UN­TER­WEGS MIT DEM KAI­SER

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Franz Jo­seph reist durch die Län­der der Mon­ar­chie

Franz Jo­seph war – vor al­lem , um die Ver­bun­den­heit mit den Völ­kern sei­nes Reichs zu de­mons­trie­ren – viel un­ter­wegs. Als er jung war, fuhr er auch auf wei­ten Stre­cken noch mit der Kut­sche, spä­ter lieb­te er es, in sei­nem Sa­lon­wa­gen per Bahn zu fah­ren. Au­to­mo­bi­le lehn­te er, wie an­de­re tech­ni­sche Ge­rä­te, als „neu­mo­di­sches Zeug“ab.

IM SA­LON­WA­GEN.

Franz Jo­seph war viel auf Rei­sen, wo­bei er ne­ben of­fi­zi­el­len Staats­be­su­chen im Aus­land mehr­mals im Jahr wei­te Tei­le der Mon­ar­chie be­such­te, um so die Ver­bun­den­heit mit al­len Völ­kern sei­nes Reichs de­mons­trie­ren zu kön­nen. In jun­gen Jah­ren ver­brach­te er noch ge­mein­sam mit sei­ner Frau meh­re­re Win­ter­wo­chen an der fran­zö­si­schen Ri­vie­ra. Die Rei­se dort­hin fand üb­ri­gens nie – wie sonst üb­lich – im Hof­zug statt. Dies lehn­te Franz Jo­seph als „zu teu­er“ab. Al­so wur­den an den fahr­plan­mä­ßi­gen Zug drei Wag­gons an­ge kup­pelt, dar­un­ter der Sa­lon­wa­gen, ei­ne Art „rol­len­des Kaf­fee­haus“.

AUS­FLÜ­GE.

Im Som­mer fuhr er im­mer ins ge­lieb­te Salz­kam­mer­gut, von wo aus der Kai­ser Aus­flü­ge un­ter­nahm. Aber wenn er auch noch so viel un­ter­wegs war, un­ter­schied sich der Ta­ges­ab­lauf vom Wie­ner Hof­le­ben nur un­we­sent­lich: Der Kais er­stand ex­trem früh auf, un­ter­zeich­ne­te noch vor­dem ers­ten Früh­stück Ak­ten, emp­fing Ab­ord­nun­gen, führ­te Ar­beits­ge­sprä­che mit lo­ka­len oder aus Wi­en an­ge­reis­ten Po­li­ti­kern. Fast schien es, als woll­te der Mon­arch sein per­sön­li­ches Un­glück durch un­un­ter­bro­che­ne Ar­beit ver­ges­sen. Um auch auf Rei­sen sei­nen Pflich­ten nach­ge­hen zu kön­nen, fuhr stets ein Teil des Hof­staa­tes mit. Als Franz Jo­seph ein­mal sei­nen zu­fäl­lig in Ischlur lau­ben den Ka­bi­netts di­rek­tor auf der Stra­ße traf, lu­der ihn so­fort in die Kai­ser vil­la ein ,– um mit ihm zu­ar­bei­ten. In sei­nen ers­ten Le­bens jahr­zehn­ten noch mit der Kut­sche un­ter­wegs, war er spä­ter be­geis­ter­ter Bahn­fah­rer. Mit dem Au­to­mo­bil konn­te er sich je­doch nicht an­freun­den, da es dem Kai­ser „zu neu­mo­disch“war. Um ihn von den An­nehm-

lich­kei­ten des Kraft­wa­gens zu über­zeu­gen, schenk­te ihm der Ös­ter­rei­chi­sche Au­to­mo­bil-Klub zwei Au­tos, in der Hoff­nung, Franz Jo­seph wür­de durch häu­fi­ge Be­nüt­zung die­sel­ben po­pu­lär ma­chen. Er hat sie aber kaum je be­nützt.

KÖ­NIG ED­WARD.

Ein Mal kann er ei­ner Au­to­fahrt nicht ent­kom­men: Der eng­li­sche Kö­nig Ed­ward VII. ver­bringt im Som­mer 1908 ein paar Ta­ge im Ho­tel Eli­sa­beth in Bad Ischl, wo er den Kai­ser am 12. Au­gust ein­lädt, mit ihm ei­ne kur­ze Spritz­fahrt zu un­ter­neh­men. Franz Jo­seph langt mit dem Pfer­de­wa­gen vor dem Ho­tel ein und wird von Ed­ward VII. be­grüßt. Nach kur­zem Small Talk schlägt der eng­li­sche Kö­nig dem Kai­ser vor, mit dem Au­to durchs Salz­kam­mer­gut zu fah­ren, sein fünf­zig PS star­ker Züst-Wa­gen stün­de oh­ne­hin vor der Tür. Der Kai­ser ist von der Idee ent­setzt, kann aber schwer Nein sa­gen, weil vor dem Ho­tel vie­le Schau­lus­ti­ge ste­hen und die klei­ne Sze­ne be­ob­ach­ten.

BAUM­WOL­LE IN DIE OH­REN

„Kai­se­rund Kö­nig“, ist an­dern­tags der Neu­en Frei­en Pres­se zu ent­neh­men, „nä­her­ten sich dem Kraftwagen, des­sen Tür von ei­nem Die­ner ge­öff­net wur­de. Der Kö­nig woll­te den Kai­ser zu­erst ein­stei­gen las­sen, aber der Kai­ser wink­te ab­leh­nend mit der Hand und sag­te: ,Steig du zu­erst ein, du kennst dich bes­ser aus.“Der Kö­nig nahm Platz, dann stieg der Kai­ser ein. Es folg­te Prin­zes­sin Gi­se­la, die äl­tes­te Toch­ter des Kai­sers. Die Prin­zes­sin sag­te zum Kai­ser: ,Nimm doch Baum­wol­le in die Oh­ren, der Leo­pold

(ihr Ehe­mann, Anm.) tut es im­mer, wenn er mit dem Au­to­mo­bil fährt.‘ Der Kai­ser lehn­te lä­chelnd ab. In dem herr­li­chen Traun­tal nah­men die Ma­schi­nen ein et­was leb­haf­te­res Tem­po an und fuh­ren mit drei­ßig bis fünf­und­drei­ßig Ki­lo­me­tern in der St­un­de. In vier­zig Mi­nu­ten war der At­ter­see er­reicht. Um fünf Uhr und fünf Mi­nu­ten fuhr das Au­to­mo­bil mit dem Kö­nig und dem Kai­ser wie­der vor dem Ho­tel Eli­sa­beth vor. Die Fahrt hat­te et­was we­ni­ger als acht­zig Mi­nu­ten ge­dau­ert.“ Kai­ser Franz Jo­seph soll Ed­ward den Aus­flug im Au­to­mo­bil nie ver­zie­hen ha­ben. Je­den­falls sag­te er nach der Rück­kehr in die Kai­ser­vil­la zu sei­nem Kam­mer­die­ner Ket­terl: „Die Aus­fahrt war ganz an­ge­nehm, aber mei­ne Li­piz­za­ner sind mir lie­ber.“

Mit der Ei­sen­bahn (links) fuhr er ger­ne, mit dem Au­to gar nicht. Ei­ne der we­ni­gen Pkw-Fahr­ten sei­nes Le­bens: Der Kai­ser nimmt im Wa­gen des eng­li­schen Kö­nigs Ed­ward VII. Platz, um mit ihm ei­ne Fahrt durch das Salz­kam­mer­gut

zu un­ter­neh­men (oben)

War er in­ner­halb der Gren­zen der Mon­ar­chie un­ter­wegs, trug der Kai­ser prak­tisch im­mer Uni­form. Nur wenn er in­ko­gni­to im Aus­land weil­te, zeig­te er sich in Zi­vil­klei­dung

Newspapers in German

Newspapers from Austria

© PressReader. All rights reserved.