Er hat Stift und Zei­chen­block im­mer bei sich

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Die Begabung -

Ehe er Kai­ser wird, ist Franz Jo­seph viel auf Rei­sen, und er hat Stift und Zei­chen­block im­mer bei sich. In den Jah­ren 1845 und 1846 be­sucht er Ita­li­en, Is­tri­en und Dal­ma­ti­en. Der Erz­her­zog ver­säumt kei­ne Ge­le­gen­heit, die er­leb­ten Ein­drü­cke fest­zu­hal­ten. In­ter­es­sant ist da­bei nicht nur das of­fen­sicht­li­che Ta­lent, son­dern auch das Mi­lieu, in dem sich der Habs­bur­ger im Zu­ge sei­ner Pri­vat­rei­sen be­wegt. Er trifft mit ein­fa­chen Men­schen zu­sam­men, be­sucht bil­li­ge Gast­häu­ser, ärm­li­che Be­hau­sun­gen und mit Vor­lie­be Zir­kus­vor­stel­lun­gen. Wäh­rend Bru­der Max über ein be­mer­kens­wer­tes Ge­s­angs­ta­lent ver­fügt, be­geis­tert sich Franz Jo­seph der­ma­ßen für die Ma­le­rei, dass er sich auch in die Kunst der da­mals noch jun­gen Li­tho­gra­fie ein­wei­sen lässt. Er ver­schenkt meh­re­re Blät­ter an Freun­de und Ver­wand­te. Als ihm Ka­ro­li­ne von Bay­ern – sei­ne Groß­mut­ter in Mün­chen – aus Dank­bar­keit für ein ihr ge­wid­me­tes Bild ei­nen Spiel­zeug­af­fen schickt, ist Franz Jo­seph je­doch zu­tiefst ge­kränkt, weil man ihn of­fen­sicht­lich noch für ein Kind hält. Trost fin­det er dann in Groß­ma­mas an­er­ken­nen­den Wor­ten für sei­ne Kunst­wer­ke. „Er liebt es eben sehr, dass man sein klei­nes Ta­lent hoch­schätzt“, schreibt Erz­her­zo­gin So­phie an ih­re Mut­ter.

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