KRÖ­NUNG IN OL­MÜTZ

Der 18-jäh­ri­ge Erz­her­zog Franz Jo­seph wird in ei­ner „Not-Ak­ti­on“in der mäh­ri­schen Stadt Ol­mütz, wo­hin sich die kai­ser­li­che Fa­mi­lie auf der Flucht vor der Re­vo­lu­ti­on zu­rück­ge­zo­gen hat, zum Kai­ser ge­krönt, nach­dem sei­nem „gü­ti­gen“On­kel Fer­di­nand prak­tisch d

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Im Kri­sen­jahr 1848 be­steigt er den Thron

DER THRONWECHSEL. Die Ge­schich­te des Thron­wech­sels von Kai­ser Fer­di­nand zu sei­nem Nef­fen Franz Jo­seph be­ginnt mit der Pa­ri­ser Re­vo­lu­ti­on im Fe­bru­ar 1848, nach der es auch in Wi­en und in an­de­ren eu­ro­päi­schen Städ­ten zu Auf­stän­den kommt. Die Not der Mas­sen ist groß, Hand­wer­ker und Ar­bei­ter­schaft se­hen sich von Hun­ger und Elend be­droht. Nach hef­ti­gen Stra­ßen kämp­fen, die Stu­den­ten, Bür­ger und Ar­bei­ter derk.k. Ar­mee wäh­rend der so­gen ann­ten„Märzr evo­lu­ti­on“lie­fern, zieht der 74-jäh­ri­ge Kle­mens Fürst Met­ter­nich die Kon­se­quen­zen. Der ös­ter­rei­chi­sche Staats kanz­ler, dem die Be­völ­ke­rung die Haupt­schuld an den un­halt­ba­ren Zu­stän­den zu­schreibt, legt sein Amt nie­der und flüch­tet vor den dro­hen­den Mas­sen nach En­g­land. Kai­ser Fer­di­nand ver­sucht in­des die auf­ge­heiz­te Stim­mung zu be­ru­hi­gen und ver­spricht „zur Er­fül­lung der Wün­sche Un­se­rer treu­en Völ­ker“die Ein­füh­rung ei­ner frei­heit­li­chen Ver­fas­sung, die zur Auf­he­bung der Zen­sur, der Grund­herr­schaft, zu un­ein­ge­schränk­ter Pres­se­frei­heit und zu ei­ner Ge­wer­be­frei­heit füh­ren soll. Die an­ge­kün­dig­ten Ge­set­zes­än­de­run­gen füh­ren zu dem Schlag­wort, in Ös­ter­reich sei das Mit­tel­al­ter erst im Jahr 1848 zu En­de ge­gan­gen. Doch die Ge­set­ze zei­gen, dass es mit der neu­en „Frei­heit“nicht sehr weit her ist. Sie wer­den von den Auf­stän­di­schen als zu we­nig li­be­ral ab­ge­lehnt und schließ­lich von der Re­gie­rung zu­rück­ge­zo­gen. Als nicht min­der dra­ma­tisch zeigt sich die Si­tua­ti­on in Un­garn.

AUF DER FLUCHT. In sei­ner Sor­ge um den Thron ver­spricht Kai­ser Fer­di­nand am 16. Mai 1848 die For­de­rung nach all­ge­mei­nen, di­rek­ten und frei­en Wah­len zu er­fül­len, doch die Stim­mung ist nach im­mer hef­ti­ger wer­den­den Stra­ßen­kämp­fen be­reits so auf­ge­heizt, dass der Mon­arch schon am Tag nach dem Ver­spre­chen mit sei­nem Hof­staat die Reichs­haupt- und Re­si­denz­stadt ver­lässt und nach Inns­bruck flüch­tet. Wäh­rend der schwa­che Re­gent nun im Ti­ro­ler Exil lebt, kommt es in Wi­en zu neu­en, hef­ti­gen Un­ru­hen – vor al­lem, als im Au­gust statt der ver­spro­che­nen Bes­se­rung ei­ne wei­te­re Her­ab­set­zung der Ar­beits­löh­ne be­schlos­sen wird. Vor­erst ge­lingt es der Wie­ner Stadt­gar­de mit ei­nem blu­ti­gen Ge­met­zel die Ru­he wie­der her­zu­stel­len.

2000 TO­TE. Doch im Herbst kommt es zu neu­en Aus­ein­an­der­set­zun­gen z wi­schen­der Re­gie­rung und ih­ren„ Un­ter­ta­nen “, wo­bei die Kämp­fe noch we­sent­lich här­ter ge­führt wer­den. Die Re­vo­lu­tio­nä­re er­rich­ten Bar­ri­ka­den und zer­stö­ren die Ei­sen­bahn­li­nie nach Bu­da­pest. Zum En­de der Ver­hand­lun­gen kommt es, als Kriegs­mi­nis­ter Ge­ne­ral Theo­dor Graf La­tour in sei­nem Mi­nis­te­ri­um Am Hof ge­lyncht wird. Kai­ser Fer­di­nand tritt jetzt die Flucht in die Stadt Ol­mütz an, von wo er zum Kreuz­zug ge­gen die Re­vo­lu­ti­on auf­ruft. Wäh­rend der ös­ter­rei­chi­sche Reichs­tag von Wi­en nach Krem­sier, eben­falls in Mäh­ren, ver­legt wird, ist Wi­en am 31. Ok­to­ber wie­der fest in der Hand der kai­ser­li­chen Trup­pen. Die Re­vo­lu­ti­on ist nie­der­ge­schla­gen.

GEIS­TES­SCHWACH. Der Ab­gang Met­ter­nichs und die Art und Wei­se, wie hilf­los Fer­di­nand sich in den Mo­na­ten des Auf­stands ver­hal­ten hat, zeigt auf, dass der Mon­arch nicht fä­hig ist, die Re­gie­rungs­ge­schäf­te zu füh­ren. Fer­di­nand – „der Gü­ti­ge“, als der er oft ver­harm­lo­send be­zeich­net wird – litt an Epi­lep­sie und war so­wohl kör­per­lich als auch geis­tig zu­rück­ge­blie­ben. Es ist der von Kai­ser Fer­di­nand ein­ge­setz­te Au­ßen­mi­nis­ter und Mi­nis­ter­prä­si­dent Fe­lix Fürst Schwar­zen­berg, dem es ge­lingt, die Ab­dan­kung des kran­ken Mon­ar­chen durch­zu­set­zen. Der 55jäh­ri­ge Fer­di­nand, der bis zu sei­nem Tod den Kai­ser­ti­tel füh­ren soll­te, über­gibt das Szep­ter an sei­nen 18-jäh­ri­gen Nef­fen Franz Jo­seph und zieht sich mit sei­ner Frau An­na – die ihm sein gan­zes Le­ben auch Pfle­ge­rin ist – auf den Pra­ger Hradschin zu­rück. Fer­di­nand wer­den vie­le „Sprü­che“zu­ge­schrie­ben, ei­ner der po­pu­lärs­ten ist – nach Franz Jo­sephs ka­ta­stro­pha­lem Miss­er­folg in der Schlacht von Kö­nig­grätz im Jahr 1866: „Na, des hätt’ i aa noch z’samm­bracht!“„Der gü­ti­ge“Kai­ser Fer­di­nand stirbt 1875 im Al­ter von 82 Jah­ren in Prag.

DIE KRÖ­NUNG. Franz Jo­sephs Krö­nung am 2. De­zem­ber 1848 war bei Wei­tem nicht so prunk­voll wie auf dem oben ste­hen­den Bild dar­ge­stellt. Der neue Kai­ser hat das Krö­nungs­or­nat nie ge­tra­gen, viel­mehr war die Thron­über­ga­be im Exil zu Ol­mütz ei­ne „Not-Ak­ti­on“oh­ne grö­ße­re Fei­er­lich­kei­ten. Als Franz Jo­seph sich bei sei­nem On­kel für die Kro­ne be­dankt, er­wi­dert die­ser: „Gott seg­ne dich, sei brav, es is’ gern ge­sche­hen.“Im­mer noch un­ter dem Schock der Re­vo­lu­ti­on ste­hend, gibt der jun­ge Kai­ser in ei­ner Pro­kla­ma­ti­on sei­ner Hoff­nung Aus­druck, „dass es mir ge­lin­gen mö­ge, al­le Län­der und Stäm­me der Mon­ar­chie zu ei­nem gro­ßen Staats­kör­per zu ver­ei­nen.“Für sich selbst tritt Franz Jo­seph sei­nen Le­bens­ab­schnitt mit den Wor­ten „Leb wohl, mei­ne Ju­gend“an. Die Wie­ner ma­chen sich über den erst 18-Jäh­ri­gen lus­tig und tau­schen ein „n“ge­gen ein „t“aus, so­mit wird der Kai­ser an­fangs „Fratz Jo­seph“ge­nannt.

2. De­zem­ber

1848 in der Fürst­erz­bi­schöf­li­chen

Re­si­denz zu

Ol­mütz: Kai­ser

Fer­di­nand

über­gibt die

Kro­ne an sei­nen

Nef­fen Franz

Jo­seph

Meist wird Fer­di­nand idea­li­siert ge­zeigt,

hier ist er mit sei­nem Nef­fen, Kai­ser Franz

Jo­seph, auf ei­ner Fo­to­gra­fie zu se­hen

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