WAS BLIEB VOM KAI­SER?

Kei­ne Fra­ge, Kai­ser Franz Jo­seph I. hat – schon durch sei­ne lan­ge Re­gent­schaft – ei­ne Epo­che ge­prägt. Die Fol­gen sei­ner Po­li­tik rei­chen bis weit in un­se­re Ta­ge hin­ein. Im Gu­ten wie im Schlech­ten.

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Die Bi­lanz sei­ner 68 Re­gie­rungs­jah­re

Ent­schei­dend für die Ge­schichts­schrei­bung ist, was von den 68 Re­gie­rungs­jah­ren Kai­ser Franz Jo­sephs ge­blie­ben ist. Das Er­geb­nis ist viel­fäl­tig.

PO­SI­TI­VES.

Wi­en und vie­le an­de­re Städ­te der ehe­ma­li­gen Do­nau­mon­ar­chie ver­dan­ken den von Kai­ser Franz Jo­seph ein­ge­lei­te­ten Stadt­pla­nun­gen ihr heu­ti­ges Er­schei­nungs­bild. Franz Jo­seph hat das Kai­ser­reich aus dem Bie­der­mei­er ge­führt, je­der Bahn­hof, je­des Thea­ter­ge­bäu­de, je­des Amts­haus und vie­le Schu­len sind von sei­ner Zeit ge­prägt.

Auch wenn er selbst kaum dar­an An­teil nahm, kam es wäh­rend sei­ner Re­gent­schaft zu ei­nem Auf­bruch des Geis­tes- und Kul­tur­le­bens. Die fran­zis­ko-jo­se­phi­ni­sche Ära war die Zeit von Jo­hann Strauß, Sig­mund Freud, Ar­thur Schnitz­ler, Karl Kraus, Gus­tav Mah­ler, Gus­tav Klimt und Egon Schie­le.

Franz Jo­seph hat durch die not­wen­di­gen Schrit­te der In­dus­tria­li­sie­rung ent­schei­dend zur Mo­der­ni­sie­rung der Do­nau­mon­ar­chie bei­ge­tra­gen und da­mit ih­ren wirt­schaft­li­chen Auf­schwung er­mög­licht.

NE­GA­TI­VES.

Dem­ge­gen­über ste­hen schwe­re Feh­ler, de­ren Fol­gen selbst im 21. Jahr­hun­dert noch spür­bar sind.

Wäh­rend der Kai­ser die De­mo­kra­ti­sie­rung sei­nes Reichs nur be­dingt zu­ließ, wa­ren an­de­re Staa­ten be­reits viel wei­ter, über­tru­gen ih­ren Par­la­men­ten grö­ße­re Voll­mach­ten. Die ers­ten frei­en Wah­len gab es in Ös­ter­reich erst 1907, und Frau­en durf­ten – so­lan­ge es die Mon­ar­chie gab – über­haupt nicht wäh­len. Groß­bri­tan­ni­en zeig­te sich we­sent­lich li­be­ra­ler – und konn­te auf die­se Wei­se sei­nen im­pe­ria­len Glanz be­wah­ren.

Die drü­cken­de Ar­mut wei­ter Tei­le der Be­völ­ke­rung konn­te trotz des wirt­schaft­li­chen Auf­schwungs in der k. k. Mon­ar­chie nicht be­siegt wer­den.

Auch als Obers­tem Kriegs­herrn war Kai­ser Franz Jo­seph we­nig Glück be­schie­den, ver­lor er doch die we­sent­li­chen Schlach­ten sei­ner Re­gent­schaft. Und auch der Ers­te Welt­krieg hät­te nicht „pas­sie­ren“dür­fen.

Letzt­lich fand Franz Jo­seph kei­ne Lö­sung für die über­bor­den­den Na­tio­na­li­tä­ten­kon­flik­te, die dann zwei Jah­re nach sei­nem Tod, im No­vem­ber 1918, zum Un­ter­gang des 600 Jah­re al­ten Kai­ser­reichs führ­ten.

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Das Kai­ser-Franz-Jo­se­phDenk­mal wur­de im Jahr 1957

im Wie­ner Burg­gar­ten

auf­ge­stellt

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