DAS AT­TEN­TAT

Des Kai­sers Flü­ge­l­ad­ju­tant Ma­xi­mi­li­an O’Do­nell, der Fleisch­hau­er Jo­sef Et­ten­reich und ei­ne un­be­kann­te Frau ret­ten im Fe­bru­ar 1853 das Le­ben des 23-jäh­ri­gen Mon­ar­chen. Der bis da­hin un­po­pu­lä­re Franz Jo­seph wird bei ei­nem Mord­an­schlag ver­letzt und er­langt n

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Ein Fleisch­hau­er ret­tet den Kai­ser

DAS AT­TEN­TAT. In den Mit­tags­stun­den des 18. Fe­bru­ar 1853 un­ter­nimmt der jun­geKai­se­rinBe­glei­tungs­ei­nesFlü­ge­l­ad­ju­tan­ten Ma­xi­mi­li­an Graf O’Do­nell ei­nen Spa­zier­gang über die Bas­tei. Et­wa auf der Hö­he der heu­ti­gen Staats­oper bleibt Franz Jo­seph kurz ste­hen, um ei­ne Trup­pe beim Ex­er­zie­ren zu be­ob­ach­ten. In die­sem Au­gen­blick stürzt sich der 21jäh­ri­ge Schnei­der­ge­sel­le Já­nos Li­bényi mit ei­nem Mes­ser auf den Kai­ser. Der ge­bür­ti­ge Un­gar sticht zu, wor­auf Franz Jo­seph blut­über­strömt an der Mau­er­brüs­tung zu­sam­men­bricht. So­mit wä­re die Ära Franz Jo­seph um ein Haar nicht die längs­te, son­dern ei­ne der kür­zes­ten in der Ge­schich­te der Habs­bur­ger­mon­ar­chie ge­wor­den. Doch das Schick­sal hat es noch ein­mal gut ge­meint mit dem erst 23-jäh­ri­gen Kai­ser, denn wäh­rend Li­bényi auf ihn zu­läuft, er­fasst ei­ne Pas­san­tin – de­ren Na­me nie eru­iert wer­den konn­te – die Si­tua­ti­on und schreit laut auf.

LE­BENS­RET­TUNG. Durch die Schreie der Frau ir­ri­tiert, dreht sich Kai­ser Franz Jo­seph ruck­ar­tig um – und wehrt da­durch das zwei­schnei­di­ge Mes­ser des At­ten­tä­ters ab. Die Waf­fe durch­trennt Uni­form­kra­gen, Hemd und Kra­wat­te und dringt ei­ni­ge Zen­ti­me­ter in den Na­cken ein. Die schnel­le Be­we­gung hat das Le­ben des Kai­sers ge­ret­tet. Doch Li­bényi will ein zwei­tes Mal zu­ste­chen. Oberst O’Do­nell, ein Of­fi­zier iri­scher Ab­stam­mung, brüllt „Hil­fe, Mör­der! Ein At­ten­tat!“und ver­sucht, den Schnei­der zu über­wäl­ti­gen. Gleich­zei­tig eilt der zu­fäl­lig des Wegs kom­men­de Jo­sef Et­ten­reich zu Hil­fe. Der 53-jäh­ri­ge Flei­scher­meis­ter wirft den At­ten­tä­ter zu Bo­den und ent­reißt ihm das Sti­lett. Ei­ne­ärzt­li­cheUn­ter­su­chun­ger­gibt,dass der Hin­ter­haupt­kno­chen des Kai­sers ver­letzt wur­de, viel ge­fähr­li­cher aber ist, dass die Klin­ge des Mes­sers, das der Tä­ter auf ei­nem Tan­del­markt er­wor­ben hat­te,un­sau­ber­war. DieWun­de­be­gann zu ei­tern – da­mals ei­ne le­bens­be­droh­li­cheKom­pli­ka­ti­on.DerKai­ser­litt­meh­re­re Mo­na­te an den Fol­gen des An­schlags, war da­nach aber völ­lig ge­ne­sen.

TO­DES­UR­TEIL. Es war die Nie­der­schla­gung der un­ga­ri­schen Re­vo­lu­ti­on, die Já­nos Li­bényi zu der Tat ver­lei­tet hat­te. Wäh­rend er zu­stach, rief er auf Un­ga­risch: „Él­jen Kos­suth“– es le­be La­jos Kos­suth, je­ner Re­vo­lu­tio­när, der 1849 die un­ga­ri­sche Re­pu­blik aus­ge­ru­fen hat­te und nun vom Exil aus die Los­lö­sung Un­garns von Ös­ter­reich pro­pa­gier­te. Li­benyi wird nur ei­ne Wo­che nach dem At­ten­tat zum Tod durch den Strang ver­ur­teilt und hin­ge­rich­tet. Wie un­be­liebt der Kai­ser da­mals noch war, er­kennt man an ei­nem bö­sen Spott­vers, der nach dem At­ten­tat kur­sier­te: Doch gera­de der An­schlag hat­te zur Fol­ge, dass der Kai­ser – durch ei­ne Wel­le des Mit­leids – zu­neh­mend an Sym­pa­thi­en ge­wann. Franz Jo­sephs Bru­der Ma­xi­mi­li­an hat nach dem Mord­ver­such „zum Zei­chen der Dank­bar­keit für die Ret­tung des Kai­sers“den Bau der Vo­tiv­kir­che in die We­ge ge­lei­tet. Die Le­bens­ret­ter O’Do­nell und Et­ten­reich wur­den hoch de­ko­riert, der Fleisch­hau­er als Jo­sef Rit­ter von Et­ten­reich in den Adels­stand er­ho­ben. Ihm zu Eh­ren wur­de ei­ne Gas­se in der Vor­stadt Fa­vo­ri­ten be­nannt.

Auf der Sim­me­rin­ger Had’, Hat’s an Schnei­der ver­waht. Es g’schieht eahm ganz recht, War­um sticht er so schlecht!

Ei­ne Wie­ner Gas­se trägt heu­te noch den Na­men des Fleisch­hau­ers Jo­sef Et­ten­reich (oben), der auch ge­adelt wur­de, weil er das Le­ben des Kai­sers ge­ret­tet hat­te

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