BE­GEIS­TER­TER WAID­MANN

„Es ist ei­ne Le­gen­de, dass man Franz Jo­seph das Wild vor die Fl­in­te trieb“, schrieb Jo­seph Roth. Der Kai­ser soll ei­ner der bes­ten Jä­ger sei­ner Zeit ge­we­sen sein. Und sein Die­ner hin­ter­ließ uns: Mit der Zeit spe­ckig und blank ge­wetzt, sa­hen die Le­der­ho­sen,

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Der Kai­ser er­legt mehr als 50.000 Stück Wild

LEI­DEN­SCHAFT. Die Jagd war des Kai­sers gro­ße Lei­den­schaft. „Er war ein aus­ge­zeich­ne­ter Schütze“, be­schreibt ihn der Dich­ter Jo­seph Roth, „ei­ner der bes­ten Jä­ger der al­ten Mon­ar­chie. Er be­saß das har­te Au­ge des Jä­gers, das ge­wohn­tist, lan­ge­zu­spä­hen, den Blick, der über­legt und der sich ge­le­gent­lich auch die Groß­mut leis­tet, dem Ob­jekt, das er vi­siert hat, das Le­ben zu schen­ken. Es ist ei­ne Le­gen­de, dass man Kai­ser Franz Jo­seph das Wild vor die Fl­in­te trieb ...“

LODENJOPPE. Auch im ho­hen Al­ter ließ er sich das Ge­wehr nie­mals nach­tra­gen, son­dern trug es stets selbst am Rie­men mit sich. Zu den kur­zen Le­der­ho­sen trug er Lodenjoppe, Wa­den­strümp­fe, Gams­bart-Hut und ge­na­gel­te Schu­he. „Mit der Zeit spe­ckig und blank ge­wetzt, sa­hen sie wie die ,ech­tes­ten‘ Ho­sen des nächst­bes­ten Holz­knechts aus“, er­in­ner­te sich Kam­mer­die­ner Eu­gen Ket­terl. „Doch zur An­schaf­fung neu­er ,Le­der­ner‘ konn­te sich der Kai­ser stets nur nach har­tem Kamp­fe ent­schlie­ßen, aber auch dann muss­ten die­se, ehe er sie an­leg­te, erst durch Auf- und Ab­rei­ben auf den Trep­pen­stu­fen und auf al­le mög­li­che an­de­re Art und Wei­se künst­lich alt und ab­ge­tra­gen ge­macht wer­den – sonst er­schie­nen sie dem ho­hen Herrn zu stut­zer­haft.“Die For­de­rung des Kam­mer­die­ners Kund­rath, we­nigs­tens die Jagd­kra­wat­ten zu er­neu­ern, ent­geg­ne­te der Kai­ser nach ei­ner ge­nau­en In­spek­ti­on der­sel­ben, er mö­ge die stark ver­brauch­ten „zu wie­der zu be­nut­zen­den zu­sam­men­stü­ckeln las­sen“. Na­tür­lich fehl­te auch der lan­ge Jagd- oder Berg­stock nie­mals, wenn der Kai­ser auf die Pirsch ging. Wäh­rend Kai­ser Franz Jo­seph in jün­ge­ren Jah­ren ei­ne ein­läu­fi­ge Vor­der­la­der­büch­se – be­kannt als „lsch­ler Stut­zen“– ver­wen­de­te, jag­te er in zu­neh­men­dem Al­ter lie­ber mit der „Lan­cas­ter-Dop­pel­büch­se“mit Ex­press­pa­tro­nen und Fern­rohr.

DAS NACH­LAS­SEN DER SEH­KRAFT. Der Grund da­für war das Nach­las­sen der in der Ju­gend so vor­züg­li­chen Seh­kraft. Auf Spiel- und Au­er­hahn, Schnep­fen und al­les Nie­der­wild ziel­te der Mon­arch je­doch sein Le­ben lang mit der Schrot­flin­te.

Die „Schuß-Lis­te“(rechts) gibt über die „Al­ler­höchs­ten Hof­jag­den“Aus­kunft. Im Som­mer 1910 er­leg­te der 80-jäh­ri­ge Kai­ser sechs Zwöl­fen­der

„Le­der­ho­sen, Lodenjoppe, Wa­den­strümp­fe,

Gams­bart-Hut, ge­na­gel­te Schu­he“: So be­gab sich

der Kai­ser auf die Jagd

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