Das Foto des Jahres 2015:

Wil­lkom­men­skul­tur

Kurier_Interview - - In­halt - FOTO: JÜRG CHRI­S­TANDL TEXT: CHRISTOPH SIL­BER

Für Aufre­gung im Wiener Wahlkampf und in den sozialen Net­zen sorgte ein „Sch­nell-schuss“von KURIERFo­tograf Jürg Chri­s­tandl. Das Bild zeigt einen kleinen syrischen Buben und zwei Erwach­sene, die

Es war ein Rou­tine-auf­trag für den Kurier-fo­tografen Jürg Chri­s­tandl: An­fang Juni 2015 sollte er eine Anti-asyl-demo der FPÖ und eine Ge­gen-demo in Wien-erd­berg fo­tografieren. „Plöt­zlich sehe ich den kleinen syrischen Buben samt Fam­i­lie an den Blauen mit ihren Plakaten vor- beige­hen. Da­raufhin habe ich in­stink­tiv meine Kam­era in die Höhe geris­sen und auf den Aus­löser gedrückt. Das war’s“. Zunächst. Chri­s­tan­dls Bild ver­bre­it­ete sich über sozialen Netze und wurde on­line und auf der Ti­tel­seite vom KURIER ge­bracht. Die Reak­tio­nen waren heftig: „Es wurde Aber­tausende Male geteilt, die Kom­mentare waren zu Beginn voll der Em­pörung über das Fpö-vorge­hen.“Sch­nell be­gan­nen Frei­heitliche die Entste­hungs­geschichte des Fo­tos anzuzweifeln. Höhep­unkt dessen waren Äußerun­gen und Tv-auftritte blau-

nach ihrer Flucht aus dem Kriegs­ge­biet an diesem Tag in Wien angekom­men waren. Fpö-parteim­it­glieder und Sym­pa­thisan­ten of­fen­barten in Erd­berg eine beson­dere Form der „Wil­lkom­men­skul­tur“

er Gran­den, in de­nen gar von „Miss­brauch eines Kin­des“und In­sze­nierung Chri­s­tan­dls gesprochen wurde.

KLA­GEN. Da­rauf fol­gten Kla­gen des Fo­to­jour­nal­is­ten sowie der Zeitung – dank ihrer Im­mu­nität kön­nen Spitzen­poli­tiker strafrechtlich für ruf- schädi­gende Äußerun­gen nicht be­langt wer­den. Zivil­rechtliche Schritte führten aber zum Er­folg. Wiens neuer blauer Vize­bürg­er­meis­ter, Jo­hann Gu­de­nus, musste nun im Rah­men eines Ver­gle­ichs mit Chri­s­tandl öf­fentlich ein­räu­men, dass seine Äußerung eine Un­ter­stel­lung war, die „un­wahr ist und ziehe ich diese hi­er­mit mit dem Aus­druck des Bedauerns zurück.“Gu­de­nus musste neben dem vollen Kosten­er­satz fürs Zivil­ver­fahren noch 2500 Euro für die Flüchtling­shilfe des Roten Kreuzes über­weisen. Von FPÖ-CHEF H.C. Stra­che stand so ein Schritt bis Druckschluss noch aus ...

Bild-doku­ment: Ma­nip­u­la­tionsvor­wurf von FPÖSeite ge­gen Fo­tograf Jürg Chri­s­tandl ging ins Leere

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