Der Ge­ne­ral der Kai­se­rin

KURIER_MARIA THERESIA - - Die Reformerin - VON ANDRE­AS KU­BA

aus Lett­land stam­men­de Be­rufs­of­fi­zier Gi­de­on von Laudon dient sich in der Habs­bur­ger-Ar­mee durch küh­ne Atta­cken und höchs­tes tak­ti­sches Kön­nen zum Ge­ne­ral­ma­jor und wich­tigs­ten Feld­herrn Ma­ria The­re­si­as hoch

BE­RUFS­OF­FI­ZIER. Wäh­rend sich die an­de­ren Of­fi­zie­re mit Wein, Weib und Ge­s­ang­ver­gnü­gen, steh­tGi­de­onErnst Frei­herr von Laudon An­fang der 50erJah­re des 18. Jahr­hun­derts al­lein in ei­nem Wald in Kroa­ti­en und kom­man­diert die Bäu­me. Der Ei­gen­bröt­ler hat sichin­den­ver­gan­ge­nenJah­ren­hier­auf 200 Hekt­ar Karst­flä­che ei­ne höl­zer­ne Ar­mee auf­ge­stellt. Tau­sen­de Ei­chen wur­den auf sei­nen Be­fehl so ge­pflanzt, dass sie der An­ord­nung ei­ner zum Kampf auf­ge­stell­ten Trup­pe ent­spre­chen. Der Ade­li­ge ent­wirft zwi­schen sei­nen bo­ta­ni­schen Sol­da­ten Tak­ti­ken und Schlacht­plä­ne. Der Frei­herr, ge­bo­ren in Ma­ria The­re­si­asGe­burts­jahr1717auf­Gu­tToot­zen bei Lau­dohn im heu­ti­gen Lett­land, hat in­s­ei­nem­bis­he­ri­genLe­ben­al­leSpiel­ar­ten und vor al­lem al­le Grau­sam­kei­ten de­s­K­rie­ge­s­auf­ei­ge­nerHau­ter­lebt. Mit 15Jah­ren­heu­er­te­rim­rus­si­schenIn­fan­te­rieP­le­s­kau an, schon im Jahr dar­auf, 1733, steht Gi­de­on Laudon­imPol­ni­schenErb­fol­ge­krie­gan­der Front. 1735 kämpft er am Rhein im Di­ens­te Russ­lands mit den ver­bün­de­ten­kai­ser­li­chenT­rup­pen­ge­genFrank­reich. Da er die Kriegs­füh­rung von Fried­richII. schon­seitLan­gem­be­wun­dert, bit­tet er 1739 den Preu­ßen­kö­nig um ei­ne Au­di­enz. Nach Mo­na­te des ban­gen War­tens wird er tat­säch­lich vor­ge­las­sen– und­ab­ge­lehnt.„DiePhy­sio­gno­mie die­ses Man­nes passt mir nicht“, sol­lF­ried­richII. ge­meintha­ben. Al­so zieht Gi­de­on Ernst Frei­herr von Laudon wei­ter nach Wi­en. Und er­hält von Ma­ria The­re­sia schließ­lich das be­gehr­te Of­fi­ziers-Pa­tent. KRIEGGEGENFRIEDRICHII. Al­s1756der Sie­ben­jäh­ri­ge Krieg aus­bricht, schlägt Laudons gro­ße St­un­de. Laudon über­fällt mit sei­nen Män­nern die Stadt Te­schen, met­zelt die dort la­gern­den Husa­ren nie­der, macht rei­che Beu­te und setzt­de­mFeind­per­ma­nent­mitNa­del­sti­chen zu. Ge­ne­ral Brow­ne schlägt Laudon dar­auf­hin zur Be­för­de­rung zum Obers­ten vor, Ma­ria The­re­sia un­ter­schreibt das An­su­chen voll Lo­bes über die „er­sprieß­lich ge­leis­te­ten Feld­kriegs­diens­te“ so­wie die „be­zeig­te Schul­dig­keitun­dTap­fer­keit“. Nur­vier Wo­chen spä­ter, im April 1757, über­fällt Fried­rich II. mit 117.000 Mann Böh­men. DieÖs­ter­rei­cher­flie­hen­nach Prag, wo sie ein­ge­kes­selt auf Ret­tung war­ten. Die­se kommt nach 22 Ta­gen hef­tigs­ten Be­schus­ses in der Fi­gur von Leo­pol­dGrafDaun, derF­ried­richII. bei Ko­lin ver­nich­tend ge­schla­gen hat. Jetzt zie­hen sich die Preu­ßen zu­rück. Un­dLaudon­schlägt­zu. Er­über­fäll­tdie im Rück­marsch be­find­li­chen Fein­de, und dringt bis Dres­den vor. Als Be­loh­nung er­hält er da­für „al­ler­mil­dest“1500Gul­den­jähr­li­chePen­si­o­nund­die Er­nen­nung zum Ge­ne­ral­ma­jor. 1758 be­la­gert Fried­rich II. Ol­mütz, fällt die Fe­s­tung, so ist der Weg nach Wi­en, frei. Laudon han­delt. Er späht aus, dass die Preu­ßen ei­nen gi­gan­ti­schen Ver­sor­gungs­zug für die Be­la­ge­rer zu­sam­men­ge­stellt ha­ben. 4000 Wa­gen voll Waf­fen, Mu­ni­ti­on, Geld, Pro­vi­an­t­und­reich­li­chBrannt­wein­und Bier. Laudon er­beu­tet al­les. Kei­ne acht Wo­chen spä­ter pro­biert es Fried­rich II. noch­ein­mal. Erer­rich­tet­beiHoch­kirch einLa­ger. Vom„al­tenZau­de­rer“Daun be­fürch­tet er kei­nen ra­schen An­griff. MitLaudon­ha­ter­nicht­ge­rech­net. Die­ser über­fällt im Mor­gen­grau­en des 14. Ok­to­ber 1758 die schla­fen­de Ar­mee des Preu­ßen­kö­nigs und met­zelt sie nie­der. Ma­ri­aThe­re­sia­ver­leih­tih­re­mFeld­her­ren das „Groß­kreuz“des Ma­ri­aThe­re­si­en-Or­dens. Im Hoch­som­mer 1759 lässt Fried­rich II. bei Ku­n­ers­dorf an­grei­fen. Laudon packt­aus, wa­ser­auf­denSchacht­fel­dern und in sei­nem Wald ge­lernt hat. Mit sei­ner Tak­tik mas­sier­ter Feu­er­kraft reibt er die Preu­ßen kom­plett auf. Von 48.000 Mann über­le­ben nur 3000. „Al­les ist ver­lo­ren“, klagt Fried­rich II. und denkt an Selbst­mord. Ma­ria The­re­sia ist ent­zückt über den „herr­li­chen Sieg.“Gi­de­on Laudon ist end­gül­tig zum Volks­hel­den avan­ciert. Und dem Al­ten Fritz bleibt nur der Fluch „Fix, Laudon!“

Laudon lässt in Ha­ders­dorf im Wie­n­er­wald ein prunk­vol­les Was­ser­schloss bau­en

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