DER TREUE DIE­NER KET­TERL

Er hat­te des Kai­sers Ver­trau­en ge­won­nen, als er ihm Zei­tungs­aus­schnit­te zum Le­sen gab, die ihm von sei­nen Be­am­ten vor­ent­hal­ten wur­den. Im Lauf von zwei Jahr­zehn­ten wur­de Eu­gen Ket­terl für Franz Jo­seph zum un­ver­zicht­ba­ren Leib­kam­mer­die­ner.

KURIER_Kaiser_Franz_Josef - - Inhalt -

Ein un­ver­zicht­ba­res Fak­to­tum

DIE DIE­N­ER­SCHAFT. Durch mehr als zwei Jahr­zehn­te, bis zu des Kai­sers Tod, war Eu­gen Ket­terl als „Leib­kam­mer­die­ner Sei­ner Ma­jes­tät“Franz Jo­sephs treu­es­ter La­kai. Das Ori­gi­nal, zu dem der Kai­ser un­ein­ge­schränk­tes Ver­trau­en hat­te, war vor sei­ner Tä­tig­keit bei Franz Jo­seph als Ver­wal­ter ei­nes Schlos­ses an­ge­stellt. Doch als er die An­fra­ge er­hielt, ob er des Kai­sers ers­ter Die­ner wer­den woll­te, zö­ger­te Ket­terl kei­ne Mi­nu­te. In der Hof­burg und in Schön­brunn un­ter­stan­den ihm 13 Per­so­nen, die „im Di­ens­te der Al­ler­höchs­ten Ap­par­te­ments“stan­den. Ne­ben Ket­terl gab es in der un­mit­tel­ba­ren Nä­he des Kai­sers noch zwei Kam­mer­die­ner, zwei Tür­hü­ter, vier Büch­sen­span­ner, zwei Haus­die­ner und drei Kam­mer­frau­en.

ZEI­TUN­GEN. Eu­gen Ket­terl hat­te sich Franz Jo­sephs Sym­pa­thi­en bald er­wor­ben, weil er dem Kai­ser „Zei­tun­gen und Ar­ti­kel brach­te, die man ihm streng vor­ent­hielt, und ihm auch viel über­mit­tel­te, was er sonst über­haupt nie zu se­hen und zu hö­ren be­kom­men hät­te“, schreibt der Die­ner in sei­nen Le­ben­s­er­in­ne­run­gen. Wie sehr Franz Jo­seph Ket­terls Ar­beit schätz­te, ent­nimmt man ei­ner schrift­li­chen An­wei­sung des kai­ser­li­chen Ge­ne­ral ad­ju­tan­tenGraf Paar, in­der die­ser fest­hielt, dass beim An­le­gen fremd­län­di­scher Uni­for­men „der von Sei­ner Ma­jes­tät spe­zi­ell be­trau­te Kam­mer­die­ner Eu­gen Ket­terl – ob er gera­de am be­tref­fen­den Ta­ge im Al­ler­höchs­ten Di­ens­te steht oder nicht – im­mer beim An­zie­hen u. dgl. be­hilf­lich“zu sein ha­be.

DIE FAL­SCHE KRA­WAT­TE. Da­bei war der Kai­ser, was das An­le­gen von Uni­for­men be­trifft, selbst ein Meis­ter sei­nes Fachs, nur mit dem Tra­gen der Zi­vil­klei­dung hat­te er sei­ne lie­be Not. „Er, der ganz ge­nau wuss­te, wel­che Kap­pe oder wel­cher Helm zu je­der sei­ner un­zäh­li­gen Uni­for­men pass­te, hat­te kei­ner­lei Be­den­ken, zu ei­nem grü­nen Sak­ko ei­ne blaue Kra­wat­te zu tra­gen“, wun­der­te sich Ket­terl un­ter­tä­nigst. Als der Kai­ser ein­mal von Kat­ha­ri­na Schratt zur bes­se­ren Ab­stim­mung sei­ner Pri­vat­gar­de­ro­be auf­ge­for­dert wur­de, er­wi­der­te Franz Jo­seph: „Was den An­zug an­be­langt, muss ich schon tun, was der Ket­terl sagt, der ver­steht bes­ser als ich, was zu­sam­men­passt.“Und so be­schrieb Ket­terl sei­nen „Chef“: „Der Kai­ser war zu uns al­len sehr gü­tig und von ei­gen­ar­ti­ger Höf­lich­keit. Nie­mals be­fahl er, im­mer bat er um ei­ne Di­enst­leis­tung und be­dank­te sich, wenn ihm zum Bei­spiel ein Glas Was­ser ge­reicht wur­de. Sei­ne Ma­jes­tät hat­te sich un­ge­heu­er in der Ge­walt. Nie­mals sah ich den Kai­ser lau­nisch oder jäh­zor­nig, nie­mals hör­te ich ihn schrei­en. Er fühl­te als ,Kai­ser‘ stets Hem­mun­gen und heg­te das Be­wusst­sein, dass ein Sich­ge­hen­las­sen dem Prin­zip des Kai­ser­tums wi­der­spre­che. Er zeig­te sich im­mer ru­hig und

selbst be­herrscht, moch­te er in sei­nem In­nern auch noch so er­regt sein.“

AL­LER­HÖCHS­TE UN­TER­HO­SEN. So­wohl Ket­terl als auch die an­de­ren An­ge­hö­ri­gen der „Kam­mer“hat­ten noch zu Leb­zei­ten des Kai­sers das ver­brief­te Recht, nicht mehr in Ver­wen­dung ste­hen­de per­sön­li­che Ge­gen­stän­de Franz Jo­sephs als be­son­de­re Ra­ri­tät in der Öf­fent­lich­keit zum Ver­kauf an­zu­bie­ten. Die Die­ner be­stä­tig­ten dann schrift­lich auf ih­ren Vi­si­ten­kar­ten, und mit Sie­gel ver­se­hen, die Echt­heit des Ob­jekts und ver­schaff­ten sich sol­cher­art ein schö­nes Ne­ben­ein­kom­men. Zu den von Ket­terl ver­kauf­ten Kai­serMe­mo­ra­bi­li­en zähl­ten Franz Jo­sephs Bart­haa­re, ab­ge­tra­ge­ne An­zü­ge, Uni­for­men und Hem­den, die „Al­ler­höchs­ten Un­ter­ho­sen“, aber auch nicht ge­rauch­te Zi­gar­ren.

Es ge­hör­te zu Eu­gen Ket­terls Auf­ga­ben, für die Pfle­ge der Be­klei­dung des Kai­sers zu sor­gen

Mit hand­schrift­li­cher Be­stä­ti­gung auf sei­ner Vi­si­ten­kar­te bot Kam­mer­die­ner Ket­terl die Bart­haa­re des Kai­sers zum Ver­kauf an (un­ten)

Der Ori­gi­nalH­aus­rock des Kai­sers, ge­nannt „Bon­jourl“. Es war ei­ne

Fan­ta­sie­Uni­form, die Franz Jo­seph in sei­nen Ge­mä­chern trug

Der Kai­ser war be­geis­ter­ter Zi­gar­ren­rau­cher, wo­bei er die „Vir­gi­nia“und die „Re­ga­lia

Me­dia“be­vor­zug­te. Auch sei­ne un­ge­rauch­ten Zi­gar­ren ge­lang­ten spä­ter

zum Ver­kauf

Die glä­ser­ne Ti­schuhr mit Holz­scha­tul­le, die Kai­ser Franz Jo­seph, wenn er auf Rei­sen oder auf Ma­nö­vern war, im­mer bei sich hat­te

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