„AN MEI­NE VÖL­KER “

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Franz Jo­seph löst den Ers­ten Welt­krieg aus

Am 28. Ju­li 1914 un­ter­schreibt Kai­ser Franz Jo­seph I. das Ma­ni­fest „An Mei­ne Völ­ker“, in dem er Ser­bi­en den Krieg er­klärt. Durch die kom­ple­xe Bünd­nis­si­tua­ti­on be­fin­den sich we­ni­ge Ta­ge spä­ter Ös­ter­reich-Un­garn und die Bun­des­ge­nos­sen Deutsch­land, Tür­kei und Bul­ga­ri­en mit Russ­land, Frank­reich und Groß­bri­tan­ni­en im Ers­ten Welt­krieg, in dem mehr als zehn Mil­lio­nen Sol­da­ten ster­ben.

AUF KRIEGS­KURS. Wäh­rend sich in der Be­völ­ke­rung die Trau­er um den Tod des un­ge­lieb­ten Thron­fol­gers in Gren­zen hält, sind die Schüs­se von Sa­ra­je­wo für die ent­schei­den­den Po­li­ti­ker der Mon­ar­chie, den Ge­ne­ral­stab und letzt­lich auch für Kai­ser Franz Jo­seph I. ei­ne will­kom­me­ne Ge­le­gen­heit, um am Bal­kan mit Waf­fen­ge­walt für kla­re Ver­hält­nis­se zu sor­gen. Mi­nis­ter­prä­si­dent Karl Graf Stürg­kh, die wich­tigs­ten Re­gie­rungs­mit­glie­der und Ge­ne­ral­stabs­che­fFran­zCon­rad­von Höt­zen­dorf sind von An­fang an für ei­nen Krieg ge­gen Ser­bi­en. Nach Rück­spra­che mit dem Bünd­nis­part­ner Deutsch­land wird ein Ul­ti­ma­tum an Ser­bi­en for­mu­liert, das in wei­ten Tei­len mit Ab­sicht in ei­ner be­lei­di­gen­den Spra­che ver­fasst wur­de. So for­der­te man von den Ser­ben dass sie „um­stürz­le­ri­sche Be­we­gun­gen nie­der­schla­gen, die sich ge­gen die ter­ri­to­ria­le Un­ver­sehrt­heit der Dop­pel­mon­ar­chie rich­ten“so­wie die Be­tei­li­gungvonös­ter­rei­chisch-un­ga­ri­schen Be­am­ten an den Nach­for­schun­gen der Hin­ter­grün­de des At­ten­tats. Gleich­zei­tig schick­te Franz Jo­seph Alex­an­der Graf Ho­y­os als Son­der­ge­sand­ten nach Ber­lin, der von Kai­ser Wilhelm II. ei­ne um­fas­sen­de Un­ter­stüt­zungs­er­klä­rung er­hielt. Ho­y­os zeig­te da­bei ei­ne er­schre­cken­de Blau­äu­gig­keit, mein­te er doch in völ­li­ger Ver­ken­nung der welt­wei­ten Bünd­nis­po­li­tik: „Was kann uns denn viel ge­sche­hen? Wenn es schlecht geht, wer­den wir halt Bos­ni­en und ein Stück Ost­ga­li­zi­en ver­lie­ren.“

EI­NE FRA­GE DER EH­RE. Schon am 7. Ju­li 1914 stell­te der Mi­nis­ter­rat klar, dass es kei­ne di­plo­ma­ti­sche Lö­sung der Kri­se ge­ben kön­ne und dis­ku­tier­te, wo man­denKampf­ge­genRuss­land­auf­neh­men soll­te. Der Kai­ser reis­te am sel­ben Tag nach Ischl, nicht oh­ne die Re­gie­rungs­mit­glie­der da­von in Kennt­nis zu set­zen, was er von ih­nen er­war­te­te. Fi­nanz­mi­nis­ter Bi­lin­ski spä­ter: „Der Kai­ser war im­mer für den Krieg.“Ob­wohl die Ser­ben in den kom­men­den Wo­chen fast al­le Be­din­gun­gen Ös­ter­reich-Un­garns ak­zep­tier­ten, wur­de Ser­bi­en am 28. Ju­li 1914 der Krieg er­klärt. Der Kai­ser ver­öf­fent­lich­te am sel­ben Tag sein Ma­ni­fest „An Mei­ne Völ­ker“, in dem er die Be­völ­ke­rung auf den Krieg ein­schwor. Der soll­te vier Jah­re dau­ern und zehn Mil­lio­nen To­te und 20 Mil­lio­nen Ver­wun­de­te for­dern, da­zu ka­men sie­ben Mil­lio­nen zi­vi­le Op­fer. Al­lein die k. u. k. Ar­mee ver­lor 1,2 Mil­lio­nen Sol­da­ten, vier Mil­lio­nen wur­den ver­wun­det. Schließ­lich führ­te der Krieg zur voll­stän­di­gen Zer­stö­rung der Mon­ar­chie.

K. u. k. Sol­da­ten im Ers­ten Welt­krieg (ganz oben). In­halt­lich er­in­nert das Ma­ni­fest „An Mei­ne Völ­ker“(o.) fa­tal an Schrif­ten aus den Jah­ren 1859 und 1866

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