DIE „AR­ME“GROSS­MACHT

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Die k.u.k. Mon­ar­chie als rück­stän­di­ger Agrar­staat

Im Ver­gleich zu Deutsch­land und Groß­bri­tan­ni­en bleibt Ös­ter­reich-Un­garn bis zum Be­ginn des Ers­ten Welt­kriegs ein rück­stän­di­ges Agrar­land. Die­se wirt­schaft­li­che Schwä­che soll­te sich be­reits im ers­ten Kriegs­jahr rä­chen, es fehl­te an Aus­rüs­tung für die Ar­mee.

GRÜN­DER­ZEIT. Ab 1850 er­leb­te ganz Eu­ro­pa in der so­ge­nann­ten „Grün­der­zeit“ei­nen enor­men In­dus­tria­li­sie­rungs­und Mo­der­ni­sie­rungs­schub, der al­le bis­he­ri­gen tech­no­lo­gi­schen und so­zia­len Ent­wick­lun­gen in den Schat­ten stell­te. Neue Tech­no­lo­gi­en er­lau­ben die Er­zeu­gung we­sent­lich grö­ße­rer Stahl­men­gen, die zu­neh­mend in die Kriegs­flot­ten der Groß­mäch­te ver­baut wer­den. Die che­mi­sche In­dus­trie ent­wi­ckelt vie­le neue Sub­stan­zen, von syn­the­ti­schen Far­ben bis zu Spreng­stof­fen. Die Fol­ge ist ei­ne star­ke Zu­nah­me der Be­völ­ke­rung, auch in Ös­ter­reich-Un­garn, wo am Vor­abend des Ers­ten Welt­kriegs 51,4 Mil­lio­nen Men­schen le­ben. Da­mit ist die Dop­pel­mon­ar­chie nach Russ­land und Deutsch­land hin­sicht­lich der Be­völ­ke­rung der dritt­größ­te Staat Eu­ro­pas. Doch bei der In­dus­trie­pro­duk­ti­on bleibt Ös­ter­reich-Un­garn ge­gen­über den spä­te­ren Kriegs­geg­nern Groß­bri­tan­ni­en oder den USA, aber auch im Ver­gleich zum Bünd­nis­part­ner Deutsch­land, weit zu­rück. 1913 wer­den nur 4,4 Pro­zent der welt­wei­ten In­dus­trie­pro­duk­ti­on in der Dop­pel­mon­ar­chie ge­schaf­fen. Deutsch­land ist mit ei­nem An­teil von 14,8 Pro­zent im sel­ben Jahr die größ­te In­dus­trie­na­ti­on Eu­ro­pas und über­flü­gelt so­gar die Bri­ten. Der Ex­port von In­dus­trie­gü­tern er­wirt­schaf­tet 1913 be­reits 12,2 Pro­zent des deut­schen Brut­to­in­lands­pro­dukts, in Ös­ter­reich-Un­garn sind es gera­de ein­mal 5,2 Pro­zent. 53 Pro­zent der Be­völ­ke­rung sind 1910 in der Land­wirt­schaft tä­tig, in Deutsch­lands­in­de­s­im­sel­benJahrn­ur­noch35Pro­zent. Im Ers­ten Welt­krieg, der am 28. Ju­li 1914 be­ginnt, geht der Mon­ar­chie da­her schnell wirt­schaft­lich die Luft aus.

Mehr als die

Hälf­te der

„Un­ter­ta­nen“

Kai­ser Franz

Jo­sephs I. sind vor

dem Ers­ten

Welt­krieg in der

Land­wirt­schaft

tä­tig. In Deutsch­land

sank der

An­teil des

Agrar­sek­tors auf

35 Pro­zent

Das Deut­sche

Reich konn­te

von 1850 bis 1914

den An­teil der

In­dus­trie an

der na­tio­na­len

Wirt­schafts­leis­tung

von

24 auf 40 Pro­zent

stei­gern

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