Haus­be­su­che: VON KAF­FEE, KOHL UND CHIA

Ös­ter­rei­chi­sche Pro­mi­nen­te er­zäh­len von ih­ren Ko­cher­fah­run­gen, Ge­heim­re­zep­ten und Lieb­lings­spei­sen.

Kurier_Kuechentraeume - - INHALTSANGABE - JU­LIA SEIDL

Pro­mi­nen­te zei­gen ih­re Kü­chen her

nweit vom Ste­phans­platz öff­net sich die Tür in ei­ne warm ein­ge­rich­te­te Alt­bau­woh­nung. Drau­ßen nie­selt es. Ein paar Re­gen­trop­fen schaf­fen es über die feuch­ten Schu­he ins Vor­zim­mer. Ein klei­ner Schä­fer-mix läuft an der gar­de­ro­be vor­bei, hin­ein in die kü­che.

„Der hund hat im ge­gen­satz zu mir ei­nen ge­re­gel­ten Diät­plan“, sagt ma­ri­ka lich­ter und streicht über das brau­ne fell des Tie­res. Ro­xy. Ihr Ab­bild ziert über­di­men­sio­nal groß die hin­te­re kü­chen­wand. „Das ge­mäl­de ha­ben mein Sohn und ich ge­mein­sam mit ei­nem Graf­fi­ti-Künst­ler ge­stal­tet“, er­zählt die Sän­ge­rin und mu­sik­ma­na­ge­rin. Sie nimmt ei­nen Schluck Cap­puc­ci­no. Ma­ger­milch. Kein Zu­cker. Nur auf das Kan­di­sin will sie nicht ver­zich­ten. „Aus ge­wohn­heit“, be­merkt sie. Dann steht sie auf, um­ein glas mit vie­len klei­nen kör­nern zu ho­len. „Chia-Sa­men“, er­klärt lich­ter. „Ich ha­be letz­tens ge­lernt, dass man sie ,Ds­chia’ aus­spricht und nicht ,kia’, wie ich dach­te. in jo­ghurt qu­el­len sie auf. Da­zu Bee­ren – ein herr­li­ches früh­stück.“

Ma­ri­ka Lich­ter isst ger­ne fisch, ge­mü­se, ge­räu­cher­ten To­fu, ab und zu le­ber­kä­se. Ein­ge­fro­ren wird nichts, eben­so we­nig wird die mi­kro­wel­le be­nutzt. Sie ach­tet auf ka­lo­ri­en­ar­me nah­rungs­mit­tel. in den Edel­stahl­pfan­nen- und -töp­fen wird oh­ne Öl ge­kocht. Trotz­dem meint sie: „Beim Es­sen gibt es kei­ne Sün­den. Sün­den sind et­was an­de­res. Un- men­sch­lich­keit zum Bei­spiel.“Laut ihr darf man in der kü­che ex­pe­ri­men­tier­freu­dig sein. „Mein Sohn ist ein­mal zu Be­such ge­kom­men­und­hat Spa­ghet­ti mit Scho­ko­la­den­sau­ce ge­kocht. Soll er. Er weiß so­wie­so al­les bes­ser. Krea­ti­vi­tät muss ent­ste­hen kön­nen.“

POR­RIDGE MIT WAS­SER. Wäh­rend lich­ter ne­ben der kaf­fee­kap­sel-, noch ei­ne Tee­kap­sel­ma­schi­ne ste­hen hat, be­sitzt Tho­mas Bre­zi­na we­der das ei­ne noch das an­de­re. „Rich­ti­ger kaf­fee ge­hört ge­kocht“, er­klärt der kin­der­buch­au­tor, als er in der kü­che an der Es­pres­so­ma­schi­ne han­tiert. „Dann schmeckt er bes­ser. ich mag­den­pro­zess des Schaf­fens.“man muss et­was da­für tun, dass man

Kaf­fee trin­ken kann. Fast wie in Ita­li­en. „Und“, fügt er lä­chelnd hin­zu, „man muss erst ler­nen, wie das über­haupt funk­tio­niert.“Er stellt die Tas­se ne­ben die Zier­kür­bis­se auf den Tisch im­wohn­zim­mer, des­sen brei­te, ho­he Glas­schei­ben den Blick auf den Gar­ten frei­ge­ben. Das Haus be­steht zu vie­len Tei­len aus Holz. Couch und Wän­de sind weiß. Übe­r­all hän­gen bun­te Bil­der, lie­gen bun­te Pöls­ter. Ei­ne Ker­ze leuch­tet. „Die Kü­che ist mo­men­tan ein biss­chen kahl“, meint Bre­zi­na. „Ich bin ges­tern Nacht aus Lon­don zu­rück­ge­kom­men und fah­re in zwei Ta­gen wie­der. Wenn ich län­ger hier bin, se­hen die Räu­me be­leb­ter aus. Da steht meis­tens noch zu­min­dest ei­ne Obst­scha­le.“

Bre­zi­na isst in den küh­le­ren Jah­res­zei­ten am Mor­gen Früch­te, die er mit ei­nem Schuss Ahorn­si­rup in der Pfan­ne er­hitzt. „Das wärmt, gibt Kraft und ist gut ver­träg­lich.“Da­zu gibt es eng­li­sches Por­ridge – mit Was­ser. Bre­zi­na: „Ich hal­te nicht viel von Milch. Auf der an­de­ren Sei­te ge­hört nichts ver­teu­felt. Auf die Viel­falt kommt es beim Es­sen an.“

Beim Ein­kau­fen ist ihm die Qua­li­tät der Pro­duk­te wich­tig. Doch die Tä­tig­keit dient ihm nicht nur zur Le­bens­mit­tel­be­schaf­fung. „Manch­mal ge­he ich fünf Mal die Wo­che ein­kau­fen. Ich be­kom­me da­bei den Kopf frei. Und wenn ich mir nur ei­ne Do­se Zu­cker­mais be­sor­ge.“

KOHL MIT HA­FER­FLO­CKEN. Gut 100 Ki­lo­me­ter nord­west­lich von Wi­en, na­he Gars am Kamp in Nie­der­ös­ter­reich, steht Er­ni Man­gold in ei­nem hell­ro­sa Leib­chen mit ei­ner grau­en Wes­te dar­über in ih­rer Kü­che im 250 Jah­re al­ten Haus am Herd. „Na, schau­en wir uns das Fres­sen mal an, wenn ich heu­te schon ge­kocht hab“, sagt sie und hebt den Topf­de­ckel in die Hö­he. „Ich ko­che ger­ne Zu­s­pei­sen“, er­klärt sie. „Al­so Spei­sen, die man ei­gent­lich zum Fleisch oder Fisch isst, aber ich es­se die auch oh­ne Fisch … und oh­ne Fleisch.“

Be­son­ders gern hat Man­gold Grün­kohl mit Ha­fer­flo­cken. Ha­fer­flo­cken des­halb, weil man den Grün­kohl oft zum Gansl isst und das Fett der Gans von den Flo­cken auf­ge­saugt wird. Das Re­zept kennt Man­gold aus Ham­burg. „Der Grün­kohl wird ab­ge­zupft und in Öl hin­ein­ge­schmis­sen. Gott sei Dank, ha­ben die Ös­ter- rei­cher den ent­deckt. Der hat von al­len Kohl­ar­ten die höchs­te Vit­amin­stu­fe.“Im zwei­ten Topf lie­gen Fi­so­len. Die wer­den fünf Mi­nu­ten an­ge­bra­ten, dann dreht man die Flam­me klei­ner, lässt das Ge­mü­se düns­ten und legt auf­ge­schnit­te­ne Pa­ra­dei­ser dar­auf. Knob­lauch da­zu und so­lan­ge ko­chen, bis die Flüs­sig­keit weg ist. Dann: aber­mals bra­ten. „Das ist ein ita­lie­ni­sches Ge­richt, schaut ein biss­chen merk­wür­dig aus, schmeckt aber her­vor­ra­gend.“Man­gold läuft bar­fuß über den zum Teil mit Tep­pich aus­ge­leg­ten Holz­fuß­bo­den. Ge­ra­de eben war sie noch im Gar­ten. Ihr Haus, im Herbst un­ter wei­ßem Him­mel und hin­ter Ne­bel­de­cken ver­steckt, liegt di­rekt am­wald­rand. Ge­mü­se­an­bau kommt für sie nicht in Fra­ge. „Dab­räuch­teich ei­nen Acker! Ich bin nicht in Pen­si­on. Zum Gar­teln ist kei­ne Zeit.“Ih­re Zu­ta­ten kauft die 88-jäh­ri­ge Schau­spie­le­rin und Re­gis­seu­rin am hei­mi­schen Vik­tua­li­en­markt. „Das ist ein Bio-markt, den gibt es be­reits seit 25 Jah­ren. Ich fahr im­mer um­acht in der Früh hin­un­ter und kauf mir das al­les. Al­so, was wol­len Sie jetzt kos­ten?“-

Ma­ri­ka Lich­ter ach­tet auf koh­len­hy­drat­ar­me Er­näh­rung. Bei Even­tEin­la­dun­gen wird oft vor­her zu Hau­se ge­ges­sen

Krea­tiv­zo­ne: Ma­ri­ka Lich­ters far­ben­fro­he Kü­che lädt zum Ex­pe­ri­men­tie­ren ein

Da Tho­mas Bre­zi­na viel reist, sind in sei­ner Kü­che nicht im­mer vie­le Le­bens­mit­tel zu fin­den. Was es aber im­mer gibt ist Kaf­fee für sei­nen Es­pres­so. Ein­kau­fen be­zeich­net der Au­tor als Tä­tig­keit, die ihm da­bei hilft, „den Kopf frei­zu­be­kom­men“

Bei­la­gen sind Er­ni Man­golds Lieb­lings­spei­se – Grün­kohl mit Ha­fer­flo­cken et­wa

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