Thomas Schu­bert:

„Ich hatte großes Glück“

Kurier_Interview - - Inhalt - FO­TOS: JEFF MAN­GIONE TEXT: SAN­DRA LUMETSBERGER

Seine Kar­riere als Schaus­pieler ver­dankt Thomas Schu­bert einem Zu­fall – und Karl Markovics

Es war ein Sam­stag­nach­mit­tag vor vier Jahren, an dem sich Thomas Schu­berts Leben än­dern sollte. Weil ihm zu Hause lang­weilig war, be­gleit­ete der damals 17-Jährige seinen Fre­und zu einem Cast­ing. Schaus­pieler Karl Markovics suchte einen Haupt­darsteller für seinen neuen Film „At­men“. Schu­bert ließ sich eben­falls einen Text geben, sprach vor und kam in die näch­ste Runde. Am Ende set­zte er sich gegen 300 Kan­di­daten durch. „Ich hatte großes Glück, dass sich Markovics ge­traut hat, einen Laien zu nehmen. Es gibt viele wie mich, die sich das nie zuge­traut hät­ten“, sagt er im Rück­blick über seinen Ent­decker. Dieser war von An­fang an überzeugt. „Er ist das größte Tal­ent, dem ich in meinem Leben je gegenüberge­s­tanden bin“, sagt Markovics über Schu­bert. Heute sitzt er im „Café Kafka“, nahe der Mari­ahil­fer Straße. Hier tr­ef­fen sich Stu­den­ten und Kün­stler. An den Wän­den hän­gen alte Film­plakate, die Mö­bel haben Patina. Er schnappt seinen Ruck­sack, nimmt Platz und be­ginnt zu erzählen – aus seinem neuen Leben.

ENTDECKEN Seit Kurzem wohnt er im siebten Bezirk. „Ich wollte in eine Ge­gend, wo mehr los ist. Hier ent­decke ich neue Lokale. Für Dates ist das auch ganz gut.“Bei seinen El­tern in der Donaus­tadt – der Vater ist Zah­n­tech­niker, die Mut­ter Lehrerin – wuchs er „sehr be­hütet“auf. Während seine jün­gere Sch­wester noch da­heim wohnt, ist sein äl­terer Bruder aus­ge­zo­gen. Als Kin­der haben die bei­den Filme nachge­spielt: „Er war Bat­man und ich Robin.“Später zeigte er ihm Art­house-filme. „Ich habe so viel von ihm gel­ernt – von Musik, Fil­men bis zu der Art, wie ich heute bin.“In der Schule, so Schu­bert, fühlte er sich anders als die an­deren. „Ich hatte nie dieses Zuge­hörigkeits­ge­fühl.“Mit 16 sah er begeis­tert Stan­ley Kubricks „2001: Odyssee im Wel­traum“. „Kein Men­sch wollte sich diese Filme mit mir an­schauen.“Ob­wohl es heute of­fen­sichtlich ist, dass er im- mer schon schaus­piel­ern wollte, war er in der Schulzeit lange ohne Plan und auf der Suche nach Iden­tität. Während des Ge­sprächs schweift Schu­berts Blick ab, er fährt sich mit der Hand in den Nacken. Dabei fokussiert sich sein Blick auf einen jun­gen Mann, der gebückt humpelt und um Geld bit­tet – als er vor­beigeht, fragt er ihn, ob alles okay ist.

EX­PER­I­MENTE Die Aufmerk­samkeit und die Ausze­ich­nun­gen für seine Rolle als Ju­gend­häftling in Markovics Film – u. a. den Öster­re­ichis­chen Film­preis sowie den Darsteller­preis des Sara­jevo Film Fes­ti­vals – haben Schu­berts Leben zwar verän­dert, ihn aber nicht ab­heben lassen. Statt Kol­le­gen aus der Branche trifft er die gle­ichen Leuten wie vor fünf Jahren. Statt einer klas­sis­chen Schaus­pielaus­bil­dung ex­per­i­men­tiert er, dreht Kurz­filme mit Stu­den­ten oder setzt sich in Philoso­phie-vor­lesun­gen. „Ich will üben und aus­pro­bieren. Man muss den Zu­gang zu einer Rolle selbst fin­den. Ich glaube nicht, das man ein Schema dafür er­ler­nen kann.“Dass er für die Schaus­piel­erei die Matura sausen hat lassen, bereut er nicht. „Hast was g’lernt, bist wer – diese Ein­stel­lung gefällt mir nicht. Ich habe meinen El­tern gesagt, dass ich meinen eige­nen Weg fin­den werde.“Aus­sagen wie diese lassen ihn re­bel­lisch wirken. Er rel­a­tiviert: „Ich werde sicher ir­gend­wann weit­er­ler­nen. Da es derzeit ganz gut läuft, ver­trauen mir meine El­tern auch.“

BLICKE Was die Schaus­piel­erei be­t­rifft, kon­nte er nicht nur von Men­tor Markovics, heute ein guter Fre­und, ler­nen, sondern auch von Regis­seur An­dreas Prochaska. In dessen Film „Das fin­stere Tal“spielte er neben To­bias Moretti und Sam Ri­ley einen Bräutigam. Markant auch in dieser Rolle – sein Blick, bei dem die Au­gen ganz groß wer­den – so beschrieb ihn die Süd­deutsche Zeitung. Darüber muss er schmun­zeln. „Meine bish­eri­gen Rollen waren ernst. Ich würde gerne ein­mal in einer Komödie spie­len.“Un­ter Schu­berts blauem T-shirt blitzt ein Tat­too her­vor. Er zieht den Kra­gen nach un­ten und zeigt ein Man­dala her: „Es steht für Res­o­nanz und Ausstrahlung.“

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