Axel Prahl:

Fluch & Se­gen

Kurier_Interview - - Inhalt - FO­TOS: JEFF MAN­GIONE TEXT: DANIELA SCHIMKE

Er zählt zu den ab­so­luten Lieblin­gen des Fernseh­pub­likums: Axel Prahl über den „Ta­tort“, seine Auftritte als Musiker und die Fol­gen des Er­folgs

„Herr Kom­mis­sar Thiel!“, ruft eine Pas­santin während des In­ter­views im Ho­tel Bris­tol. Axel Prahl nimmt’s gelassen. Der Schaus­pieler und Musiker weiß mit dem „Ta­tort-stem­pel“umzuge­hen, zu­mal als „Be­liebtester Se­rien­darsteller“der ROMY 2015.

Wil­lkom­men in Wien. Sie sind ja im let­zten Jahr hier als Musiker aufge­treten ...

Ja, das war sen­sa­tionell! Aber ich habe ja auch einen pri­vaten Öster­re­ich-bezug, denn mein Bruder Udo lebt seit 20 Jahren in der Nähe von Graz. Er ist mit einer Öster­re­icherin ver­heiratet und hat recht sch­nell den Dialekt angenom­men. Das war lustig, als er das er­ste Mal zu mir sagte: „Du bist a lein­wan­der Oarsch.“Da hätte es beinahe eine Keil­erei gegeben. ( l acht) Danach hat er mir ein Wörter­buch geschenkt.

Un­ter­schei­det sich das öster­re­ichis­che Pub­likum vom deutschen?

Jedes Pub­likum ist speziell, wobei ich in Öster­re­ich sehr pos­i­tive Er­fahrun­gen gemacht habe. Die Öster­re­icher sind noch entspan­nter als die Deutschen, wahrschein­lich, weil das Land kleiner und über­schaubarerist. Hier­darf­man­jaauch noch in vie­len Lokalen rauchen.

Aber auch bei uns kommt bald das to­tale Rauchver­bot.

Schade, ich hätte die Entschei­dung den Gas­tronomen über­lassen. Dieses Bevor­munden nervt mich.

Zurück zu Ihrer Beliebtheit, der Sie auch die ROMY ver­danken.

Das hat mich schon er­staunt. Ich habe zwar von meinem Bruder er­fahren, dass die Leute gerne den „Ta­tort“gucken, aber dass wir auch hier Quotenkönige sind, ist sehr an­genehm.

Stimmt es, dass Sie als Teenager bei einem Musik­wet­tbe­werb nicht antraten, weil Sie Angst davor hat­ten, der Er­folg kön­nte Sie verän­dern?

Ich war damals 14 und hätte nicht gewusst, wa­sich dami­tan­fan­gen soll. Meine El­tern woll­ten, dass ich zunächst ein­mal einen anständi­gen Beruf er­lerne, wozu es zwar eh nicht kam, aber Sie hat­ten Angst, dass ich abrutsche.

Hat Sie der Er­folg verän­dert?

Ich würde lü­gen, würde ich be­haupten, dass er mich über­haupt nicht verän­dert hat, weil sich die Lebenssi­t­u­a­tion verän­dert hat. Man wird beim Bäcker mit Herr Prahl ange­sprochen und kann nicht am Strand mit Bade­hose rum­laufen, ohne dass nicht ein Foto bei einer Zeitung lan­det. Aber ich ver­suche trotz­dem, den moralis­chen An­sprüchen, die ich schon früher an mich stellte, auch jetzt gerecht zu wer­den.

Welche An­sprüche sind das?

Die Wertschätzung von Men­schen. Bo­den­haf­tung zu be­wahren. Und den Er­folg kar­i­ta­tiv zu nutzen und so an­deren zu helfen.

Ner­ven Pa­parazzi?

Hin und wieder schon. Was bis heute noch richtig verärg­ert, ist, als ich mit meiner Frau Silja auf Hel­goland heim­lich heiraten wollte und ein Ur­lauber­paar der Presse Fo­tos zus­pielte. So et­was ist schade.

Tun Preise wie die ROMY gut?

Das Schöne daran ist die Wertschätzung der Ar­beit. Mein Kri­tikpunkt ist, dass sich die Branche gerne feiern sieht. Dem stehe ich skep­tisch gegen- über. Aber, wenn es sich um einen Pub­likum­spreis han­delt, freue ich mich sehr, dabei zu sein.

Vor Ihrer Schaus­piel-kar­riere haben Sie u. a. als Straßen­musiker in Spanien Geld ver­di­ent. Ihre Erin­nerun­gen?

Gute, weil ich da gel­ernt habe, dass es im­mer ir­gend­wie weit­ergeht. De­shalb empfehle ich auch allen El­tern, Ihre Kin­der mal hin­auszuschicken in die Welt, ohne Geld und Hilfe, ganz auf sich gestellt.

Ver­schafft die Rolle als „Ta­tort“-kom­mis­sar pri­vat Vorteile bei der Polizei?

Nein, lei­der eher im Ge­gen­teil. Viele Polizis­ten denken: „Der braucht nicht glauben, dass er sich mehr er­lauben kann.“Übri­gens hat man mich auch schon in Diskotheken nicht rein­ge­lassen, wohl auch, weil man den „Kom­mis­sar“nicht unbe­d­ingt im Lokal haben wollte. Der „Ta­tort“ist also Se­gen und Fluch zu­gle­ich.

Die Öster­re­icherin Franziska Weisz dreht nun in Ham­burg „Ta­tort“. Welchen Rat geben Sie ihr?

Durch­hal­ten! ( l acht)

Was schätzen Sie am Kol­le­gen und Fre­und Jan Josef Liefers?

Seinen Teamgeist, seine Em­pathie und seinen Hu­mor. Spaß ist das Wichtig­ste beim Ar­beiten.

Was mö­gen Sie weniger?

Dass er oft un­pünk­tlich ist, aber das liegt daran, dass er im­mer so viele Eisen gle­ichzeitig im Feuer hat.

Trotz Ihrer Schaus­piel-er­folge blieben Sie der Musik treu. Macht sie Ih­nen noch mehr Spaß als das Spie­len?

Ich liebe bei­des und finde es lang­weilig, wenn man sich nicht selbst im­mer neue Auf­gaben stellt – und weit­erwach­sen kann. Wennschon nicht an Kör­per­größe, dann zu­min­d­est als Per­son.

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