Pla­nung: WEG ZU TRAUM­KÜ­CHE

„Gut ge­plant, ist halb ge­won­nen“, heißt es. Bei der Kü­che gilt das erst recht. In­nen­ein­rich­ter Mar­tin St­ei­nin­ger er­klärt, wor­auf es an­kommt.

Kurier_Kuechentraeume - - INHALTSANGABE - INTERVIEW: ANJA GEREVINI

Interview mit Mar­tin St­ei­nin­ger

Wie so oft im Le­ben, zäumt man auch bei der Kü­chen­pla­nung das Pferd oft von hin­ten auf. Da wird über Far­ben der Fron­ten nach­ge­dacht, ja viel­leicht so­gar schon ei­ne Mes­ser­leis­te ge­kauft, lan­ge be­vor viel we­sent­li­che­re Din­ge ge­klärt sind. Da die Kü­che aber ei­ne An­schaf­fung für vie­le Jah­re sein soll­te, ist die rich­ti­ge Pla­nung das A und O. De­si­gner und In­nen­ein­rich­ter Mar­tin St­ei­nin­ger er­zählt, was al­les be­ach­tet wer­den muss.

Was ist der ers­te Schritt bei der Kü­chen­pla­nung?

Mar­tin St­ei­nin­ger: Zu­nächst geht es dar­um, sei­ne Vor­stel­lun­gen zu for­mu­lie­ren. Ko­chen wird für die Ge­sell­schaft wich­ti­ger, es ist et­was, was man mit Freun­den ze­le­briert. Wer das für sich un­ter­schrei­ben kann, der soll­te ei­ne of­fe­ne Lö­sung, wenn mög­lich mit ei­ner Koch­in­sel, an­stre­ben. Denn nur so fun­giert die Kü­che auch als Kom­mu­ni­ka­ti­ons­zo­ne.

Ei­ne Koch­in­sel wünscht sich heu­te fast je­der. Aber was tun, wenn mei­ne Kü­che ein ab­ge­trenn­ter Raum ist?

Ge­ra­de bei Bau­ten aus den 50er­bis 70er-jah­ren ist die Kü­che meist ein schma­ler Raum mit Tür. Das ent­spricht dem Zeit­geist nicht mehr. Zum Glück sind ge­ra­de in die­sen Wohn­häu­sern we­ni­ge tra­gen­de Wän­de vor­han­den. So kann man die Kü­che oft zum Wohn­raum öff­nen. Ei­ne Koch­in­sel ist dann zwar nicht mög­lich, aber im­mer­hin ei­ne schö­ne Wand­lö­sung.

Kom­men wir zu­rück zur Pla­nung. Wenn ich weiß, wel­che Vor­stel­lun­gen ich von mei­ner Kü­che ha­be, was ist der nächs­te Schritt?

Ei­ne Kü­che wird nicht wie ein nor­ma­ler Raum ein­ge­rich­tet, sie folgt ei­ge­nen Ge­set­zen. Vor al­lem die tech­ni­schen An­sprü­che sind hoch. Des­halb ge­be ich al­len im­mer den Tipp: Noch vor der Pla­nung der Kor­pus­se muss klar sein, wel­che Ge­rä­te ich be­nö­ti­ge. Denn­dann­wei­ßich auch, wel­che An­schlüs­se vor­han­den sein müs­sen und wo sich die­se be­fin­den soll­ten. Die bes­te Lö­sung ist, zu Koch­kur­sen oder Ge­rä­te­prä­sen­ta­tio­nen zu ge­hen. Bei sol­chen Ver­an­stal­tun­gen kann man­sie auch aus­pro­bie­ren. Dann er­kennt man, was man wirk­lich braucht und will oder wo­mit man am bes­ten zu­recht­kommt.

Und wel­che elek­tri­schen An­schlüs­se man wo be­nö­tigt ...

Ge­nau. Bei ei­nem Neubau ist es ja im­mer am ein­fachs­ten. Da kann man ja be­stim­men, wo wel­che An­schlüs­se sein sol­len. Wird ei­ne be­ste­hen­de Kü­che neu ge­plant, müs­sen die An­schlüs­se even­tu­ell ver­legt wer­den. Ist auch die­ser Punkt ge­klärt, wird die Kü­che ver­mes­sen, da­mit die De­tail­pla­nung be­gin­nen kann. Ich emp­feh­le üb­ri- gens wirk­lich je­dem, dass hier ein Ex­per­te zu­ge­zo­gen wird. Sie tun sich mit dem­rich­ti­gen Ver­mes­sen ein­fach viel leich­ter. Und nun kommt noch die Funk­tio­na­li­tät ins Spiel.

Was mei­nen Sie da­mit?

Die größ­ten Feh­ler bei der Pla­nung ent­ste­hen durch Men­schen, die nicht ko­chen. Na­tür­lich soll die Kü­che schön sein, aber sie muss auch funk­tio­nal sein. Wer sich noch nie mit den Ab­läu­fen in die­sem Raum be­schäf­tigt hat, kann nur Feh­ler ma­chen. Als Faust­re­gel gilt: Kühl­schrank, Koch­feld und Spü­le soll­ten in et­wa ein gleich­schen­ke­li­ges Drei­eck bil­den – wir nen­nen es das „funk­tio­na­le Drei­eck“. Zwi­schen Spü­le und Koch­feld muss zu­gleich aber ge­nü­gend Ar­beits­platz vor­han­den sein. Wer­den die­se bei­den Grund­prin­zi­pi­en nicht ein­ge­hal­ten, dann stim­men die Ab­läu­fe in der Kü­che nicht und das Ko­chen kann müh­sam wer­den.

Und wie sieht es mit dem Stau­raum aus?

Das ist ein wich­ti­ger Punkt. Stau­raum muss im­mer ge­nü­gend vor­han­den sein. Ich emp­feh­le, hin­ter der Koch­in­sel ei­ne Wand­lö­sung ein­zu­pla­nen. Das sind im Prin­zip Hoch­schrän­ke, die über die ge­sam­te Flä­che bün­dig mit Tü­ren ver­se­hen sind. Dann kann man die­se näm­lich nach dem Ko­chen schlie­ßen und die Schrän­ke wer­den nicht mehr als sol­che wahr­ge­nom­men, sie wir­ken wie ei­ne Wand. Dann kann man­sich nach dem Ko­chen ins Wohn­zim­mer zu­rück­zie­hen und den Tag schön aus­klin­gen las­sen.

Da­mit ei­ne Kü­che die An­sprü­che er­füllt, ist es nö­tig, die­se zu de­fi­nie­ren. Im Bild Kü­chen

von Al­no

Im Schnitt wird ei­ne Kü­che erst nach zehn Jah­ren er­neu­ert. Um­so wich­ti­ger ist, die­se gut und über­legt zu pla­nen

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