Wenn der net­te Hund gar nicht nett ist

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – STE­FAN KLU­GER

Die Toll­wut-imp­fung re­du­ziert das Er­kran­kungs­ri­si­ko

„Das Vi­rus ver­mehrt sich an der lo­ka­len Ein­tritts­stel­le und wan­dert dann ins Ge­hirn.“

Flo­ri­an Thal­ham­mer, Pro­fes­sor an der Me­du­ni Wien

Ös­ter­reich gilt als toll­wut­frei +++ Über­tra­gung durch Hund, Fuchs, Ko­jo­te und Fle­der­mäu­se +++ Infektion durch Bis­se und durch Spei­chel in of­fe­ne Wun­den oder Haut­ab­schür­fun­gen

Toll­wut ist ei­ne In­fek­ti­ons­krank­heit, die durch Vi­ren ver­ur­sacht wird und das zen­tra­le Ner­ven­sys­tem von Säu­ge­tie­ren be­fällt. Die Über­tra­gung auf den Men­schen er­folgt durch vi­rus­hal­ti­ge Kör­per­flüs­sig­kei­ten ei­nes Tie­res. „Das Vi­rus ver­mehrt sich an der lo­ka­len Ein­tritts­stel­le und wan­dert dann ins Ge­hirn“, er­klärt Flo­ri­an Thal­ham­mer, Pro­fes­sor an der Me­du­ni Wien. Die häu­figs­te Über­tra­gungs­wei­se sind Tier­bis­se. Toll­wut kann aber auch durch Ein­drin­gen von Spei­chel in of­fe­ne Wun­den oder Haut­ab­schür­fun­gen und über Au­gen, Na­se und Mund über­tra­gen wer­den.

SI­TUA­TI­ON IN ÖS­TER­REICH. Ös­ter­reich gilt als toll­wut­frei. Das heißt, nach ei­nem Hun­de­biss oder ei­nem Biss durch ein Wild­tier be­steht of­fi­zi­ell kei­ne Ge­fahr. Al­ler­dings kann es ein Pro­blem ge­ben, wenn Hun­de aus Län­dern, wo die Toll­wut noch en­de­misch ist, il­le­gal ins Land ge­bracht wer­den. Ein sol­cher Fall ist aus Deutsch­land be­kannt, wo 2013 die Be­sit­ze­rin ei­nes toll­wü­ti­gen Hun­des, den sie aus Ma­rok­ko oh­ne Ge­neh­mi­gung im­por­tiert hat­te, ge­bis­sen wur­de. Ne­ben den Kar­ni­voren (Hund,

Fuchs, Ko­jo­te) als na­tür­li­ches Re­ser­voir kön­nen in Eu­ro­pa auch Fle­der­mäu­se Toll­wut durch ih­ren Biss über­tra­gen. „Ein sehr sel­te­nes Er­eig­nis, aber ei­nes, das per se ein ho­hes Ri­si­ko in sich birgt“, warnt Thal­ham­mer. Al­ler­dings wei­sen die­se Tie­re ein pa­tho­lo­gi­sches Ver­hal­tens­mus­ter auf: tagak­tiv, krank am Bo­den lie­gend und ag­gres­siv.

Grund­sätz­lich sind hier­zu­lan­de Men­schen ge­fähr­det, die oft in Kon­takt mit frei le­ben­den Tie­ren kom­men. Das gilt vor al­lem für Förs­ter, Jä­ger und Tier­ärz­te. In­di­vi­du­al­tou­ris­ten, die in Län­der rei­sen, wo kei­ne ra­sche Ge­sund­heits­ver­sor­gung ge­währ­leis­tet ist, und die sich län­ger als ei­nen Mo­nat in be­son­ders ge­fähr­de­ten Ge­bie­ten auf­hal­ten, soll­ten ei­ne pro­phy­lak­ti­sche Imp­fung er­hal­ten. Län­der mit ho­hem In­fek­ti­ons­ri­si­ko sind In­di­en, Thai­land, Sri Lan­ka, Mit­tel­ame­ri­ka und Äthio­pi­en. Bis­se im Ge­sicht füh­ren häu­fi­ger und schnel­ler zur Er­kran­kung als Bis­se an Ar­men und Bei­nen.

STADIEN DER ER­KRAN­KUNG. Die Krank­heit ver­läuft beim Men­schen in drei Stadien, die sich an­hand der un­ter­schied­li­chen Sym­pto­me un­ter­schei­den. Die In­ku­ba­ti­ons­zeit der Toll­wut be­trägt in der Re­gel zwi­schen drei und acht Wo­chen. Im ers­ten Toll­wut-sta­di­um (Pro­dro­mal­sta­di­um) tre­ten un­spe­zi­fi­sche Be­schwer­den auf. Das kön­nen Kopf­schmer­zen, Übel­keit, Er­bre­chen und er­höh­te Tem­pe­ra­tur sein. Bei man­chen Be­trof­fe­nen ist die Wun­de schmerz­emp­find­lich, brennt oder juckt. Der zwei­te Ab­schnitt heißt Ex­zi­ta­ti­ons­sta­di­um („ra­sen­de Wut“); es wird die pa­ra­ly­ti­sche und die en­ze­pha­li­ti­sche Form un­ter­schie­den. Bei Letz­te­rer lei­den die Be­trof­fe­nen un­ter star­ken Er­re­gungs­zu­stän­den mit Mus­kel­zu­ckun­gen und Krämp­fen. Hoch­gra­di­ge Un­ru­he, ein stän­di­ger Be­we­gungs­drang und Angst­ge­füh­le ge­sel­len sich da­zu. Manch­mal ver­hal­ten sie sich ag­gres­siv, dann wie­der de­pres­siv. Be­son­ders quä­len­dis­tauch­die­zu be­ob­ach­ten­de Hy­dro­pho­bie: Hö­ren oder Se­hen von Was­ser oder so­gar al­lein der blo­ße Ge­dan­ke an den Schluck­vor­gang reicht aus, um Krämp­fe aus­zu­lö­sen. Die­se Angst be­dingt den Spei­ch­elf luss aus dem Mund. Die pa­ra­ly­ti­sche Form („stil­le Wut“) ist da­ge­gen von Läh­mun­gen ge­prägt. Die Mus­ku­la­tur er­schlafft, die Be­trof­fe­nen wer­den ru­hi­ger, ha­ben kei­ne Krämp­fe mehr. Schließ­lich fal­len die Er­krank­ten ins Ko­ma und er­lei­den ei­ne Atem­läh­mung. Un­be­han­delt geht es sehr schnell: Von den ers­ten Sym­pto­men der Toll­wut bis zum Tod dau­ert es meis­tens ei­ne bis ma­xi­mal drei Wo­chen.

KEI­NE THE­RA­PIE, ABER IMP­FUNG.WIE

die meis­ten Schutz­imp­fun­gen wird auch die Toll­wut­imp­fung in­tra­mus­ku­lär ver­ab­reicht. Die Stan­dard­grun­dim­mu­ni­sie­rung be­steht aus vier Teilimp­fun­gen an den Ta­gen 0, 7, 21 und 28. Da­von gibt es auch ab­wei­chen­de Impf­sche­ma­ta, wenn ei­ne schnel­le­re Grun­dim­mu­ni­sie­rung not­wen­dig ist. Die Auf­fri­schungs­imp­fun­gen wer­den nach Her­stel­ler­an­ga­ben al­le zwei bis fünf Jah­re emp­foh­len, wo­bei es ab­wei­chen­de Mei­nun­gen und Li­te­ra­tur gibt. Der Impf­stoff schützt nicht nur ge­gen die klas­si­sche Toll­wut, son­dern auch ge­gen je­ne durch Fle­der­mäu­se in Eu­ro­pa über­tra­ge­ne. Ei­ne The­ra­pie ge­gen die Toll­wut gibt es hin­ge­gen nicht: „Wer an die­ser töd­li­chen Vi­rus­er­kran­kung lei­det, wird ster­ben müs­sen“, sagt Flo­ri­an Thal­ham­mer.

Vor­sicht vor den gar nicht net­ten Hun­den: Die Pro­phy­la­xe ist vor al­lem bei Rei­sen in ge­fähr­de­te Ge­bie­te oh­ne ra­sche Ge­sund­heits­ver­sor­gung wich­tig.

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