Heinz Mare­cek:

„Glaube nicht an Rezepte“

Kurier_Interview - - Inhalt - FO­TOS: JEFF MAN­GIONE TEXT: DI­ETER CHMELAR

Heinz Mare­cek ist Schaus­pieler, Wiener, Ge­nießer, grade 70 und fürchtet sich nicht. Er gesteht, völ­lig plan­los er­fol­gre­ich zu sein. Einziges großes Ziel noch: Buch­händler auf Ibiza

Man er­re­icht ihn seit Jahren ir­gendwo an einer Ecke seines per­sön­lichen Ber­muda-dreiecks Wien–ibiza–kitzbühel. Jeder Wortwech­sel mit ihm ist voll Witz und Witzen, voll Wahrhaftigkeit und Weltläu­figkeit, voll Wis­sen und Gewis­sen. Kurzum: Die reine Freude – un­ab­hängig von Ernst oder gar Dreck­igkeit der jew­eili­gen Lage, ob lokal, global oder marginal. Denn: Heinz Mare­cek, seit 17. Septem­ber des Vor­jahres 70, hatte schon ganz früh ganz großes Glück: „Es gab im­mer genug Lachen bei uns zu Hause auf dem Tisch.“Da­her, so sein Nach­satz (der ihm längst als Lebensen­twurf be­gleitet): „Es gibt kein Denken ohne Hu­mor.“Mit 16 hatte er zufäl­lig ein kleines Büch­lein in die Fin­ger bekom­men – „The Con­quest of Hap­pi­ness“des en­glis­chen Philosophen, Math­e­matik­ers und Lit­er­aturnobel­preisträgers Ber­trand Rus­sell (1872–1970): „Das war der Beginn einer lebenslan- gen Liebe. Ich kann gar nicht sagen, was dieser Mann für meinen Kopf getan hat. Bin­nen kürzester Zeit be­saß ich eine Bi­b­lio­thek seiner Werke, an der ich mich nicht sat­tle­sen kon­nte.“Dabei hatte der Wiener Pub­likum­sliebling aus ein­fachen vorstädtis­chen Ver­hält­nis­sen trotz (oder we­gen?) der Rus­sell-bande stets alles, nur keinen Plan – das gab er uns sogar schriftlich.

LEBEN IN DIE HAND NEHMEN. Nach „Das ist ein The­ater“(2002, Res­i­denz) und „Ich komme aus dem Lachen nicht her­aus“(2011, Amalthea) ver­packte Mare­cek seine Rat­losigkeit nun in das jüng­ste Buch, „Leben ohne Rezept“(2015, Amalthea), gemein­sam er­fahren – aber ge­trennt geschrieben – mit Ehe­frau Chris­tine (59), seit 30 Jahren an seiner Seite. Der Haubenkoch Hannes Kofler aus dem TV-HIT „SOKO Kitzbühel“(in 200 Fol­gen für ORF & ZDF) emp­fiehlt darin das Span­nend­ste am Menü des Da­seins, näm­lich es „je­den Tag in der Früh in die Handzu nehmen, so wie ein Tis­chler ein Stück Holz oder ein Schus­ter ein Stück Leder, und zu über­legen, was man damit machen kann“. Mare­cek gesteht freimütig, „völ­lig plan­los“er­fol­gre­ich gewor­den zu sein. Okay, aus Hol­ly­wood wurde nix. „Das ist wie ein Lot­totr­e­f­fer, siehe Christoph Waltz. Zum richti­gen Zeit­punkt am richti­gen Ort. Ge­nau dort, wo Quentin Tarantino auf einen lauert. Mein größter Re­spekt gilt freilich der Art, wie der Waltz jetzt damit umgeht. Würdig, gelassen, anständig. Hut ab.“Mare­ceks Lei­den­schaften ab­seits der Schaus­piel­erei und des Ge­nießens (er ist u. a. Fein­schmecker des Jahres)? „Golf, Bridge und Schach. Weißt du, was mir Hoff­nung macht? Ich ver­liere in diesen drei Diszi­plinen nicht sel­ten gegen viel Äl­tere!“Etwa gegen Werner Sch­ney­der, bald 78, mit dem er das Spiel der Könige oft via Skype pflegt. „Bob Hope hat noch mit 100 gegolft. Ich fürchte mich nicht vor dem Al­ter!“Ein let­ztes Ziel? „Ja, eine Buch­hand­lung, wie alle sein soll­ten, aber keine mehr ist. So wie einst der ,Halosar‘ auf der Mar­gareten­straße ... In un­serem kleinen Dorf auf Ibiza gibt es so was – Li­bro Azul, das blaue Buch. Dort seh’ ich mich. Aber erst mit 80 oder 90.“

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