Er­go­no­mie in der Kü­che: DAS IST JA DIE HÖ­HE

Kurier_Kuechentraeume - - INHALTSANGABE - CORDULA PUCHWEIN

Ide­en für ge­lenk­scho­nen­des Ko­chen

Bei der Kü­chen­pla­nung kon­zen­trie­ren sich vie­le auf De­sign und Ge­rä­te. Halt! Das sind Mo­den. Viel wich­ti­ger sind op­ti­ma­le Ar­beits­hö­hen und gu­te Auf­tei­lung.

Gro­ße Men­schen ha­ben es schwer. Klei­ne auch. Und Roll­stuhl­fah­rer. Und äl­te­re Herr­schaf­ten – dann näm­lich, wenn in der Kü­che die Di­men­sio­nen so gar nicht mit den ei­ge­nen Kör­per­ma­ßen har­mo­nie­ren. Den ei­nen ist der Tel­ler­stoß im obe­ren Re­gal zu hoch und das Her­aus­fi­schen des sel­bi­gen nur un­ter Le­bens­ge­fahr mög­lich. An­de­re schla­gen sich den Kopf an der Dun­st­ab­zugs­hau­be an. Der Roll­stuhl­fah­rer kann mit sei­nem Ge­rät so­wie­so nir­gend­wo in der Kü­che gut zu­fah­ren und hat sich des­halb nun doch für „Es­sen auf Rä­dern“ent­schie­den. Wenn der äl­te­re Herr et­was aus der un­ters­ten La­de will, muss er auf die Knie – nur hoch kommt er nicht mehr. Ja, die Kü­che ist ein tü­cki­scher Ort, wenn die Er­go­no­mie nicht stimmt. Auch die Me­di­zin mel­det sich zu die­sem The­ma zu Wort, weil schon ei­ne län­ger an­dau­ern­de Beu­gung von 20 Grad aus der Senk­rech­ten nach vor­ne die Band­schei­ben be­las­ten kann. Die Rü­cken­schmer­zen kom­men al­so nicht von un­ge­fähr.

Die Wis­sen­schaf­ter der Tech­ni­schen Hoch­schu­le Darm­stadt ha­ben sich aus­führ­lich mit der Er­go­no­mie im Kü­chen­be­reich be­schäf­tigt. Ihr Cre­do: Die Grö­ße der haupt­säch­lich in der Kü­che ar­bei­ten­den Person ist Maß­stab für die op­ti­ma­le, kör­per­ge­rech­te Kü­chen­ein­rich­tung. Dar­an ori­en­tie­ren sich die Ar­beits­plat­ten und al­le wei­te­ren Schrank- und Ge­rä­te­ein­bau­hö­hen. Aber wie be­stimmt man die op­ti­ma­le Hö­he? Tipp: Die Hö­he für ei­ne durch­ge­hen­de Ar­beits­plat­te eru­iert man leicht, in­dem man bei an­ge­leg­tem Ober­arm den Un­ter­arm waa­ge­recht nach vorn win­kelt. Zwi­schen Un­ter­arm

und Ar­beits­plat­te soll­ten noch 15 Zen­ti­me­ter Platz sein.

UN­TEN UND OBEN. Aus Sicht der Er­go­no­mie­wis­sen­schaf­ter hat man bei der Hö­he für Herd, Ar­beits­plat­te und Spü­le zwei Mög­lich­kei­ten. Ent­we­der wer­den al­le drei Ar­beits­be­rei­che in ei­ner durch­ge­hen­den Li­nie ge­plant oder aber je­des Funk­ti­ons­zen­trum wird ein­zeln für die Grö­ße op­ti­miert. In dem Fall er­ge­ben sich für die Spü­le hö­he­re Ein­bau­ma­ße als für den Vor­be­rei­tungs­platz oder die Koch­mul­de. Aber auch bei durch­ge­hen­der Ar­beits­hö­he kann der Pla­ner für je­de Kör­per­grö­ße ei­nen ak­zep­ta­blen Wert fin­den.

Und auch für die op­ti­ma­le Auf­hän­gungs­hö­he der Ober­schrän­ke gibt es ei­ne Faust­re­gel. Sie be­sagt, dass die Greif­hö­he ma­xi­mal 35 Zen­ti­me­ter über der ei­ge­nen Kör­per­grö­ße lie­gen soll. Au­ßer­dem: Für die Vor- und Zu­be­rei­tungs­zeit von Le­bens­mit­teln, sei es put­zen, schnei­den, wür­zen, ist es sinn­voll, ei­nen Platz zum Sit­zen ein­zu­pla­nen.

The­ma Herd: Hier ra­ten die Er­go­no­mie­for­scher da­zu, das Koch­feld nach Mög­lich­keit 20 bis 25 Zen­ti­me­ter tie­fer als die op­ti­ma­le Ar­beits­hö­he zu pla­nen. So steht man gleich viel ent- spann­ter vor dem Topf und man muss ihn auch nicht so hoch he­ben. Bei der Spü­le ver­hält es sich ge­ra­de um­ge­kehrt. Hier gilt es, nach Mög­lich­keit die Spü­le um zehn bis 15 Zen­ti­me­ter an­zu­he­ben. Als Mess­wert wird der Be­cken­bo­den der Spü­le her­an­ge­zo­gen.

Und was sa­gen die For­scher zur Gestal­tung der Schran­kin­nen­räu­me? Die soll­ten gut ein­seh­bar sein, um bei be­que­mer Kör­per­hal­tung über­sicht­lich ein­ge­räumt zu wer­den. Un­ter­schrän­ke mit Fach­bö­den sind aus er­go­no­mi­scher Sicht nicht güns­tig. Da­ge­gen bie­ten Un­ter­schrän­ke mit Aus­zü­gen, ins­be­son­de­re mit den mo­der­nen Voll­aus­zü­gen, sehr gu­te Über­sicht und Zu­griffs­mög­lich­kei­ten. Wenn es um Rü­cken­scho­nung geht, soll­te man auch über ei­nen hoch ein­ge­bau­ten Back­ofen nach­den­ken. Glei­ches gilt für den Ge­schirr­spü­ler. Apro­pos hoch: Die Dun­st­ab­zugs­hau­ben sind vor al­lem für gro­ße Men­schen ei­ne Ver­let­zungs­quel­le. Hier schaf­fen fla­che, an der Wand mon­tier­te Ge­rä­te und sol­che, die di­rekt ne­ben dem Herd em­por­fah­ren, Ab­hil­fe. Was in der Kü­che oft ver­nach­läs­sigt wird, ist gu­tes Licht. Das aber ist ge­ra­de im Ar­beits­be­reich wich­tig, da­mit al­le Fin­ger heil blei­ben. -

Die Kü­che „k7“von Kai Sta­nia ist das Flagg­schiff von Team 7.

Herz­stück ist die Koch­in­sel mit hö­hen­ver­stell­ba­rer Plat­te

Oben: Klug an­ge­passt – Kü­che „L1“,

Team 7. Da­ne­ben: Mit der Funk­ti­ons­wand in die­ser Ewe

Kü­che ist al­les zur Hand

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