KIND SEIN IM KAI­SER­HAUS

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Als El­tern tre­ten Franz und Si­si kaum in Er­schei­nung

Eli­sa­beths und Franz Jo­sephs Toch­ter So­phie stirbt mit zwei Jah­ren. Gi­se­la hei­ra­tet nach Bay­ern. Kron­prinz Ru­dolf er­dul­det in sei­nen ers­ten Le­bens­jah­ren ei­ne dra­ko­ni­sche Er­zie­hung und Ma­rie Va­le­rie ist die Ein­zi­ge, die mit „Si­si“in gu­ter Be­zie­hung steht. Da die Mut­ter stän­dig auf Rei­sen und der Va­ter mit sei­nen Staats­ge­schäf­te be­schäf­tigt ist, wach­sen die Kin­der wie Voll­wai­sen auf.

DER ERS­TE SCHICK­SALS­SCHLAG. Eli­sa­beth und Franz Jo­seph hat­ten vier Kin­der. Die erst­ge­bo­re­ne Toch­ter So­phie starb 1857 mit zwei Jah­ren an Ty­phus. Der Tod der klei­nen So­phie war der ers­te Schick­sals­schlag für das Ehe­paar, an­geb­lich soll Franz Jo­sephs Mut­ter So­phie ih­rer Schwie­ger­toch­ter Eli­sa­beth die Schuld am Ster­ben der klei­nen So­phie ge­ge­ben ha­ben, weil die Kai­se­rin dar­auf be­stan­den hat­te, sie auf ei­ne Un­garn­Rei­se mit­zu­neh­men. 1856 kommt Erz­her­zo­gin Gi­se­la zur Welt, die mit 16 Jah­ren da­zu be­stimmt wird, den Prin­zen Leo­pold von Bay­ern zu hei­ra­ten, mit dem sie in Mün­chen lebt und dem sie vier Kin­der schenkt. Zwei von ih­nen hei­ra­ten spä­ter Habs­bur­ger. Wäh­rend Kai­ser Franz Jo­seph zu Gi­se­la ein gu­tes Ver­hält­nis hat, ist das zu ih­rer Mut­ter Eli­sa­beth sehr kühl. Be­son­ders in­nig ist Gi­sel­as Be­zie­hung da­für zu ih­rem Bru­der, Kron­prinz Ru­dolf.

THRON­FOL­GER. Ru­dolf wird 1858 als heiß er­sehn­ter Thron­fol­ger in La­xen­burg ge­bo­ren. Fünf Ta­ge vor Ru­dolfs Ge­burt­löst­si­chimZe­re­mo­ni­en­saal­von Schloss Schön­brunn der gro­ße Lus­ter aus sei­ner Ver­an­ke­rung und stürzt mit un­ge­heu­rem Krach zu Bo­den, was man bei Hof als bö­ses Omen für die Zu­kunft des jun­gen Habs­bur­gers wer­tet. Wie sein Va­ter streng mi­li­tä­risch er­zo­gen, wird der Kron­prinz durch dra­ko­ni­sche Stra­fen­auf­s­ei­neAuf­ga­be­al­sKai­ser­vor­be­rei­tet. Ru­dolfs Groß­mut­ter So­phie über­trägt dem au­to­ri­tä­ren Ge­ne­ral Leo­pold Gond­reourt die Ver­ant­wor­tung über den klei­nen Erz­her­zog, dem durch „Ab­här­tungs­maß­nah­men“zwei­fel­los blei­ben­de Schä­den zu­ge­fügt wer­den: So schreckt man ihn ab dem drit­ten Le­bens­jahr nachts durch Pis­to­len­schüs­se und Kalt­was­ser­güs­se aus dem Schlaf und lässt den Knirps stun­den­lang ex­er­zie­ren. Erst die „Ge­schich­te mit dem Wild­schwein“bringt die Wen­de: Graf Gond­re­court sperrt den knapp sechs­jäh­ri­gen Ru­dolf al­lein in den Lain­zer Tier­gar­ten und ruft ihm von au­ßen über die Mau­er zu: „Es kommt ein Wild­schwein!“Das Kind läuft um sein Le­ben, bis sich das gan­ze als „Scherz“er­weist. Und dies al­les nur um den Kron­prin­zen ab­zu­här­ten.

DAS UL­TI­MA­TUM. Als die Kai­se­rin von der Epi­so­de er­fährt, stellt sie in ei­nem am 24. Au­gust 1865 an Franz Jo­seph ge­rich­te­ten Ul­ti­ma­tum schrift­lich kar: „Ich wün­sche, dass mir vor­be­hal­ten blei­be un­um­schränk­te Voll­macht in al­lem, was die Kin­der be­trifft, die Wahl ih­rer Um­ge­bung, die Lei­tung ih­rer Er­zie­hung, bis zu dem Mo­ment ih­rer Voll­jäh­rig­keit“. Soll­te der Kai­ser auf die­se For­de­run­gen­nicht­ein­ge­hen,droh­tSi­si, wür­de sie ihn für im­mer ver­las­sen. Franz Jo­seph hat kei­ne an­de­re Wahl, Ru­dolf er­hält in Jo­seph von La­tour ei­nen neu­en Er­zie­her, der für sei­nen Le­bens­weg, vor al­lem aber für sein li­be­ra­les Welt­bild be­stim­mend wird. Doch Eli­sa­beth nimmt von ih­rer neu­en Macht kei­nen Ge­brauch. Sie lässt nicht nur ih­ren Mann mo­na­te­lang al­lein, son­dernau­chih­reKin­der.Da­si­chFranz Jo­seph stän­dig um die Staats­ge­schäf­te küm­mert, bringt auch er für de­ren Sor­gen kei­ne Ge­duld auf. Ru­dolf und sei­ne Schwes­tern se­hen ih­re El­tern an ho­hen Fei­er­ta­gen, bei of­fi­zi­el­len An­läs­sen und Jag­den. Ös­ter­reichs Kron­prinz wächst fast wie ei­ne Voll­wai­se auf.

NACH­ZÜG­LE­RIN. 1868 wird als Nach­züg­le­rin Ma­rie Va­le­rie in Bu­da­pest als ein­zi­ges Kind ge­bo­ren, zu dem die Mut­ter ei­ne en­ge Be­zie­hung hat. Ma­rie Va­le­rie hei­ra­tet 1890 ih­ren Vet­ter Franz Sal­va­tor, mit dem sie auf Schloss Wall­see in Nie­der­ös­ter­reich lebt. Der Ehe ent­sprin­gen zehn Kin­der.

Eli­sa­beth mit

Kron­prinz Ru­dolf

im Arm und Toch­ter

Gi­se­la ste­hend.

Das Por­trät ih­rer

früh ver­stor­be­nen

Toch­ter So­phie

hängt im Bil­der­rah­men an

der Wand

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