„DIE GNÄ­DI­GE FRAU“

Kat­ha­ri­na Schratt war für den Kai­ser die wohl wich­tigs­te Per­son au­ßer­halb sei­ner Fa­mi­lie. In Ge­sprä­chen mit ihr muss­te er die bei­den größ­ten Tra­gö­di­en sei­nes Le­bens nicht al­lein ver­kraf­ten. Treu war ihm die Hof­schau­spie­le­rin al­ler­dings nicht

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - In­halt -

Kat­ha­ri­na Schratt ist mehr als nur „See­len­freun­din“

SEE­LEN­FREUN­DIN. Wäh­rend von der Af­fä­re mit An­na Nahow­ski nur die engs­ten Be­ra­ter in der Um­ge­bung des Kai­sers Be­scheid wuss­ten, wars­e­i­ne Be-zie­hung zur Hof­schau­spie­le­rin Kat­ha­ri­na Schratt in wei­ten Tei­len der Be­völ­ke­rung be­kannt. Die Men­schen hat­ten Ver­ständ­nis da­für, dass Franz Jo­seph bei der re­gen Rei­se­tä­tig­keit sei­ner Frau ei­ne „See­len­freun­din“, als die Kat­ha­ri­na Schratt be­zeich­net wur­de, hat­te.

DER HOF­MA­LER. Die Toch­ter ei­nes Schnitt­wa­ren­händ­lers aus Ba­den bei Wi­en mach­te sich am Wie­ner Stadt­thea­ter ei­nen Na­men, ehe sie im Al­ter von 30 Jah­ren an die „Burg“en­ga­giert wur­de. Das war auch der An­lass ih­rer ers­ten Be­geg­nung mit dem Kai­ser, bei dem sie sich, wie da­mals üb­lich, für die Auf­nah­me an das Hof­thea­ter be­dank­te. Doch erst zwei Jah­re nach die­sem Fünf-Mi­nu­ten-Ge­spräch soll­te der Grund­stein zu der Be­zie­hung ge­legt wer­den. Kai­se­rin Eli­sa­beth be­merk­te bei ei­nem Sou­per, zu dem meh­re­re Künst­ler ge­la­den wa­ren, dass sich Franz Jo­seph sehr an­ge­regt mit der Schratt un­ter­hielt. Die Kai­se­rin be­auf­trag­te dar­auf­hin den Hof­ma­ler Hein­rich von An­ge­li, ein Por­trät von ihr an­zu­fer­ti­gen, das sie dann ih­rem Mann schen­ken woll­te. Wäh­rend die Schau­spie­le­rin Mo­dell saß, kam der Kai­ser über­ra­schend ins Ate­lier, wo es dann auch „ge­funkt“ha­ben dürf­te, denn bei Meis­ter An­ge­li wur­de das ers­te ge­plan­te Ren­dez­vous ver­ein­bart.

SEE­LEN­FREUN­DIN. Die Ehe des Kai­ser­paa­res be­stand da­mals, im Jah­re 1885, längst nur noch auf dem Pa­pier, wes­halb Eli­sa­beth glück­lich war, dass ihr 55-jäh­ri­ger Mann wäh­rend ih­rer ex­zes­si­ven Rei­sen in Kat­ha­ri­na Schratt ei­nen „Er­satz“fand. Und die Schratt konn­te Eli­sa­beths „schlech­tes Ge­wis­sen“be­ru­hi­gen, ver­stand sie es doch, dem Kai­ser all das zu bie­ten, was man bis da­hin von ihm fern­hielt. Erst­mals er­fuhr er aus ers­ter Hand, was fern­ab vom recht ein­tö­ni­gen Hof­ge­sche­hen pas­sier­te, wo­bei ihn die Welt der Büh­ne ganz be­son­ders in­ter­es­sier­te. „Über­haupt wenn Sie mir Thea­ter­tratsch er­zäh­len, ma­chen Sie mir ei­ne Freu­de“, schreibt der Kai­ser am 1. No­vem­ber 1888 an die Schratt. „Sie mer­ken sich ganz gut die hüb­sches­ten und in­ter­es­san­tes­ten Sa­chen, um mich durch Mitt­hei­lung der­sel­ben zu er­freu­en.“Franz Jo­seph ist auch neu­gie­rig, al­le De­tails ei­ner „schwar­zen Thea­ter­ver­schwö­rung bei un­se­rer Pro­me­na­de münd­lich zu hö­ren.“Oft en­de­ten sei­ne Brie­fe mit den Wor­ten „Ihr Sie über al­les lie­ben­der Franz Jo­seph.“

DIE SCHRATT­VIL­LA. Die re­gel­mä­ßi­gen „Pro­me­na­den“wur­den zur liebs­ten Zer­streu­ung des Kai­sers, der sei­ner Freun­din ei­ne ele­gan­te Vil­la in der Hiet­zin­ger Glo­ri­et­te­gas­se kauf­te – gleich ums Eck von je­ner der An­na Nahow­ski und un­weit von Schön­brunn. Er kam fast je­den Tag, um bei der Schratt das Früh­stück ein­zu­neh­men, aber auch sie be­such­te ihn in der Hof­burg, spa­zier­te mit ihm durch den Schön­brun­ner Schloss­park und ver­brach­te den Som­mer ganz in sei­ner Nä­he, in der in Bad Ischl an­ge­mie­te­ten „Schratt­vil­la“. Klatsch und Tratsch al­lein wa­ren es na­tür­lich nicht, was die­se Freund­schaft mehr als 30 Jah­re auf­recht hielt. In ei­nem Brief schreibt die Schratt dem ge­ra­de au­ßer­halb Wi­ens wei­len­den Kai­ser: „Unend­lich glück­lich macht mich die Mitt­hei­lung, dass Eu­re Ma­jes­tät von mir träum­ten – wie ger­ne möch­te ich in Wirk­lich­keit wäh­rend der Nacht am Bet­te Eu­rer Ma­jes­tät sit­zen“. Sie schickt ihm „Ge­dan­ken­küs­se auf Hand und Mund“, und er hofft in sei­ner Ant­wort, „dass Sie mir im Bet­te Au­di­enz er­tei­len, wie Sie es mir halb und halb ver­spro­chen

ha­ben“. Es ist al­so aus­zu­schlie­ßen, dass die Be­zie­hung mit dem Kai­ser ei­ne rein pla­to­ni­sche war. Wo­bei die Schratt, wie aus ih­rer Kor­re­spon­denz klar her­vor­geht, in der Zeit ih­rer Ver­bin­dung mit Franz Jo­seph auch an­de­re Lieb­ha­ber hat­te. Nach­ge­wie­sen sind durch Kor­re­spon­den­zen die Af­fä­ren mit dem Kö­nig Fer­di­nand I. von Bul­ga­ri­en, dem Gra­fen Hans Wilc­zek und dem Schau­spie­ler Vik­tor Kut­sche­ra.

DIE GE­HEI­ME­HE. Viel Staub wir­bel­te die Fra­ge auf, ob der Kai­ser und die „gnä­di­ge Frau“, wie sie ge­nannt wur­de, mit­ein­an­der ver­hei­ra­tet wa­ren, zu­mal das Erz­bi­schöf­li­che Or­di­na­ri­at im März 1938 das „Trau­ungs­buch für Ge­wis­sen­se­hen“(=Ge­hei­me­hen) ver­nich­te­te. Weil die Kir­che da­mals In­dis­kre­tio­nen durch die eben ein­mar­schie­ren­den Na­zis be­fürch­ten muss­te, gibt es kei­nen schrift­li­chen Be­weis für die viel­fach ver­mu­te­te Ehe­schlie­ßung. Sehr wohl aber Aus­sa­gen durch­aus glaub­wür­di­ger Zeu­gen, de­nen die Ein­tra­gung vor der Ver­nich­tung des Bu­ches zu Au­gen kam. Ei­ner, der das be­stä­tig­te, war der be­kann­te Po­li­to­lo­ge Nor­bert Le­ser. Und für den pro­fun­den Habs­burg-Ken­ner Adam Wan­drusz­ka gab es „auf­grund der Fak­ten kei­nen Zwei­fel, dass Franz Jo­seph und Kat­ha­ri­na Schratt ver­hei­ra­tet wa­ren“.

SEE­LEN­FREUN­DIN. Die Schratt war für den Kai­ser die wohl wich­tigs­te Per­son au­ßer­halb sei­ner Fa­mi­lie. In Ge­sprä­chen mit ihr muss­te er die bei­den größ­ten Tra­gö­di­en sei­nes Le­bens – den Selbst­mord sei­nes Soh­nes und die Er­mor­dung sei­ner Frau – nicht al­lein ver­kraf­ten. Die Schratt ließ sich ih­re „Di­ens­te“für den Kai­ser auch sehr gut be­zah­len. Franz Jo­seph hat­te ihr ne­ben der Vil­la in Hiet­zing auch ein Ring­stra­ßen­pa­lais und ei­ne rie­si­ge Schmuck­samm­lung ge­schenkt, so­dass die Schau­spie­le­rin als die reichs­te Frau in der Mon­ar­chie galt. Als krank­haf­te Rou­let­te­spie­le­rin ließ sie sich auch oft durch den Kai­ser in Mon­te Car­lo und an an­de­ren Spiel­or­ten aus­lö­sen.

Kat­ha­ri­na Schratt hat­te in der Zeit ih­rer Be­zie­hung mit dem Kai­ser zu­min­dest drei wei­te­re Af­fä­ren, die nach­ge­wie­sen sind

Auch die Schratt soll­te in des Kai­sers un­mit­tel­ba­rer Nä­he woh­nen. Al­so kauf­te er ihr die­se Vil­la in der Hiet­zin­ger Glo­ri­et­te­gas­se

„Sie mer­ken sich die hüb­sches­ten Sa­chen, um mich da­mit zu er­freu­en“: die Schratt und der Kai­ser beim Spa­zier­gang in Ischl

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