Die „ro­te Erz­her­zo­gin“

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Die Enkel -

gern Fa­mi­li­en­mensch ge­we­sen, hät­te er nur Zeit da­zu ge­habt. Kron­prinz Ru­dolfs Toch­ter mach­te ihm das Le­ben schwer

„eben­bür­ti­gen Ehe­mann“aus ei­nem herr­schen­den eu­ro­päi­schen Ge­schlecht vor­ge­se­hen hat­te. Als Franz Jo­seph sei­ner En­ke­lin er­öff­ne­te, dass Win­disch-Graetz ei­ner an­de­ren ver­spro­chen sei, ver­fiel die­se in ei­nen Wein­krampf und droh­te dem Kai­ser: „Mein Va­ter hat es vor­ge­zo­gen, eher zu ster­ben­als­sei­ne Lie­be­zu­ver­ra­ten,i ch­bin wie er, auch ich fürch­te den Tod nicht. Ich wer­de ihm mei­ne Ju­gend op­fern, nur er kann mich vom Schmerz be­frei­en.“Es war ei­ne Dro­hung, aus der es für Franz Jo­seph nach al­lem, was ge­sche­hen war, kei­nen Aus­weg gab. Er ließ Win­di­schG­raetz­neu­er­lich­kom­men­und­teil­teihm mit, dass sei­ne En­ke­lin kei­ner­lei Wi­der­spruch hin­neh­men wür­de. „Als Ihr Kai­ser und obers­ter Kriegs­herr be­feh­le ich Ih­nen, mei­ne En­ke­lin Erz­her­zo­gin Eli­sa­beth Ma­rie von Habs­burg-Loth­rin­gen zu hei­ra­ten.“

„JA­WOHL, MA­JES­TÄT!“.

Dem Ula­nen­of­fi­zier blieb nichts an­de­res üb­rig als die Ha­cken zu­sam­men­zu­schla­gen und „Ja­wohl, Ma­jes­tät!“zu sa­gen. Und da­mit war die nächs­te Tra­gö­die im Hau­se Habs­burg vor­pro­gram­miert. Eli­sa­beth schenk­te Ot­to Win­di­schG­raetz, den der Kai­ser vor der Hoch­zeit schnell noch in den Fürs­ten­stand er­hob, vier Kin­der. Nach drei­jäh­ri­ger Ehe kam es zum Eklat, als sie ih­ren Mann in fla­gran­ti­in­denAr­men­derOpern­sän­ge­rin Ma­rie Zieg­ler er­wisch­te. Eli­sa­beth nahm ei­ne Pis­to­le, rich­te­te sie ge­gen die Ri­va­lin und drück­te ab, wo­bei die Ge­lieb­te ih­res Man­nes er­heb­lich ver­letzt wur­de.

EI­FER­SUCHT­SAT­TEN­TAT.

Ein Jahr lang konn­te die auf­se­hen­er­re­gen­de Ge­schich­te,der­zu­fol­gen­unauch­dieToch­ter des Kron­prin­zen auf ei­nen Men­schen ge­schos­sen hat, von den k. u. k. Zen­sur­be­hör­den un­ter­drückt wer­den. Erst im Ok­to­ber 1906 gab Ma­rie Zieg­ler ei­ner ame­ri­ka­ni­schen Zei­tung ein In­ter­view, in dem sie vom Ei­fer­sucht­sat­ten­tat der Kai­ser­en­ke­lin er­zähl­te, wor­auf der Ar­ti­kel auch von ös­ter­rei­chi­schen Zei­tun­gen zi­tiert wur­de. 17 Jah­re spä­ter, als ihr Groß­va­ter Franz Jo­seph tot und die Mon­ar­chie zu­sam­men­ge­bro­chen war, wur­de Eli­sa­beths Ehe mit dem Fürs­ten Ot­to Win­di­schG­raetz ge­schie­den. Sie hei­ra­te­te spä­ter ih­ren Le­bens­ge­fähr­ten Leo­pold Petz­nek, ei­nen so­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Leh­rer und Po­li­ti­ker und trat selbst der So­zi­al­de­mo­kra­ti­schen Par­tei bei. Als sie im Bür­ger­krieg 1934 als So­zia­lis­tin von der Po­li­zei fest­ge­nom­men und nach ih­ren per­sön­li­chen Da­ten ge­fragt wur­de, gab sie zu Pro­to­koll: „Mein Va­ter war der Kron­prinz Ru­dolf, mein Groß­va­ter der Kai­ser Franz Jo­seph. Wol­len Sie noch et­was wis­sen?“Franz Jo­seph wä­re gern „Fa­mi­li­en­mensch“ ge­we­sen – al­lein Schick­sals­schlä­ge und Zeit­pro­ble­me er­schwer­ten dies. Hof­be­am­te über­lie­fer­ten, dass der Kai­ser ein „rei­zen­der Groß­va­ter“war. Weil­ten sei­ne 13 En­kel in Wi­en, „ku­gel­ten sie beim Opa­pa im Schreib­zim­mer­auf­de­mTep­pich­her­um.Er­gab ih­nen die Um­schlä­ge ge­öff­ne­ter Brie­fe und far­bi­ge Blei­stif­te, mit de­nen sie dann Fi­gu­ren auf die Ku­verts krit­zel­ten.“Auch in lschl und Wall­see nahm sich der Kai­ser mög­lichst viel Zeit für sei­ne En­kel­kin­der. Franz Jo­seph sprach sei­ne nächs­ten An­ge­hö­ri­gen mit ih­rem Vor­na­men an, auch sie sag­ten „Du“zum Kai­ser, muss­ten aber „Ma­jes­tät“an­fü­gen.

Der al­te Kai­ser mit sie­ben sei­ner 13 En­kel­kin­der beim Ei­er­su­chen zu Os­tern 1910 auf Schloss Wall­see in Nie­der­ös­ter­reich

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