Thomas Gottschalk:

Ewiger Spiel­trieb

Kurier_Interview - - Inhalt - FOTO: JEFF MAN­GIONE TEXT: RU­DOLF JOHN

Er ist der Großmeis­ter der deutschsprachi­gen Fernseh-un­ter­hal­tung: Thomas Gottschalk wurde dafür 2014 im Rah­men einer großen Tv-gala in Wien die Platin-romy über­re­icht

Er ist einer der be­liebtesten ShowModer­a­toren des deutschsprachi­gen Raumes: Thomas Gottschalk (65) un­ter­hält sein Pub­likum seit über zwei Jahrzehn­ten mit großer Spon­tan­ität, viel Hu­mor und einer Prise Sarkas­mus. Mit „Wet­ten, dass ..?“machte er sich zur Tv-in­sti­tu­tion. Mit „Die 2 – Gottschalk & Jauch gegen alle“(RTL) zeigt er, dass er noch nicht vorhat, von der Show­bühne abzutreten. Der Platin-romy-preisträger im In­ter­view.

Du hast in let­zter Zeit etliche Preise abgelehnt, die man dir noch ver­lei­hen wollte. Aber die ROMY nimmst du – wie du sagst – gerne. Was sind die Gründe?

Bei den Preisen, die man mir jetzt an­bi­etet, ist sel­ten der für die „Neuent­deck­ung des Jahres“dabei. Ich habe keine Lust, bei diesen Ver­lei­hun­gen in der er­sten Reihe zu sitzen, um mir meinen eige­nen Nachruf anzuhören. Das ist zwar meis­tens nett gemeint, aber dafür ist es noch ein biss­chen früh. Im Ver­gle­ich zum späten Jo­hannes Heesters, der sich die Preise für sein Lebenswerk mit 100 abge­holt hat, bin ich ja noch ein Kind.

Zu Öster­re­ich und den Öster­re­ich­ern hat­test du im­mer schon eine beson­dere Beziehung. Wie würdest du diese charak­ter­isieren?

Ich liege mit meinem Ge­samtwerk unge­fähr zwis­chen Thomas Bern­hard und Peter Alexan­der, damit bin ich den Öster­re­ich­ern wahrschein­lich näher als meinen eige­nen Land­sleuten. Es gibt zwar keine deutsche Über­set­zung für Sch­mäh, aber ich habe jede Menge davon verzapft und war damit im­mer auch ein biss­chen der öster­re­ichis­che Botschafter in der deutschen Fernse­hunter­hal­tung. Und wenn ich mich recht erin­nere, war meine Quote in Öster­re­ich im Ver­gle­ich meis­tens noch et­was höher als die deutsche.

So weit ich weiß, lebst du in Kal­i­fornien, weil du und deine Fam­i­lie dort nicht in einen me­di­alen Overkill wie in Deutsch­land ver­wick­elt werdet. Was empfind­est du – vom Wet­ter abge­se­hen – in Los An­ge­les noch alles anders bzw. an­genehmer als in Europa?

Ich weiß, dass ich auch glück­lich sein kann, wenn mich auf der Straße nicht jeder erkennt, und ich ge­nieße dort das Leben, auch ohne im Ram­p­en­licht zu ste­hen. Man un­ter­stellt un­sere­inem ja oft, man könne ohne öf­fentliche Aufmerk­samkeit und Büh­ne­nap­plaus gar nicht ex­istieren. In meinem Fall weiß ich, dass das nicht stimmt, denn ich habe es aus­pro­biert.

Du hast Fernse­hgeschichte geschrieben und un­ter an­derem „Wet­ten dass ..?“und dich selbst zur In­sti­tu­tion. Du führst seit Langem ein priv­i­legiertes Leben. Würdest du den­noch nachträglich an deinem Leben et­was geän­dert haben wollen bzw. dich ein­mal entschei­dend anders ver­hal­ten haben?

Diese Frage ist mir zu pri­vat.

Was ist für dich das Ge­heim­nis guten En­ter­tain­ments und guter Un­ter­hal­tung?

Die Fernse­hunter­hal­tung, für die ich stehe, wurde schon des Öfteren für tot erk­lärt, aber ich spiele im­mer noch mit und das mit größtem Vergnü­gen. Derzeit in der Rolle des al­ten Häuptlings in „Lit­tle Big Man“. Der sagt: „Heute ist ein guter Tag zum Ster­ben.“Dann geht er auf den Berg und wartet auf den Tod. Aber der kommt nicht. Also geht er wieder runter und lebt weiter. So mach ich das auch.

Worin besteht deiner Mei­n­ung nach die Zukunft des Fernse­hens und welche Rolle würdest du darin spie­len wollen?

Diese Frage werde ich in meinem Buch ( das i m Fis­cher Ver­lag er­scheinen soll, Anm. d. Red.) aus­führlich beant­worten, das geht nicht in ein paar Sätzen.

Wir waren beide ein­mal Min­is­tran­ten. Was hast du dir aus dieser Zeit be­wahrt – oder auch nicht?

Meine Vor­liebe für Weihrauch und die Ge­wohn­heit, mich in meinen Klam­ot­ten vom Rest der Ge­meinde an­genehm zu un­ter­schei­den.

Dein größter Tri­umph, deine empfind­lich­ste Nieder­lage?

Von Tri­umphen kann man in meinem Geschäft kaum sprechen, ich habe mir den Beifall nie alleine ver­di­ent, denn ich hab’ ja im­mer et­was präsen­tiert: Ver­rückte Wet­ten, abge­fahrene Kan­di­daten, Hol­ly­wood­größen, Show­stars. Aber das Pub­likum hat mir das abgenom­men und dafür bin ich dankbar. Ich habe mich auch gerne dafür beklatschen lassen. Meine größte Nieder­lage habe ich in dem Mo­ment er­lebt, in dem einer meiner Kan­di­daten auf dem Bo­den lag und nie mehr auf­ste­hen kon­nte.

Was würdest du gerne noch er­re­ichen wollen?

Jetzt, wo ich die Platin-romy habe, gibt es kaum noch Möglichkeiten, mich zu steigern. Ich muss auch nie­man­dem mehr et­was be­weisen und stelle zu­dem fest, dass­sich meingeschäf­tund­daspub­likums-ver­ständ­nis von Un­ter­hal­tung stark gewan­delt hat. Ich bin nur bis zu einem gewis­sen Punkt flex­i­bel. Wenn dieser Punkt er­re­icht ist, werde ich ohne zu kla­gen ins Aben­drot re­iten und mich mit meinem Pri­vatleben beschäfti­gen. Mit dem Warten auf Enkel und Urenkel zum Beispiel.

Ver­rätst du uns das Rezept deiner beein­druck­enden per­sön­lichen ph­ysis­chen und geisti­gen Fit­ness?

Ich bin täglich auf meinem Crosstrainer un­ter­wegs und lese dabei the­ol­o­gis­che Ab­hand­lun­gen von Hans Küng. Ver­suche also, Leib und Seele gle­ichzeitig auf einem gewis­sen Niveau zu hal­ten.

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