Schutz vor He­pa­ti­tis A und B

War­um je­der da­ge­gen ge­impft sein soll­te

KURIER_IMPFEN - - Inhaltsverzeichnis - – STE­FAN KLU­GER

He­pa­ti­tis A: selbst hei­len­de Er­kran­kung, An­ste­ckung: Schmier­in­fek­ti­on +++ He­pa­ti­tis B: bei5–10 % chro­nisch, An­ste­ckung: mit Blut ver­un­rei­nig­te Sprit­ze, un­ge­schütz­ter Ge­schlechts­ver­kehr

Bei­de Er­kran­kun­gen, He­pa­ti­tis A und B, be­tref­fen be­vor­zugt die Le­ber, da­her der ge­mein­sa­me Na­me He­pa­ti­tis.

Dar­un­ter ver­steht man ei­ne Le­ber­ent­zün­dung. An­sons­ten ha­ben sie, wie oft fälsch­li­cher­wei­se an­ge­nom­men, nichts ge­mein­sam: „Es sind zwei un­ter­schied­li­che, über­haupt nicht ver­wand­te Vi­ren“, er­klärt Do­zen­tin Ur­su­la Hol­len­stein vom rei­se­me­di­zi­ni­schen Zen­trum tra­vel­doc.at.

MECHA­NIS­MEN DER AN­STE­CKUNG. Ei­ne Infektion mit He­pa­ti­tis A er­folgt über ei­ne so­ge­nann­te Schmier­in­fek­ti­on. Das Vi­rus wird über den Mund auf­ge­nom­men: durch mit Fä­ka­li­en ver­un­rei­nig­tes Was­ser, Le­bens­mit­tel, Ober­flä­chen oder den Hän­den beim Es­sen. Die He­pa­ti­tis-b-infektion kann da­ge­gen durch Blut­trans­fu­sio­nen, mit Blut ver­un­rei­nig­te In­stru­men­te wie Na­deln, Sprit­zen, Pier­cin­gund Tat­too­werk­zeu­ge so­wie durch un­ge­schütz­ten Ge­schlechts­ver­kehr über­tra­gen wer­den.

UN­TER­SCHIED­LI­CHER VER­LAUF. Der Er­re­ger der He­pa­ti­tis A, das He­pa­ti­ti­sa-vi­rus (HAV), ist be­son­ders in sub­tro­pi­schen und tro­pi­schen Ge­bie­ten so­wie im Mit­tel­meer­raum und Ost­eu­ro­pa ver­brei­tet. In die­sen Län­dern macht die über­wie­gen­de Mehr­zahl der Be­v­öl-

ke­rung be­reits im Kin­des­al­ter Be­kannt­schaft mit dem Vi­rus. Als Er­wach­se­ne sind je­ne dann ge­gen die­se Er­kran­kung ge­wapp­net. Da­ge­gen sind im mit­tel­eu­ro­päi­schen Raum die meis­ten Leu­te der He­pa­ti­tis A schutz­los aus­ge­lie­fert.

Wäh­rend He­pa­ti­tis A ei­ne selbst­hei­len­de Er­kran­kung ist, die nicht chro­nisch wird und nicht die Le­ber zer­stört, kommt es bei He­pa­ti­tis B bei fünf bis zehn Pro­zent der Er­krank­ten zu ei­ner chro­ni­schen Infektion. Der Kör­per ist dann nicht im­stan­de, das Vi­rus zu eliminieren. „Es re­sul­tiert ei­ne chro­ni­sche Le­ber­ent­zün­dung, die über Jah­re und Jahr­zehn­te zur Le­ber­zir­rho­se mit all ih­ren ge­fürch­te­ten Kom­pli­ka­tio­nen führt – bis hin zu Le­ber­krebs“, er­klärt die Tro­pen me­di­zi­ne­rin. He­pa­ti­tis A da­ge­gen sei prak­tisch nie ge­fähr­lich, ha­be aber vor al­lem auf­grund ih­rer Häu­fig­keit Be­deu­tung: „Und weil man sich wo­chen­lang hun­de­elend fühlt.“Nur in ab­so­lu­ten Aus­nah­me­fäl­len kön­ne die­se Er­kran­kung dra­ma­tisch, so­gar töd­lich en­den: Dies be­trifft vor al­lem Per­so­nen mit durch He­pa­ti­tisBo­derCb er eits­vor­ge schä­dig­ten Or­ga­nen. Für bei­de Er­kran­kun­gen gibt es An­ti­kör­per be­stim­mun­gen, die die Dia­gno­se si­chern. Bei He­pa­ti­tis B kann zu­dem früh im Krank­heits­verl auf auch das Vi­rus selbst im Blut nach­ge­wie­sen wer­den.

THE­RA­PIE UND IMP­FUNG. Für He­pa­ti­tis A gibt es kei­ne The­ra­pie. Da die Er­kran­kung von selbst aus­heilt, ist das al­ler­dings auch nicht dring­lich. Bei He­pa­ti­tis B wer­den In­ter­fe­ro­nund Po­ly­me­ra­se-hem­mer ein­ge­setzt. Das sind Sub­stan­zen, die die Ver­meh­rung des Vi­rus stop­pen. „Neue Sub­stanz­ent­wick­lun­gen in den letz­ten Jah­ren ha­ben den The­ra­pie­er­folg sehr ver­bes­sert. Die Be­hand­lung ge­hört aber in die Hand ei­nes Spe­zia­lis­ten, da die Ve­rän­de­run­gen bei The­ra­pie­stan­dards recht ra­sant sind“, sagt Hol­len­stein.

He­pa­ti­tis A ist ei­ne klas­si­sche Rei­se­imp­fung, da die Er­kran­kung in Mit­tel­eu­ro­pa prak­tisch nur mehr ein­ge­schleppt auf­tritt. „Bei man­geln­der Hän­de­hy­gie­ne schaf­fen es sol­che Per­so­nen al­ler­dings im­mer wie­der, ei­ne klei­ne Mi­nie­pi­de­mie um sich her­um zu er­zeu­gen“, weiß Hol­len­stein. Ei­ner Emp­feh­lung der WHO fol­gend ha­ben in­zwi­schen prak­tisch al­le In­dus­trie­na­tio­nen, die es sich leis­ten kön­nen, He­pa­ti­tis B als Stan­dar­dimp­fung ein­ge­führt. Sie ist in Ös­ter­reich im kos­ten­lo­sen Kin­derimpf­plan ent­hal­ten. „Da die Er­kran­kung po­ten­zi­ell aus­rott­bar wä­re, ist ei­ne ge­ne­rel­le Dur­ch­imp­fung das Ziel.“Ob Ein­zelimpf­stof­fe oder der Kombinationsimpfstoff ver­wen­det wer­den, wür­de von der Si­tua­ti­on und even­tu­ell vor­han­de­nen Vorimp­fun­gen ab­hän­gen. „Wer neu be­ginnt und den Schutz ge­gen bei­de Er­kran­kun­gen möch­te, spart mit dem Kom­bi­impf­stoff Stich­an­zahl und Geld“, so die Ex­per­tin.

SCHUTZ DER IMP­FUNG.WENN bei He­pa­ti­tis A mit dem Mo­no­impf­stoff ge­impft wird, be­steht der Schutz be­reits sie­ben Tage nach der ers­ten Imp­fung. Wird hin­ge­gen der Kom­bi­impf­stoff ver­wen­det, greift der Schutz et­wa ei­ne Wo­che nach der zwei­ten Imp­fung, al­so fünf Wo­chen nach Impf­be­ginn. Bei He­pa­ti­tis B be­ginnt der Schutz 14 Tage nach der zwei­ten Imp­fung (bei Mo­no- oder Kom­bi­imp­fung), al­so sechs Wo­chen nach Impf­be­ginn. Bei­de Imp­fun­gen gel­ten als sehr gut ver­träg­lich. Ne­ben­wir­kun­gen, die über ei­nen ge­rin­gen Mus­kel­schmerz an der Stich­stel­le und even­tu­ell et­was Mü­dig­keit hin­aus­ge­hen, sind ex­trem sel­ten.

HE­PA­TI­TIS C, D UND E. He­pa­ti­tis C be­sitzt ei­nen ähn­li­chen Ver­lauf wie He­pa­ti­tis B, und wird so­gar noch häu­fi­ger chro­nisch. Die Über­tra­gung pas­siert fast nur über Blut. Ei­ne vor­beu­gen­de Imp­fung ist nicht ver­füg­bar. Stu­di­en lau­fen zwar, konn­ten bis­her aber noch kei­ne kon­kre­ten Er­geb­nis­se her­vor­brin­gen. Wäh­rend He­pa­ti­tis D nur als Ko-infektion mit He­pa­ti­tis B vor­kommt, und nicht als ei­gen­stän­di­ge Infektion, ist He­pa­ti­tis E der He­pa­ti­tis A sehr ähn­lich, mit der wich­ti­gen Aus­nah­me, dass es bei Schwan­ge­ren zu sehr schwe­ren Ver­läu­fen kom­men kann. Be­son­ders In­di­en sei hier­für ein Hots­pot, weiß die Ex­per­tin.

„Wer neu be­ginnt und den Schutz ge­gen bei­de Er­kran­kun­gen möch­te, spart mit dem Kom­bi­impf­stoff Stich­an­zahl und Geld.“

Ur­su­la Hol­len­stein vom rei­se­me­di­zi­ni­schen Zen­trum

tra­vel­doc.at.

He­pa­ti­tis A wird auch durch ver­un­rei­nig­tes Was­ser auf den Men­schen über­tra­gen

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