Mario Adorf:

Schauen Sie mal böse

Kurier_Interview - - Inhalt - FOTO: JEFF MAN­GIONE TEXT: WERNER ROSEN­BERGER

Begeg­nung mit einem sym­pa­this­chen Film-bösewicht: Pub­likum­sliebling Mario Adorf, 85, blickt auf seine Kar­riere zurück – und nach vorn

Ho­tel Villa Kennedy. In der Suite 251 sitzt entspannt Deutsch­lands be­liebtester Schaus­pieler: Mario Adorf wirkt wie ein Mittsechziger und feierte doch jüngst seinen 85. Ge­burt­stag. Er be­gann als Vier­jähriger „in einem Kostüm mit roter Zipfelmütze und einem lan­gen weißen Wat­te­bart“als siebter Zw­erg in „Sch­nee­wittchen“auf der Kin­der­bühne und spielte später vorzugsweise Mörder und Schurken. „Schauen Sie mal böse“ist der Ti­tel seines neuen Buches. Diese anek­do­tis­chen Geschichten aus seinem Schaus­piel­er­leben führten Adorf während seiner Lese-tournee im Novem­ber auch nach Wien.

RAUBEINIGE FASSADE. Schauen Sie mal böse. „Das sagte Robert Siod­mak 1957 in München zu mir“, erin­nert sich Adorf. Er er­hielt damals prompt die Rolle des Se­rien­mörders in „Nachts, wenn der Teufel kam“– und war da­raufhin jahre­lang auf die Darstel­lung von Bös­lin­gen und Ganoven fest­gelegt. „Man hat mich lange beschimpft, weil ich als San­ter Win­netous Sch­wester Nscho-tschi er­schossen habe“, er- zählt er im Kurier-ge­spräch. „Aber nur Film­bösewichte wollte ich sowieso nicht spie­len. Ob­wohl natür­lich die Bösen dankbarere Rollen als die Guten sind.“Ger­ade stand er in Kroa­t­ien wieder vor der Kam­era: im „Win­netou“-re­make – dies­mal als San­ters Vater, der sich um seinen Sohn San­ter Ju­nior (Michael Maertens) sorgt. Warum ist er über­haupt Schaus­pieler gewor­den? „Um Men­schen zum Lachen zu ver­führen. Um Men­schen zu un­ter­hal­ten. Das ist mein Beruf.“Er sei kein Selb­st­darsteller, sondern liebe Charak­tere mit Saft und Kraft. So war er der er­graute Fir­men­pa­tri­arch in „Der große Bell­heim“und unglaublich komisch in der Münch­ner Schick­e­ria-serie „Kir Royal“(1986) von Hel­mut Di­etl. „Er war mein Lieblingsregis­seur. Ihm habe ich viel zu ver­danken“, so Adorf. Die bei­den haben zwei un­vergessliche Fig­uren kreiert – den gel­tungssüchti­gen Kleb­stoff­fab­rikan­ten Hein­rich Haf­fen­lo­her, der seinen Willen zur Kor­rup­tion und seine Überzeu­gung von der Kor­rumpier­barkeit eines je­den gegenüber Baby Schim­mer­los mit dem Satz deut­lich macht: „Ich scheiß dich so was von zu mit meinem Geld.“Und den Promi­wirt in der bit­ter­bösen Ge­sellschaftssatire „Rossini – oder die mörderische Frage, wer mit wem sch­lief“(1996). Er habe stets ver­sucht, „auch aus der kle­in­sten Charge ein Sch­muck­stück zu machen“. Adorf, das ist der Me­lan­cho­liker im unbeschw­ert Heit­eren, der Komö­di­ant in der Tragödie, der Gen­tle­man im Boxer. Etwa als er auch für Di­eter Wedel in „Der Schat­ten­mann“(1996) der Böse war: „Warum leckt sich ein Rüde die Eier?“, fragt Adorf alias Mafioso Her­zog da Heiner Lauter­bach – und gibt sich die Ant­wort gekonnt großkotzig selbst: „Weil er’s kann!“Er hatte schon vor Jahren einen kri­tis­chen Blick auf Tv-se­rien wie „Derrick“, deren Er­folg er damit erk­lärte, dass „kon­tinuier­licher Schwachsinn mit der Zeit nicht mehr als solcher erkennbar“sei. Sein eigener Er­folg ist ihm trotz­dem nie zu Kopf gestiegen: „Einen Höhen­flug habe ich bei mir nie zuge­lassen. Ich sagte mir im­mer: Bleib auf dem Tep­pich, schau, wer du bist, schau, wie du aussiehst, und macht das Beste da­raus. Mehr wollte ich nie.“

LANGZEITLIEBE. Keine Kurzgeschichte ist Adorfs Liebe zu seiner Frau, der Französin Monique – einst ange­blich als Nackt-dou­ble von Brigitte Bar­dot zu Po-pu­lar­ität gelangt. „Nein, das stimmt nicht ganz“, ko­r­rigiert Adorf. „Sie war eine enge Fre­undin der Bar­dot und wurde gele­gentlich als Licht-dou­ble einge­setzt.“Seit 1985 sind die bei­den ver­heiratet und noch viel länger – seit fast 50 Jahren – ein Paar. Und was ist das Ge­heim­nis für eine jahrzehn­te­lange gute Beziehung? „Monique ist schön, klug und hat mich nie eingeengt“, sagt Adorf. „Und wir kön­nen viel miteinan­der lachen. Sie ist mein guter Geist, manch­mal auch mein Quäl­geist.“Das Al­tern empfindet er als einen „langsamen und kaum merk­lichen Prozess“. Und seine gute kör­per­liche Ver­fas­sung sieht er nicht als sein Ver­di­enst: „Das schreibe ich meinen guten Genen zu. Mal sehen, wie lange es noch gut geht. Ich wün­sche mir noch ein paar gute Rollen. Aber ir­gend­wann muss die Show zu Ende sein. Dann wird’s wohl einen Sch­lag oder ein Unglück geben. Dann ist eben Schluss.“

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