Gelb­fie­ber – die un­ter­schätz­te Ge­fahr

Jähr­lich er­kran­ken 200.000 an dem Tro­pen­fie­ber

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – STE­FAN KLU­GER

Über­tra­gung durch Stech­mü­cke Ste­go­myia ae­gyp­ti +++ 200.000 Er­kran­kun­gen laut WHO Schät­zun­gen +++ 30.000 To­des­fäl­le +++ Le­bens­lan­ge Im­mu­ni­tät nach ein­ma­li­ger Er­kran­kung

Das Gelb­fie­ber-vi­rus wird haupt­säch­lich durch die Gelb­fie­ber­mü­cke Ste­go­myia ae­gyp­ti über­tra­gen. Beim Stich von in­fi­zier­ten Per­so­nen oder Tie­ren kön­nen sie das Vi­rus auf­neh­men und an an­de­re Men­schen wei­ter­ge­ben. Ei­ne An­ste­ckung von Mensch zu Mensch ist nicht mög­lich. Die tro­pi­sche In­fek­ti­ons­krank­heit be­sitzt un­ter­schied­li­che Au­s­prä­gun­gen: Leich­te For­men sind mit ei­nem grip­pa­len In­fekt ver­gleich­bar, schwe­re Ver­laufs­for­men füh­ren in zehn bis 50 Pro­zent zum Tod. Nach über­stan­de­ner Infektion be­steht ei­ne le­bens­lan­ge Im­mu­ni­tät.

Die Zahl der Epi­de­mi­en ist seit den frü­hen Acht­zi­ger­jah­ren ge­stie­gen. Da­bei ist Gelb­fie­ber nur in den tro­pi­schen und sub­tro­pi­schen Ge­bie­ten Süd­ame­ri­kas und Afri­kas ver­brei­tet, ob­gleich die gelb­fie ber­mü­cke auch in Asi­en vor­kommt. Dort tritt Gelb­fie­ber al­ler­dings nicht auf, der Grund da­für ist un­be­kannt. Welt­weit le­ben un­ge­fähr 600 Mil­lio­nen Men­schen in den be­trof­fe­nen Ge­bie­ten und die of­fi­zi­el­len Schät­zun­gen der WHO be­lau­fen sich auf 200.000 Er­kran­kun­gen und 30.000 To­des­fäl­le pro Jahr welt­weit, wo­bei die An­zahl ge­mel­de­ter Fäl­le weit dar­un­ter liegt. Rund 90 Pro­zent der In­fek­tio­nen ent­fal­len auf den afri­ka­ni­schen Kon­ti­nent.

DIA­GNO­SE UND BE­HAND­LUNG. Zur Vor­beu­gung emp­fiehlt sich ein In­sek­ten­schutz. Bei Klein­kin­dern ist al­ler­dings Vor­sicht ge­bo­ten, da die Ge­fahr von Ver­gif­tungs­er­schei­nun­gen be­steht. Das Tra­gen von So­cken, lan­ger Be­klei­dung ist ge­nau­so rat­sam, wie beim Schla­fen das ein­ge­setz­te Mos­ki­to­netz.

„Den ers­ten Ver­dacht lie­fern die Rei­seana­mne­se des Pa­ti­en­ten und das kli­ni­sche Bild, al­so die Sym­pto­me“, sagt Do­zen­tin Ur­su­la Hol­len­stein vom rei­se­me­di­zi­ni­schen Zen­trum tra­vel­doc.at. Als Nach­weis ste­hen An­ti­kör­per­be­stim­mun­gen aus dem Blut zur Ver­fü­gung, so­wie Di­rekt­nach­wei­se des Vi­rus selbst – eben­falls im Blut zu fin­den. „Es gibt kei­ne spe­zi­fi­sche Be­hand­lung von Gelb­fie­ber“, warnt Hol­len­stein. Ver­schie­de­ne Me­tho­den zur aku­ten Be­hand­lung der Krank­heit zeig­ten in Stu­di­en we­nig Er­folg. So ist et­wa ei­ne pas­si­ve

Im­mu­ni­sie­rung nach dem Er­schei­nen von Sym­pto­men wahr­schein­lich oh­ne Ef­fekt. Mo­der­ne In­ten­siv­me­di­zin kön­ne bei ent­spre­chen­der Sym­pto­ma­tik für Er­leich­te­rung sor­gen und man­che Kom­pli­ka­tio­nen auch auf­fan­gen, be­han­del­bar im ei­gent­li­chen Sinn sei die Er­kran­kung je­doch nicht. Bis zu 50 Pro­zent der schwe­ren For­men en­den töd­lich.

VER­LAUF. Die Krank­heit be­ginnt nach ei­ner In­ku­ba­ti­ons­zeit von drei bis sechs Ta­gen. Sym­pto­me sind ein plötz­li­cher Fie­ber­an­stieg auf bis zu 40 Grad, Mus­kel­schmer­zen (vor al­lem Ge­nick, Rü­cken und Bei­ne), Kopf­schmer­zen, Schüt­tel­frost, Ap­pe­tit­ver­lust, Übel­keit und Er­bre­chen. Des Wei­te­ren kommt es zu Un­ru­he, Ver­wirrt­heit so­wie zu ei­nem ver­lang­sam­ten Puls. Das Fie­ber bleibt drei bis vier Tage gleich­blei­bend hoch, da­nach kommt es zum Fie­ber­rück­gang. Leich­te For­men der Er­kran­kung en­den hier­mit. Bei rund 15 Pro­zent der Be­trof­fe­nen kommt es je­doch nach ein bis zwei Ta­gen zu er­neu­tem Fie­ber­an­stieg. Durch ei­ne schwe­re Le­ber­schä­di­gung kommt es zur Gelb­fär­bung der Haut und der Au­gen­bin­de­haut, auf­grund der Schä­di­gung der Nie­ren kann es zum Nie­ren­ver­sa­gen mit ver­min­der­ter Harn­aus­schei­dung kom­men. Auch tritt ty­pi­scher­wei­se Blu­ter­bre­chen auf, wo­bei das Blut durch Kon­takt mit der Ma­gen­säu­re schwarz ge­färbt ist.

DIE IMP­FUNG UND IHR SCHUTZ. Es gibt zwei Grün­de für ei­ne Gelb­fie­berimp­fung: ei­ner­seits, wenn ein Gelb­fie­ber-ge­biet be­reist wird, an­de­rer­seits, wenn ein Land bei der Ein­rei­se den Nach­weis ei­ner Imp­fung ver­langt. „Gelb­fie­berimp­fun­gen sind welt­weit ge­nau ge­re­gelt und soll­ten nur in be­hörd­lich an­er­kann­ten Impf­zen­tren mit ent­spre­chen­der Be­wil­li­gung durch­ge­führt wer­den“, sagt Hol­len­stein. Die Gelb­fie­berimp­fung ist die ein­zi­ge Imp­fung, die man­che Län­der bei der Ein­rei­se ver­lan­gen, des­halb muss die Imp­fung im in­ter­na­tio­na­len Impf­pass ver­merkt sein. We­gen der Emp­find­lich­keit des Impf­stoffs ist er nur in staat­li­chen Impf­stel­len (Tro­pen­in­sti­tu­ten) er­hält­lich. Die Schutz­wir­kung der Imp­fung ist prak­tisch 100 Pro­zent, sie schützt ab zehn Ta­gen nach der Imp­fung. „Die Schutz­dau­er ist nach neue­ren Er­kennt­nis­sen le­bens­lang“, so die Ex­per­tin.

NE­BEN­WIR­KUN­GEN SEL­TEN. Die Gelb­fie­berimp­fung ist ei­ne so­ge­nann­te Le­ben­dimp­fung. Die­ser Typ Imp­fung kann drei bis zehn Tage nach der Imp­fung ge­le­gent­lich fie­ber­haf­te Re­ak­tio­nen ver­ur­sa­chen (Kopf­schmer­zen, Glie­der­schmer­zen, Fie­ber): „Läs­tig, aber harm­los.“Zwei Ty­pen von ex­trem sel­te­nen, aber schwer­wie­gen­den Ne­ben­wir­kun­gen sind be­kannt: yel­low fe­ver as­so­cia­ted neu­ro­lo­gi­cal di­sea­se – neu­ro­lo­gi­sche Sym­pto­me wie Läh­mun­gen, und Krampf­an­fäl­le. „Ein hö­he­res Ri­si­ko für die­se Ne­ben­wir­kung be­steht bei Kin­dern bis sechs Mo­na­ten, da­her ist die Imp­fung in die­sem Al­ter kon­tra­in­di­ziert“, so die Tro­pen­me­di­zi­ne­rin. Yel­low fe­ver as­so­cia­ted vis­ce­ral di­sea­se – die schwe­re Er­kran­kung mit Mul­ti­or­gan­ver­sa­gen. Er­höh­tes Ri­si­ko für die­se Ne­ben­wir­kung be­steht bei äl­te­ren Men­schen ab dem 70. Le­bens­jahr. „Hier muss das Ri­si­ko der Er­kran­kung ge­gen das Ri­si­ko der Ne­ben­wir­kung sehr ge­nau ab­ge­wo­gen wer­den“, sagt Ur­su­la Hol­len­stein.

„Gelb­fie­berimp­fun­gen sind welt­weit ge­nau ge­re­gelt und soll­ten nur in be­hörd­lich an­er­kann­ten Impf­zen­tren mit ent­spre­chen­der Be­wil­li­gung durch­ge­führt wer­den.“

Ur­su­la Hol­len­stein vom rei­se­me­di­zi­ni­schen Zen­trum tra­vel­doc.at

Der Stich ei­ner Mü­cke kann Krank­heits­er­re­ger über­tra­gen

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