MA­XI­MI­LI­ANS TRA­GI­SCHES EN­DE

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Franz Jo­sephs Bru­der wird in Me­xi­ko hin­ge­rich­tet

Mit der Hin­rich­tung Kai­ser Ma­xi­mi­li­ans von Me­xi­ko, den um zwei Jah­re jün­ge­ren Bru­der Franz Jo­sephs, nah­men die po­li­tisch-fa­mi­liä­ren Ka­ta­stro­phen der Habs­bur­ger im 19. Jahr­hun­dert ih­ren An­fang. Kai­ser Ma­xi­mi­li­an (Mit­te) wur­de am 19. Ju­ni 1867 mit zwei sei­ner Ge­folgs­leu­te kriegs­recht­lich er­schos­sen.

NOCH EIN KAI­SER. Die Brü­der wa­ren ein­an­der lie­be­voll zu­ge­tan, und doch stand ih­nen im­mer schon ei­ne ge­wis­se Ei­fer­sucht im We­ge. Der ehr­gei­zi­ge und wohl auch be­gab­te zweit­ge­bo­re­ne Ma­xi­mi­li­an sah sich wie Franz Jo­seph zu Hö­he­rem be­ru­fen. Er wur­de auch 1857 zum Gou­ver­neur des lom­bar­do-ve­ne­tia­ni­schen Kö­nig­reichs mit Sitz in Mai­land er­nannt, doch als die Lom­bar­dei 1859 ver­lo­ren ging, zog sich Ma­xi­mi­li­an – oh­ne je­de po­li­ti­sche Auf­ga­be – mit sei­ner jun­gen Frau Char­lot­te auf das neu ge­bau­te Schloss Mi­ra­ma­re bei Triest zu­rück. Dort er­reich­te ihn 1861 die ob­sku­re Auf­for­de­rung des fran­zö­si­schen Kai­sers Na­po­le­on III., die me­xi­ka­ni­sche Kai­ser­kro­ne an­zu­neh­men. Ma­xi­mi­li­an sag­te be­geis­tert zu, denn da­mit soll­te end­lich auch er wie sein Bru­der Herr­scher ei­nes gro­ßen Habs­bur­ger­rei­ches wer­den. Doch das Aben­teu­er ent­wi­ckel­te sich zur töd­li­chen Fal­le. So­wohl Kai­ser Franz Jo­seph als auch sei­ne Mut­ter So­phie hat­ten Ma­xi­mi­li­an drin­gend ab­ge­ra­ten, die me­xi­ka­ni­sche Kro­ne und die mit ihr ver­bun­de­nen Ge­fah­ren an­zu­neh­men.

DIE FRE­GAT­TE „NO­VA­RA“. Ma­xi­mi­li­an brach am 14. April 1863 in Be­glei­tung sei­ner Frau Char­lot­te von Triest auf. Am 28. Mai lan­de­te der ehe­ma­li­ge ös­ter­rei­chi­sche Erz­her­zog – der auf An­ord­nung sei­nes Bru­ders Franz Jo­seph auf

die­sen Ti­tel wie auf sämt­li­che an­de­ren Vor­rech­te ei­nes Habs­bur­gers für den me­xika­ni­schen Thron ver­zich­tet hat­te – an Bord der Fre­gat­te „No­va­ra“im Ha­fen von Ver­a­cruz.

WI­DER BES­SE­RES WIS­SEN. Die Herr­schaft Ma­xi­mi­li­ans stütz­te sich auf die Träu­me ei­ner kon­ser­va­tiv-kle­ri­ka­len Min­der­heit und auf die Macht fran­zö­si­scher Ko­lo­ni­al­trup­pen, die durch ein ös­ter­rei­chi­sches Frei­wil­li­gen-Korps ver­stärkt wur­den. Kai­ser Na­po­le­on III. hat­te Ma­xi­mi­li­an wohl wi­der bes­se­rem Wis­sen zur Krö­nung in Me­xi­ko er­mun­tert und zu sei­nem per­sön­li­chen Schutz fran­zö­si­sche Trup­pen be­reit­ge­stellt. Of­fen­sicht­lich dürf­te Ma­xi­mi­li­an sei­nen um zwei Jah­re äl­te­ren Bru­der Franz Jo­seph die An­kunft in Me­xi­ko in et­was zu leuch­ten­den Far­ben ge­schil­dert ha­ben, denn der schick­te ihm am 9. Ok­to­ber 1864 aus Ischl die­ses Hand­schrei­ben: „An Sei­ne Ma­jes­tät, den Kai­ser von Me­xi­ko ... Liebs­ter Max! Sehr er­freut war ich über den herz­li­chen Emp­fang, den Du in Dei­nem neu­en Va­ter­lan­de ge­fun­den hast. Gott wird Dich in Dei­ner schwe­ren Auf­ga­be stär­ken und Dei­nen Muth auf­recht er­hal­ten.“Doch statt ei­nes herz­li­chen Emp­fangs, den Ma­xi­mi­li­an sei­nem Bru­der wohl vor­ge­flun­kert hat­te, war der neue Kai­ser in ei­nen blu­ti­gen Bür­ger­krieg ge­ra­ten. Wäh­rend das me­xi­ka­ni­sche Kai­ser­reich von den gro­ßen eu­ro­päi­schen Mäch­ten an­er­kannt wur­de, wa­ren sämt­li­che ame­ri­ka­ni­schen Län­der auf­sei­ten des re­pu­bli­ka­ni­schen Prä­si­den­ten von Me­xi­ko, Be­ni­to Juá­rez.

BES­TE AB­SICH­TEN. Da­bei hat­te Ma­xi­mi­li­an nur die bes­ten Ab­sich­ten für das Land. Er woll­te ei­ne li­be­ra­le de­mo­kra­ti­sche Ver­fas­sung ver­ab­schie­den, grün­de­te ei­ne Aka­de­mie der Wis­sen­schaf­ten, Mu­se­en und ein Kai­ser­li­ches Thea­ter, bau­te Schlös­ser und Parks. Doch die von lan­gen Bür­ger­krie­gen ge­plag­te Be­völ­ke­rung hat­te ganz an­de­re Sor­gen, litt un­ter drü­cken­der Ar­mut und be­ach­te­te den Kai­ser aus Eu­ro­pa kaum. Als die Ma­xi­mi­li­an schüt­zen­den fran­zö­si­schen Trup­pen 1866 von den Ver­ei­nig­ten Staa­ten von Ame­ri­ka zum Ver­las­sen des Lan­des auf­ge­for­dert wur­den, stimm­te Na­po­le­on III. so­fort zu und zog sich mi­li­tä­risch und po­li­tisch aus Me­xi­ko zu­rück. Er hat­te sei­ne Po­li­tik ge­än­dert und Ma­xi­mi­li­an über Nacht schutz­los ste­hen las­sen. Der lehn­te die ihm an­ge­bo­te­ne Flucht ab, wur­de ge­fan­gen ge­nom­men und von ei­nem Kriegs­ge­richt zum Tod ver­ur­teilt.

HIN­RICH­TUN­GEN. Am 19. Ju­ni 1867 wur­de der 34-jäh­ri­ge Ma­xi­mi­li­an in Qu­e­ré­ta­ro stand­recht­lich er­schos­sen. Gleich­zei­tig mit ihm ließ man auch zwei sei­ner Ge­folgs­leu­te, die Ge­ne­rä­le Tho­mas Me­jia und Mi­guel Ma­ra­mon, hin­rich­ten. Die sterb­li­chen Über­res­te Kai­ser Ma­xi­mi­li­ans konn­ten 1868 in der Wie­ner Ka­pu­zi­ner­gruft bei­ge­setzt wer­den. Sei­ne Wit­we, Kai­se­rin Char­lot­te – sie war ei­ne Toch­ter des bel­gi­schen Kö­nigs Leo­pold I. – war nach Eu­ro­pa zu­rück­ge­kehrt und bald in geis­ti­ge Um­nach­tung ge­fal­len. Sie über­leb­te den von ihr über al­les ge­lieb­ten Ma­xi­mi­li­an um sech­zig Jah­re!

Franz Jo­sephs Bru­der Ma­xi­mi­li­an mit Ge­mah­lin Char­lot­te

Kai­ser Ma­xi­mi­li­an traf an Bord der Fre­gat­te „No­va­ra“in Me­xi­ko ein

Ma­xi­mi­li­an und Char­lot­te re­si­dier­ten auf Schloss Mi­ra­ma­re bei Triest, von wo aus sie nach Me­xi­ko auf­bra­chen

Frank­reichs Kai­ser Na­po­le­on III. ließ Ma­xi­mi­li­an in die me­xi­ka­ni­sche Fal­le tap­pen

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