KAI­SER KARL, DER LETZ­TE

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Franz Jo­sephs Groß­nef­fe wird Thron­fol­ger

Karl war be­reits Franz Jo­sephs vier­ter Thron­fol­ger. Auf Kron­prinz Ru­dolf war des Kai­sers Bru­der Karl Lud­wig ge­folgt, als der starb, kam des­sen Sohn Franz Fer­di­nand, ehe Erz­her­zog Karl die Thron­fol­ge über­nahm

SCHWE­RES ER­BE. Als­de­r­al­teKai­ser­für im­mer sei­ne Au­gen schloss, soll­te sein 29-jäh­ri­ger Groß­nef­fe Karl ein schwe­res Er­be an­tre­ten. Das Reich be­fand sich in ei­nem Krieg von nie da ge­we­se­nem Aus­maß, au­ßer­dem galt es, die Nach­fol­ge ei­nes Mon­ar­chen zu über­neh­men. der po­pu­lä­rer war als je­der an­de­re Herr­scher die­ser Welt. Erz­her­zog Karl Franz Jo­seph war am 17. Au­gust 1887 als Sohn des „schö­nen Ot­to“, wie der jün­ge­re Bru­der Franz Fer­di­nands ge­nannt wur­de, in Schloss Per­sen­beug zur Welt ge­kom­men. Nach dem ex­ter­nen Be­such des Wie­ner Schot­ten­gym­na­si­ums und ei­ner mi­li­tä­ri­schen Aus­bil­dung stu­dier­te Erz­her­zog Karl Rechts­wis­sen­schaf­ten an der Deut­schen Uni­ver­si­tät Prag – er war so­mit der ers­te „Aka­de­mi­ker“in der lan­gen Re­gen­tenLis­te des Hau­ses Habs­burg. Be­reits mit 19 Jah­ren hat Karl sei­nen Va­ter – ei­ne le­bens­lus­ti­ge und im gan­zen Reich po­pu­lä­re Er­schei­nung – ver­lo­ren. Bis zum Tod Franz Fer­di­nands stand Erz­her­zo­gKar­lin­k­ei­nerWei­seimBlick­punkt des öf­fent­li­chen In­ter­es­ses, da kaum je­mand da­mit rech­nen konn­te, dass die­ser in ab­seh­ba­rer Zeit zu Thron­fol­ger-Eh­ren ge­lan­gen wür­de. Karl war be­reits Franz Jo­sephs vier­ter Thron­fol­ger: Auf Kron­prinz Ru­dolf war Erz­her­zog Karl Lud­wig, ein jün­ge­rer Bru­der des Kai­sers, ge­folgt Als die­ser starb, über­nahm sein Sohn Franz Fer­di­nand die Thron­fol­ge. Nach Sa­ra­je­wo folg­te Erz­her­zog Karl .

GU­TES EIN­VER­NEH­MEN. Franz Jo­seph sah in Karl ei­nen ab­so­lut „voll­wer­ti­gen Nach­fol­ger“, was bei Franz Fer­di­nand – durch des­sen mor­ga­na­ti­sche Ehe mit der Grä­fin Cho­tek – nicht der Fall war. Zwi­schen Kai­ser Franz Jo­seph und Erz­her­zog Karl herrsch­te sehr bald gu­tes Ein­ver­neh­men, was vor al­lem die Ge­mah­lin des Thron­er­ben, Erz­her­zo­gin Zi­ta, ein­zu­fä­deln ver­stan­den hat­te. Schon un­mit­tel­bar nach dem At­ten­tat von Sa­ra­je­wo soll Franz Jo­seph zu Karl ge­sagt ha­ben: „Auf dich kann ich mich ver­las­sen.“Im Früh­jahr 1915 über­sie­del­te Erz­her­zog Karl mit Frau und Kin­dern von Schloss Het­zen­dorf, das sie bis da­hin be­wohnt hat­ten, ins na­he Schön­brunn. Auf die­se Wei­se konn­te dem grei­sen und ein­sam ge­wor­de­nen Mon­ar­chen in sei­nem letz­ten Jahr Fa­mi­li­en­le­ben ge­bo­ten wer­den. Be­son­ders zu Erz­her­zog Ot­to – Karls äl­tes­tem Sohn – hat­te Franz Jo­seph ein in­ni­ges Ver­hält­nis. Die Fa­mi­lie Erz­her­zo­gKarls­war­fürFran­zJo­sep­hei­newill­kom­me­ne Zer­streu­ung in­mit­ten der Kriegs­wir­ren. All­ge­mein fiel so­wohl bei Karl als auch bei Zi­ta „sym­pa­thi­sche Zu­rück­hal­tung“auf. Im Ge­gen­satz zu Franz Fer­di­nand, der dem Kai­ser meist schroff ent­ge­gen­ge­tre­ten war, ver­hielt sich des­sen Nach­fol­ger als Thron­er­be dem al­ten Mon­ar­chen ge­gen­über be­schei­den und höf­lich.

Der al­te Kai­ser sah sei­nen Groß­nef­fen als „voll­wer­ti­gen Nach­fol­ger“: Franz Jo­seph mit dem spä­te­ren Kai­ser Karl und sei­ner Ge­mah­lin Zi­ta

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