„So schaut es in Ih­rem

Der Hol­län­der Ger­ard van Swie­ten war weit mehr als Ma­ria The­re­si­as Leib­arzt, er re­for­mier­te die ge­sam­te Heil­kun­de an

KURIER_MARIA THERESIA - - Die Reformerin -

FÜNFKINDERSTARBEN. Ma­ri­aThe­re­sia muss­te in ih­rer ei­ge­nen Um­ge­bung er­fah­ren, wie sehr die ärzt­li­che Ver­sor­gung in ih­rem Reich da­nie­der­lag. Die Kai­se­rin war durch die Schick­sa­le ih­rer engs­ten Fa­mi­li­en­an­ge­hö­ri­gen stän­dig mit dem Tod kon­fron­tiert. Fünf ih­rer 16 Töch­ter und Söh­ne star­ben im Klein­kind­al­ter, doch der un­mit­tel­ba­re An­lass für das Ein­lei­ten me­di­zi­ni­scher Re­for­men war das ver­häng­nis­vol­le Ge­schick ih­rer Schwes­ter Ma­ria An­na, die im De­zem­ber 1744 mit Kom­pli­ka­tio­nen im Wo­chen­bett lag. Der spä­te­re Staats­kanz­ler Kau­nitz wur­de be­auf­tragt, für die Erz­her­zo­gin ei­nen re­nom­mier­ten Arzt zu su­chen, und sei­ne Wahl fiel auf den Hol­län­der Ger­ard van Swie­ten. Der eil­te zu der schwan­ge­ren Schwes­ter Ma­ria The­re­si­as­nach­B­rüs­sel, ka­ma­ber­zu­spät. Die Pa­ti­en­tin starb kurz vor Weih­nach­ten. Und doch schrieb die­se Kon­sul­ta­ti­on Ge­schich­te, wur­de sie doch zur Ge­burts­stun­de der bis spä­ter le­gen­där ge­wor­de­nen „Ers­ten Wie­ner Me­di­zi­ni­schen Schu­le“. FIEBERMESSUNG. Van Swie­ten hat­te auf Kau­nitz ei­nen der­art kom­pe­ten­ten Ein­druck ge­macht, dass er ihn trotz Ma­ria An­nas Tod als Leib­arzt der Kai­se­rin und obers­ten Me­di­zi­nal­ver­wal­ter nach Wi­en hol­te. Der Nie­der­län­der er­kann­te, als er hier an­kam, schnell, dass Ös­ter­reichs Heil­kun­de im Mit­tel­al­ter ste­cken ge­blie­ben war. So be­gann er mit un­ge­heu­rem Elan al­le Spar­ten der Me­di­zin zu re­or­ga­ni­sie­ren und sorg­te da­für, dass der ver­al­te­te Hip­po­kra­tis­mus– die„Säf­tel­eh­re“– von­ei­ner pra­xis­ori­en­tier­ten Be­hand­lung ab­ge­löst wur­de. Dann re­vo­lu­tio­nier­te er das Me­di­zin­stu­di­um, das bis da­hin nur aus theo­re­ti­schen Vor­le­sun­gen be­stand, nicht aber im Kran­ken­zim­mer un­ter­rich­tet­wur­de. Er­re­ser­vier­te­da­für­zwölf Bet­ten im Wie­ner Bür­ger­spi­tal, führ­te die Chir­ur­gie als ei­ge­nes Fach und die täg­li­che Fiebermessung von Pa­ti­en­ten ein, die von Wi­en aus ih­ren Sie­ges­zug um die Welt an­trat.

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