Imp­fun­gen für Asyl­wer­ber

Ein sys­te­ma­ti­scher Zu­sam­men­hang mit der Ein­schlep­pung von In­fek­ti­ons­krank­hei­ten und Flucht­be­we­gun­gen kann nicht nach­ge­wie­sen wer­den.

KURIER_IMPFEN - - In­halts­ver­zeich­nis - – MAG­DA­LE­NA MEER­GRAFF

War­um Flüchtlinge drin­gend Impf­schutz brau­chen

Im­mer wie­der wa­ren im Zu­ge der Flucht­be­we­gung ein­schlä­gi­ge Kom­men­ta­re in den In­ter­net-fo­ren zu le­sen, Schutz­su­chen­de wür­den „Seu­chen ins Land schlep­pen“. Doch ent­ge­gen die­ser ver­brei­te­ten Auf­fas­sung gibt es kei­nen sys­te­ma­ti­schen Zu­sam­men­hang zwi­schen Mi­gra­ti­on und der Ein­schlep­pung von In­fek­ti­ons­krank­hei­ten.

„Asyl­wer­ber stel­len die größ­te Ge­fahr für sich sel­ber dar, weil sie un­ter den Stra­pa­zen der Flucht, den schlech­ten Sa­ni­tär be­din­gun­gen und den oft über Mo­na­te an­dau­ern­den sehr en­gen Wohn­be­din­gun­gen mit vie­len frem­den men­schen lei­den. Da­her ha­ben sie na­tür­lich ei­nen Im­mun­sta­tus, der meist schlech­ter ist als je­ner der ös­ter­rei­chi­schen Be­völ­ke­rung“, so Pa­me­la Ren­di-wa­gner, Lei­te­rin der Sek­ti­on Öf­fent­li­che Ge­sund­heit und Me­di­zi­ni­sche An­ge­le­gen­hei­ten im Ge­sund­heits­mi­nis­te­ri­um. An­hand der na­tio­na­len Mel­dun­gen der In­fek­ti­ons­krank­hei­ten im Epi­de­mio­lo­gi­schen Mel­de­sys­tem lässt sich bis­her kein An­stieg an In­fek­ti­ons­er­kran­kun­gen bei der lo­ka­len Be­völ­ke­rung er­ken­nen. „Wir be­kom­men wö­chent­li­che Up­dates von der Agen­tur für Ge­sund­heit und Er­näh­rungs­si­cher­heit, die die Auf­zeich­nung für uns macht. Wir wis­sen mit wö­chent­li­cher Echt­zeit, ob ir­gend­wo ei­ne ge­häuf­te Mel­dung von Fall­zah­len auf­tritt“, er­zählt Ren­di-wa­gner.

Bis­her zeig­ten die­se vor al­lem ver­ein­zelt Durch­fall­er­kran­kun­gen und He­pa­ti­tis-a-fäl­le – pro Mo­nat nur im ein­stel­li­gen Be­reich. Das sei mit dem Hin­ter­grund von 90.000 Asyl­wer­bern „ein sehr be­schei­de­nes Aus­maß“. Die Zah­len sind öf­fent­lich auf der AGES Home­page dar­ge­stellt. Am häu­figs­ten tritt auf, wo­von auch die ös­ter­rei­chi­sche Be­völ­ke­rung in den Win­ter­mo­na­ten be­trof­fen ist, näm­lich obe­re und mitt­le­re Atem­weg­sin­fek­tio­nen.

ME­DI­ZI­NI­SCHE ERST­UN­TER­SU­CHUNG.

In den Erst­auf­nah­me­stel­len wer­den Asyl­su­chen­de ei­ner all­ge­mein­me­di­zi­ni­schen Un­ter­su­chung zu­ge­wie­sen. Da­bei wird ein ob­li­ga­to­ri­sches Lun­gen­rönt­gen zur Tu­ber­ku­lo­se­vor­sor­ge durch­ge­führt. Denn: „Die In­ku­ba­ti­ons­zei­ten für schwer­wie­gen­de In­fek­ti­ons­krank­hei­ten sind meist viel kür­zer als die Flucht. Nur Tu­ber­ku­lo­se hat ei­ne län­ge­re In­ku­ba­ti­ons­zeit“, er­klärt Ren­di-wa­gner. Im Sep­tem­ber 2015 wur­den au­ßer­dem vom Mi­nis­te­ri­um ei­ge­ne Impf­emp­feh­lun­gen für Asyl­wer­ber und für Hel­fer und Mit­ar­bei­ter der Erst­auf­nah­me­zen­tren her­aus­ge­ge­ben: „Wir ha­ben ei­ne kla­re Prio­ri­tät ge­setzt,dass asyl wer­ber ge­gen ma­sern­mumps- rö­teln und ge­genDi­pht he rie-tet anus-po­lio ge­impft wer­den soll­ten. Me­nin­go­kok­ken nur dann, wenn sie über län­ge­re Zeit in Mas­sen­quar­tie­ren un­ter­ge­bracht sind,“so Ren­di-wa­gner. Im Rah­men der me­di­zi­ni­schen Erst­un­ter­su­chung wer­den die Imp­fun­gen ge­mäß der Emp­feh­lung durch­ge­führt. Über den Impf­sta­tus von Asyl­wer­bern ist oft sehr we­nig be­kannt. Imp­fun­gen wer­den zu­dem nicht über­all glei­cher­ma­ßen do­ku­men­tiert. Auch der ge­sell­schaft­li­che und kul­tu­rel­le Um­gang mit Ge­sund­heit im Ge­ne­rel­len und Imp­fun­gen im Spe­zi­el­len im je­wei­li­gen Her­kunfts­land prägt das Impf­ver­hal­ten. Es gilt da­her die De­vi­se: im Zwei­fels­fall imp­fen.

Hier er­kennt Kat­ha­ri­na Leit­ner vom In­sti­tut für Ethik und Recht in der Me­di­zin ein Pro­blem: „Die­se Per­so­nen ha­ben die­sel­ben Pa­ti­en­ten­rech­te wie ös­ter­rei­chi­sche Staats­bür­ger. Oh­ne Ein­wil­li­gung darf man kei­ne Imp­fung ma­chen und da­für ist Auf klä­rung not­wen­dig. Hier se­he ich ei­ne gro­ße Pro­ble­ma­tik und ei­nen Be­darf an qua­li­fi­zier­ten Dol­met­schern .“Denn sprach­li­che Bar­rie­ren füh­ren auch zu man­geln­den In­for­ma­tio­nen un­dv er schie­den eso­zio kul­tu­rel­le Prä­gun­gen zu Miss­ver­ständ­nis­sen zwi­schen Arzt und Asyl wer­ber .„ Die Er­fah­rung zeigt, dass bei um­fas­sen­der In­for­ma­ti­on und Auf­klä­rung die emp­foh­le­nen Imp­fun­gen auch gut an­ge­nom­men wer­den“, so Ren­di-wa­gner. Denn wie für die ös­ter­rei­chi­sche Be­völ­ke­rung gibt es auch für Asyl­wer­ber kei­ne Impf­pflicht.

„Asyl­wer­ber ha­ben die­sel­ben Pa­ti­en­ten­rech­te wie ös­ter­rei­chi­sche Staats­bür­ger. Oh­ne Ein­wil­li­gung darf man kei­ne Imp­fung ma­chen – und da­für ist Auf­klä­rung not­wen­dig. Hier se­he ich ei­ne gro­ße Pro­ble­ma­tik und ei­nen Be­darf an qua­li­fi­zier­ten Dol­met­schern.“

Kat­ha­ri­na Leit­ner vom In­sti­tut für Ethik und Recht

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