DER TEU­RE HOF

So be­schei­den Franz Jo­seph I. pri­vat leb­te, so teu­er kam den Staat der kai­ser­li­che Hof. 4,2 Mil­lio­nen Gul­den – heu­te 63 Mil­lio­nen Euro – kos­te­te die Hof­hal­tung jähr­lich. Zwei Mil­lio­nen Euro ver­schlang al­lei­ne die Jagd­lei­den­schaft des Kai­sers.

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Ein Jahr Kai­ser kos­tet um­ge­rech­net 63 Mio. Euro

BE­GEHR­TE JOBS.

Ei­ne An­stel­lung am Wie­ner Hof war im 19. Jahr­hun­dert ein Glücks­fall, vor al­lem für An­ge­hö­ri­ge der Ar­bei­ter- und Hand­wer­ker­stän­de. Denn wäh­rend sich das Le­ben für die „klei­nen Leu­te“in der Re­si­denz­stadt wäh­rend der Re­gie­rungs­zeit Franz Jo­sephs im­mer teu­rer ge­stal­te­te und kaum je­mand Mie­te oder Le­bens­mit­tel oh­ne Zu­brot durch Bett­ge­her oder an­de­re Ne­ben­ein­künf­te be­zah­len konn­te, gab es bei Hof ne­ben ei­nem si­che­ren Ein­kom­men auch ei­ne Di­enst­woh­nung und re­gel­mä­ßi­ge Mahl­zei­ten. Die Stel­lung war fast im­mer auf Le­bens­zeit, denn ge­kün­digt wur­de man nur bei gro­ben Ver­stö­ßen wie et­wa Dieb­stahl. Im Al­ter sorg­ten Wohn­rech­te, Gna­den­ab­ga­ben und Stif­tun­gen für ei­nen ab­ge­si­cher­ten Le­bens­abend. Dem­ent­spre­chend be­gehrt wa­ren die weit mehr als 1000 Ar­beits­plät­ze, die es al­lein am Wie­ner Hof gab. Im „Hof­wirt­schafts­amt“ar­bei­te­ten rund 150 Per­so­nen in der Kü­che, der kai­ser­li­chen Spei­se­kam­mer, der Hof­kel­le­rei, der Hof­zu­cker­bä­cke­rei, der Brenn­holz- und Koh­le­kam­mer, der Hof­licht­kam­mer – wo Zehn­tau­sen­de Ker­zen für die Be­leuch­tung der Re­si­denz ver­wahrt wur­den – und der Hof­wä­sche­kam­mer, in der 70.000 Stück Wä­sche la­ger­ten. Um die kai­ser­li­chen Fi­nan­zen küm­mer­ten sich 60 Rech­nungs­rä­te im „k.u.k. Hof­zahl­amt“. Die „k.u.k. Hof­mu­sik­ka­pel­le“be­schäf­tig­te stets 50 fix an­ge­stell­te Di­ri­gen­ten, Mu­si­ker und Sän­ger. 200 Gar­dis­ten sorg­ten für die Si­cher­heit der kai­ser­li­chen Fa­mi­lie. 200 Per­so­nen küm­mer­ten sich in den Hof­stal­lun­gen und den Hof­ge­stü­ten Kl­ad­rub, Fran­zens­hof und Li­piz­za um Pfer­de und Wa­gen. Das sum­mier­te sich. 4,2 Mil­lio­nen Gul­den, die heu­te rund 63 Mil­lio­nen Euro ent­spre­chen, kos­te­te die Hof­hal­tung jähr­lich. Al­lein des Kai­sers liebs­te Frei­zeit­be­schäf­ti­gung, die Jagd, schlug mit zwei Mil­lio­nen Euro zu Bu­che. Ähn­lich kost­spie­lig war der Un­ter­halt der bis zu 250 fix an­ge­stell­ten Schau­spie­ler und Sän­ger von Oper und Burg­thea­ter, die mit ih­ren In­tri­gen und Ei­tel­kei­ten die meis­ten Oberst­hof­meis­ter in Ver­zweif­lung stürz­ten.

Be­gehr­te Ar­beits­plät­ze: In der Hof­wä­sche­kam­mer la­ger­te die Leib­wä­sche der kai­ser­li­chen Fa­mi­lie

Ru­dolf von Liech­ten­stein war ei­ner der Oberst­hof­meis­ter von Kai­ser Franz Jo­seph I. Der Job galt zwar als gro­ße Eh­re, war aber we­gen der Ar­beits­zei­ten und der vie­len In­tri­gen ex­trem for­dernd

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