GE­LIEB­TES ISCHL

Kai­ser Franz Jo­seph hat 82 der 86 Som­mer sei­nes Le­bens in Ischl ver­bracht. Nir­gend­wo fühl­te er sich so wohl wie in der klei­nen Kur­stadt im Salz­kam­mer­gut. Da in­fol­ge sei­ner An­we­sen­heit viel Pro­mi­nenz hier­her kam, galt Bad Ischl in den Mo­na­ten Ju­li und Au­gu

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Franz Jo­seph ver­bringt 82 Som­mer in der Kur­stadt

OH­NE PRO­TO­KOLL.

Auf die Mo­na­te Ju­li/Au­gust in Bad Ischl freu­te sich der Mon­arch wäh­rend des gan­zen Jah­res. Ihm war der Som­mer in der klei­nen Kur­stadt so lieb, weil er sich hier viel frei­er, fern­ab des stren­gen Wie­ner Pro­to­kolls, be­we­gen konn­te. In den ers­ten Ehe­jah­ren er­leb­te er in Ischl glück­li­che St­un­den mit sei­ner Si­si und spä­ter traf er hier tag­täg­lich mit sei­ner „See­len­freun­din“Kat­ha­ri­na Schratt zu­sam­men. Für die Schau­spie­le­rin wur­de ei­gens die be­nach­bar­te Vil­la Fe­li­ci­tas an­ge­mie­tet.

KIN­DER­LOS.

Oh­ne Bad Ischl, da­von ist man im Salz­kam­mer­gut über­zeugt, hät­te es den Kai­ser gar nicht ge­ge­ben. Und das kam so: Die Ehe von Franz Jo­sephs El­tern So­phie und Franz Karl war sechs Jah­re kin­der­los ge­blie­ben, wo­mit das Haus Habs­burg über kei­nen ge­eig­ne­ten Thron­fol­ger ver­füg­te und aus­zu­ster­ben droh­te. In ih­rer Ver­zweif­lung wand­te sich Erz­her­zo­gin So­phie an den Wie­ner Arzt Dr- Franz Wi­rer, der 1823 die heil­kräf­ti­ge Wir­kung des Isch­ler Sal­zes ent­deckt hat­te. Wi­rer hoff­te nun, dass das Salz auch bei Nach­wuchs­sor­gen Wun­der wir­ken kön­ne und schick­te das Ehe­paar zur „So­le­kur“nach Ischl. Und sie­he da, schon im dar­auf fol­gen­den Som­mer, ge­nau am 18. Au­gust 1830, wur­de der Erz­her­zo­gin ein Sohn ge­bo­ren: der spä­te­re Kai­ser Franz Jo­seph.

„SALZPRINZEN“.

Die über­glück­li­chen El­tern kur­ten von nun an je­des Jahr in Ischl – wor­auf die Erz­her­zo­gin So­phie vier wei­te­re Kin­der in die Welt setz­te. Die drei Söh­ne wur­den in­fol­ge der wun­der­tä­ti­gen Wir­kung des Sal­zes „Salzprinzen“ge­nannt. Und Ischl war über Nacht welt­be­rühmt. Aber Ischl spiel­te auch spä­ter ei­ne zen­tra­le Rol­le in Franz Jo­sephs Le­ben. Hier hat er 1853 mit Si­si Ver­lo­bung ge­fei­ert, und im Jahr dar­auf schenk­te ihm sei­ne Mut­ter zur Hoch­zeit die heu­ti­ge Kai­ser­vil­la, die ur­sprüng­lich aus 14 Zim­mern be­stand. Der Kai­ser kauf­te ei­ni­ge Nach-

bar­grund­stü­cke da­zu und ließ auf­wen­di­ge Ver­grö­ße­rungs-und Um­bau­ar­bei­ten durch­füh­ren. Ins­ge­samt kos­te­te das An­we­sen 175.000 Gul­den (heu­te rund 2,6 Mil­lio­nen Euro).

HEIM­LI­CHE ME­TRO­PO­LE. Franz Jo­seph hielt Bad Ischl bis ins ho­he Al­ter die Treue – er hat 82 der 86 Som­mer sei­nes Le­bens hier ver­bracht. Wo­mit der Ku­r­ort in den Mo­na­ten Ju­li/Au­gust zur heim­li­chen Me­tro­po­le der Mon­ar­chie avan­cier­te. Wer Rang und Na­men hat­te, kam hier­her, weil es schick war, sich als Nach­bar des Re­gen­ten be­zeich­nen zu kön­nen, Aris­to­kra­ten eben­so wie Ge­schäfts­leu­te, die sich Vor­tei­le da­von er­hoff­ten, im Um­feld der Ma­jes­tät ge­se­hen zu wer­den. Bald lie­ßen sich auch Künst­ler von Jo­hann Strauß über Franz Lehár bis Alex­an­der Gi­rar­di hier Vil­len bau­en. Da­bei fuhr man an­fangs von Wi­en nach Ischl mit der Kut­sche meh­re­re Ta­ge. Erst 1877 war der Bahnverkehr in den Ku­r­ort an der Traun mög­lich. Als Si­sis aus­ge­dehn­te Rei­sen be­gan­nen, fühl­te sich der Kai­ser auch in Ischl ein­sam. Oft schrieb er ihr Brie­fe, sie mö­ge „heim nach Ischl“kom­men, doch sie leb­te ihr ei­ge­nes Le­ben. Er trös­te­te sich mit der Schau­spie­le­rin Kat­ha­ri­na Schratt, die wie er je­den Som­me­rin Ischl ver­brach­te. Franz Jo­seph ließ die bei­den an­ein­an­der­gren­zen­den Grund­stü­cke durch ei­ne Gar­ten­tü­re ver­bin­den, so dass er die Schratt „mit Ih­rer Er­laub­nis viel öf­ter be­su­chen“konn­te, wie er ihr brief­lich mit­teil­te. „Ach“, schrieb er wei­ter, „wä­re es schon Som­mer und wä­ren wir schon im lieb­li­chen Ischl!“

GE­SCHICH­TE GE­SCHRIE­BEN. Mon­ar­chen aus al­ler Her­ren Län­der ka­men nach Ischl, um den Kai­ser zu tref­fen, und hier wur­de auch Ge­schich­te ge­schrie­ben. In Ischl spa­zier­te der Kai­ser am 15. Ju­li 1898 zum letz­ten Mal mit sei­ner Si­si durch den weit­läu­fi­gen Park der Kai­ser­vil­la, der Ab­schied soll sehr weh­mü­tig ge­we­sen sein. Von Ischl aus fuhr sie zu Ver­wand­ten nach Bay­ern und dann nach Genf, wo sie er­mor­det wur­de. 1906 er­hielt Ischl das „Adels­prä­di­kat“Bad Ischl. Und am 28. Ju­li 1914 gab Franz Jo­seph in Bad Ischl sei­ne fol­gen­schwers­te Un­ter­schrift: In der Kai­ser­vil­la un­ter­zeich­ne­te er die fa­ta­le Kriegs­er­klä­rung an Ser­bi­en, zwei Ta­ge spä­ter fuhr er mit ei­nem Son­der­zug nach Wi­en. Sein ge­lieb­tes Bad Ischl hat er da­nach nie wie­der ge­se­hen, da er in den Kriegs­jah­ren die Haupt­stadt nicht ver­las­sen woll­te. Ei­ne Ko­pie der Kriegs­er­klä­rung liegt nach wie vor auf sei­nem Schreib­tisch in der Isch­ler Kai­ser­vil­la, die heu­te noch in Fa­mi­li­en­be­sitz und öf­fent­lich zu­gäng­lich ist.

„Ach, wä­re es schon Som­mer und wä­ren wir schon im lieb­li­chen Ischl“:

der Kai­ser vor der Kai­ser­vil­la

Die Kai­ser­vil­la war ur­sprüng­lich ein Pri­vat­haus, das durch Zu­käu­fe und Um­bau­ten im­mer grö­ßer und re­prä­sen­ta­ti­ver wur­de

Der Kai­ser war be­kannt für sei­ne ein­fa­che Le­bens­wei­se. Oben: Franz Jo­sephs Schlaf­zim­mer in der Kai­ser­vil­la in Bad Ischl (links)

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