Imp­fun­gen beim Ge­sund­heits­per­so­nal

War­um im Spi­tal al­le Hel­fer ge­impft sein soll­ten

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – STE­FAN KLU­GER

Wel­che Be­deu­tung hat das Imp­fen spe­zi­ell im Ge­sund­heits­be­reich? Ge­org Pal­mis­a­no: Imp­fen ist ei­ne er­wie­se­ner­ma­ßen wirk­sa­me Me­tho­de, sich vor In­fek­ti­ons­krank­hei­ten zu schüt­zen. Um­so mehr Sinn macht es, dass Men­schen, die im Ge­sund­heits­be­ru­fen tä­tig sind, von die­ser Mög­lich­keit Ge­brauch ma­chen. Denn da­mit schüt­zen sie nicht nur sich, son­dern auch an­de­re vor ei­ner An­ste­ckung. In die­sen Pro­fes­sio­nen hat man es oft mit Pa­ti­en­ten zu tun, die mög­li­cher­wei­se auf­grund ih­rer Im­mun­kom­pe­tenz nicht voll­stän­dig ge­gen In­fek­ti­ons­krank­hei­ten ge­schützt wer­den kön­nen. Oder mit Klein­kin­dern und Säug­lin­gen, die noch nicht den vol­be­son­ders

len Impf­schutz be­sit­zen. Aus die­sen Über­le­gun­gen ent­springt die lo­gi­sche Kon­se­quenz, dass Per­so­nen, die Er­krank­te pfle­gen und ih­re Hei­lung un­ter­stüt­zen, kei­nen Ri­si­ko­fak­tor mit­ein­brin­gen sol­len.

Gibt es of­fi­zi­el­le Impf­emp­feh­lun­gen in die­sem Be­reich?

Es gibt ei­ne of­fi­zi­el­le Emp­feh­lung des na­tio­na­len Impf­gre­mi­ums als Er­gän­zung zum Ös­ter­rei­chi­schen Impf­plan. Dort wur­den ex­pli­zit Imp­fun­gen für das Ge­sund­heits­per­so­nal de­fi­niert: Im Kern sind das Ma­sern, Mumps, Rö­teln, Varizellen, Diph­the­rie, Te­ta­nus, Per­tus­sis und Po­lio. Da­zu kom­men noch He­pa­ti­tis A und B –

im Sin­ne ei­nes Selbst­schut­zes von Be­deu­tung, da vor al­lem ers­te­res be­kann­ter­ma­ßen durch ver­stärk­ten Pa­ti­en­ten­kon­takt über­tra­gen wer­den kann. Und die Inf lu­en­za-imp­fung, die jähr­lich auf­zu­fri­schen ist. Je­mand, der ei­ne Ge­sund­heits­ein­rich­tung auf­sucht, ist nicht er­picht, sich dort ei­ne Grip­pe zu ho­len.

Die­se Imp­fung ist ja ziem­lich um­strit­ten.

Es geht um den Schutz der Pa­ti­en­ten. Die ha­ben hier ei­ne Vor­rang­stel­lung, die zu be­rück­sich­ti­gen ist. Und wenn man ei­ne Schutz­maß­nah­me hat – auch wenn sie viel­leicht nicht all­um­fas­send ist oder die ei­ne oder an­de­re Schwä­che auf­weist –, ist es

ei­ne Fra­ge der Ab­wä­gung, ob man gar nichts macht, oder ob zu­min­dest die­se Mög­lich­keit ge­nutzt wird.

Wie schaut es mit ei­ner Impf­ver­pflich­tung aus?

Das lässt die ak­tu­el­le Rechts­la­ge nicht zu. Denn die Eu­ro­päi­sche Men­schen­rechts­kon­ven­ti­on re­gelt in Ar­ti­kel 8 nicht nur den Schutz des Pri­vat­und Fa­mi­li­en­le­bens, son­dern auch die mit ihr ein­her­ge­hen­de Ge­währ­leis­tung kör­per­li­cher In­te­gri­tät. Weil man mit ei­ner Na­del ge­sto­chen und ins Im­mun­sys­tem ein­ge­grif­fen wird. Die Bio­ethik­kom­mis­si­on des Bun­des­kanz­ler­am­tes hat aber im ver­gan­ge­nen Jahr aus­führ- lich stel­lung­be zo­gen und dar­auf hin­ge­wie­sen, dass es ein schutz ge­bot ge­gen­über dem Pa­ti­en­ten–so­zu­sa­gen ei­ne ethi­sche Ver­pflich­tung – gibt. Das Nicht scha­dens prin­zip er­laubt hier ei­ne Her­lei­tung, dass Ge­sund­be­ruf­ler da­von Ge­brauch zu ma­chen ha­ben. Es ist ein star­ker ethi­scher Im­pe­ra­tiv. Die­se Emp­feh­lung wur­de ver­gan­ge­nen No­vem­ber vom obers­ten Sa­ni­täts­rat be­stä­tigt und un­ter­stri­chen: Men­schen in G es und heits­be ru­fen soll­ten ih­re I mm unitäts la­gen ken­nen. sie soll­ten wis­sen, wo­ge­gen sie ge­schützt sind–ent­we­der durch Imp­fung oder durch­ge­mach­te Krank­heit –, und je­ne Teil­be­rei­che, ge­gen die sie nicht ge­schützt. In die­sem Be­reich be­steht ein mo­ra­li­sche­thi­scher An­spruch.

Gibt es grund­sätz­lich ei­ne Aus­kunfts­pflicht bei Tä­tig­keits­be­ginn?

Nein, gibt es an sich nicht. Aber es kann schon ein Ein­stel­lungs­kri­te­ri­um sein. Als Ar­beit­ge­ber kann man sehr wohl sa­gen: Auf­grund des Ri­si­ko­pro­fils mei­ner Pa­ti­en­ten le­ge ich be­stimm­te Vor­aus­set­zun­gen fest, die mit­zu­brin­gen sind, wie bei­spiels­wei­se ge­wis­se Imp­fun­gen. So wie ein Feu­er-wehr­man­nei­ne be­stimm­te­lun­gen­ka­pa­zi­tät be­sit­zen muss, da­mit er mit schwe­rem Atem­schutz über­haupt ar­bei­ten kann. Auch das ist ei­ne Be­schrän­kung, die nicht je­der er­brin­gen wird, und wo man sa­gen kann: Un­ter die­sen Vor­aus­set­zun­gen sind Sie lei­der nicht ein­setz­bar.

Und bei be­reits lau­fen­der Tä­tig­keit?

Die Kran­ken­an­stal­ten soll­ten na­tür­lich schon wis­sen, wen sie mit wel­cher Im­mu­ni­tät für wel­chen Be­reich ein­set­zen. sie kön­nen an die­se Ar­beit­neh­mer her­an­tre­ten und dar­auf hin­wei­sen, dass ei­ne ent­spre­chen­de Er­he­bung ge­plant ist. Wenn dann je­mand ver­wei­gert und sagt, das lass ich bei mir nicht eru­ie­ren, kann man nicht da­ge­gen vor­ge­hen. Et­li­che wer­den aber wohl frei­wil­lig mit­ma­chen.

Ken­nen Sie die Dur­ch­imp­fungs­ra­ten bei den wich­tigs­ten Imp­fun­gen?

Man­gels ei­ge­ner Zah­len kann man im Ge­sund­heits­be­reich je­den­falls ana­log zur all­ge­mei­nen Be­völ­ke­rung ver­glei­chen. Wie kon­se­quent al­ler­dings die Auf­fri­schun­gen wahr­ge­nom­men wer­den, ist uns nicht be­kannt. Bei Ma­sern lie­gen wir noch un­ter dem Ziel­wert von 95 Pro­zent, wo ei­ne ent­spre­chen­de Her­den­im­mu­ni­tät ge­ge­ben wä­re. Imp­fen heißt ja nicht nur mich selbst, son­dern auch mei­ne Um­ge­bung zu schüt­zen. Und zwar da­durch, dass ich die Krank­heit nicht mehr wei­ter­ge­ben kann. Da­durch er­hal­ten Per­so­nen, die noch nicht Ge­le­gen­heit hat­ten sich zu imp­fen, be­stimm­te Imp­fun­gen nicht er­hal­ten dür­fen oder trotz Imp­fung kei­ne Im­mu­ni­tät auf­bau­en kön­nen, letzt­lich ei­nen Schutz.

„Per­so­nen, die Er­krank­te pfle­gen und ih­re Hei­lung un­ter­stüt­zen, sol­len kei­nen Ri­si­ko­fak­tor mit­ein­brin­gen.“

Ge­org Pal­mis­a­no, Lan­des­sa­ni­täts­di­rek­tor Oberösterreich

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