ser ver­träg­lich ge­wor­den.

Neue Imp­fun­gen ge­gen Den­gue­fie­ber oder Mala­ria sei­en für Tou­ris­ten je­den­falls kein The­ma. Denn sie wir­ken bei Men­schen, die noch nie mit den ent­spre­chen­den Vi­ren in Be­rüh­rung ge­kom­men sind, sehr schlecht. Ein Ebo­la-impf­stoff ist schon re­la­tiv weit ent­wi­ckelt, aber auch der wer­de für Tou­ris­ten kei­ne Rol­le spie­len.

Ob Re­la­xen am Pool oder Ac­tion im Tro­pen­wald: Da­mit Sie kein un­ge­woll­tes Mit­bring­sel

in Form ...

... ei­ner Krank­heit zu­rück­brin­gen, wer­den je nach Rei­se­ziel ver­schie­de­ne Imp­fun­gen emp­foh­len

Im Ide­al­fall

wird drei Mo­na­te vor der

Fern­rei­se mit ei­nem Tro­pen­me­di­zi­ner ein Impf­plan

er­stellt

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