Peter Filzmaier:

Bekannt, aber ungern pop­ulär

Kurier_Interview - - Inhalt - FO­TOS: GIL­BERT NOVY TEXT: AXEL HALBHUBER

Peter Filzmaier ist den Orf-se­hern als Wahlan­a­lytiker bestens bekannt. Der Poli­tologe spricht aber lieber über die Uni als über seine Per­son. Und tut’s doch

Vor Wahlen kön­nte Peter Filzmaier im Fernsehstu­dio einziehen. Der 48jährige Poli­tik­wis­senschaftler ist exk­lu­siver Orf-an­a­lytiker für na­hezu alles, was mit Wahlen zu tun hat. Auf die gewach­sene Pop­u­lar­ität ange­sprochen, stellt der hagere Pro­fes­sor klar: „Pop­u­lar­ität ist für Wis­senschaftler sch­wer einor­den­bar, ich würde sagen ‚Bekan­ntheit‘.“Er habe als Wis­senschaftler ja auch eine Bil­dungsauf­gabe zu er­füllen. Aber es gehe nicht um seine Per­son, er stehe ja nicht zur Wahl. Diese Trennlinie ist Filzmaier wichtig, das hat ihn die Zeit in den USA gelehrt – „ein Land, wo ich im­mer wieder sein möchte, aber nicht leben will. Weil es dort einiges gibt, das sich mir nicht er­schließt.“Zum Beispiel eben das zwang­hafte Stöbern im Pri­vatleben Promi­nen­ter. „Macht man ein Mal eine Homes­tory, lässt sich das nicht stop­pen. Es mag wie ein Stehsatz klin­gen, aber meine Fam­i­lie be­deutet mir alles, für die Öf­fentlichkeit ist sie un­in­ter­es­sant. Das ist gut so.“Klare Worte von einem, der sonst gerne kun­stvolle Sätze bildet. Im Sitzen gestikulieren beide Hände, im Gehen hat er meist eine im Hosen­sack.

GEGEN WASSERKOPFLASTIGKEIT. Allerd­ings sei die Donau Uni in Krems ein „für mich auch ganz typ­is­chen Ort“. Hier ko­or­diniert und lehrt Filzmaier Poli­tis­che Kom­mu­nika­tion. „Ich bin und war beru­flich im­mer mo­bil. Auch weil ich als ge­borener Wiener die Wasserkopflastigkeit Wiens nie mochte. Da­her habe ich viel in den Bun­deslän­dern gear­beitet.“Den Lehrauf­trag in Krems hat er wie an­dere aber re­duziert, als er 2009 sein Un­ternehmen, das „In­sti­tut für Strate­gieanal­y­sen“, eröffnete. Und dafür sogar eine un­künd­bare Stelle aufgegeben. „Aber ich würde Univer­sität nie ganz aufgeben, auch wenn man in er­fol­gre­ichen Jahren mit der Firma mehr ver­di­ent. Die Wis­senschaft ist eine mir sehr an­genehme Selb­stverpflich­tung zur Fort­bil­dung im eige­nen Fachge­biet.“Filzmaier liebt das Akademis­che in jeder Facette: Beim Rundgang erk­lärt er mit seiner markan­ten rauchigkrächzen­den Stimme die Geschichte des Ge­bäudes – „ehe­ma­lige Tabak­fab­rik, das Flair des tra­di­tionellen Ge- bäudes in span­nen­der Verbindung mit dem neuen Trakt.“Über die Bi­b­lio­thek spricht er wie über einen magis­chen Ort. Beim Be­treten wen­det sich der höfliche Herr Pro­fes­sor an die Da­men beim Ein­gang: „Ich bin nur kurz für Fo­tos hier, wir sind leise.“Die Da­men nicken desin­ter­essiert. „Man ist heute nicht mehr oft real hier, aber in der Bi­b­lio­thek­sat­mo­sphäre hat man viel mehr das Ge­fühl des echten Le­sens.“Um ziel­gerichtet zu recher­chieren, aber auch, um zu schmök­ern. Neben Fach­lit­er­atur li­est Filzmaier „ganz ba­nal: Krimis“. Nach­satz: „Das kann ich sagen, das ist nicht zu pri­vat. Als Ju­gendlicher alle Agatha Christies, dann die Gr­ishams.“Heute zur Entspan­nung Mankell und „die üblichen Verdächti­gen aus den Best­sellerlis­ten. Ich bin ent­täuscht, wenn die Lö­sung un­l­o­gisch ist. Da stimmt das Klis­chee des Wis­senschaftlers.“

PFLICHT UND SPASS. Der mit 24 übri­gens schon Mag­is­ter und mit 26 Dok­tor war. „Das erzähle ich nicht aus Eitelkeit, sondern weil es mich schon beschreibt, glaube ich.“Der Spaß kam in der Ju­gend de­shalb aber nicht zu kurz. „Das Bild, das eine wäre Pflicht und das an­dere Spaß, stimmt bei mir nicht. Ich fand das Studieren span­nend, dann macht man es in­ten­siv. Das ba­nale Ergeb­nis ist, dass et­was weit­ergeht.“Bei Hob­bys sei das ja auch so. Apro­pos: Der pas­sion­ierte Läufer trainiert derzeit wieder mehr. Die Bekan­nt­gabe seiner Bestzeit ist ihm fast zu pri­vat. „Es gab früher ganz gute Bestzeiten, aber das vari­iert stark.“Näm­lich? „Also als junger Mann lief ich den Halb­marathon in einer Stunde zwölf. Das muss man jetzt in Re­la­tion zur Al­ter­sklasse sehen.“

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