Kampf dem Aber­glau­ben

KURIER_MARIA THERESIA - - Die Reformerin -

Ma­ri­aThe­re­si­as Leib­arzt Ger­ard van Swie­ten kämpft als ak­ti­ver Frei­mau­rer ge­gen Aber­glau­ben, et­wa ge­gen den Vam­pi­ris­mus.

Ei­gent­lich be­kämpft er den My­thos­derUns­terb­lich­keitund­der Un­to­ten sein Le­ben lang. Doch dann macht ihn ein Ro­man selbst „un­sterb­lich“. Der iri­sche Au­to­rBramS­to­ker nimmt sich für sei­nen Vampirjäger Abra­ham van Hel­sing nie­mand ge­rin­ge­ren als Ger­ard van Swie­ten, Leib­arzt Ma­ria The­re­si­as, Frei­mau­rer und Frei­den­kerund­ei­ner­der­bril­lan­tes­tenWis­sen­schaft­ler sei­ner Zeit als Vor­bild. Ähn­lich­wie­vanHel­sin­gist­vanSwie­ten gna­den­los in der Ver­fol­gung des in Ös­ter­reich weit ver­brei­te­ten Vam­pir­glau­bens, de­ne­rals„Bar­ba­rei­derUn­wis­sen­heit“sieht, de­nes­mital­len Mit­teln aus­zu­mer­zen gel­te. Be­gon­nen hat al­les mit den Ero­be­run­genP­rin­zEu­gensamBal­kan­zu­Be­ginn des 18. Jahr­hun­derts. Un­ter den dort an­ge­sie­del­ten Wehr­bau­ern, die als Gren­zerauchAuf­ga­ben­derLan­des­ver­tei­di­gung zu über­neh­men hat­ten, gras­siert bald der Vam­pir­glau­be. Da wird in Bos­ni­en der frisch ver­stor­be­ne Pe­ter Plo­go­jo­witz, ein­an­geb­li­cher Vam­pir, un­ter Auf­sicht ei­nes Po­pen ex­hu­miert, ge­pfählt und ver­brannt. Ähn­lich er­geht es gleich 19 ver­däch­ti­gen Lei­chen in Ol­mütz in Mäh­ren, die­eben­falls„al­sVam­pi­re“iden­ti­fi­ziert und in der üb­li­chen schreck­li­chenArt­und Wei­se von der Be­völ­ke­rung mit Pfahl und Feu­er un­schäd­lich ge­macht wer­den. Zahl­rei­che wei­te­re Ex­hu­mie­run­gen und Lei­chen­schän­dun­gen fol­gen. VAMPIRERLASS. Van Swie­ten er­wirkt bei Ma­ria The­re­sia ei­nen „Vam­pir-Er­lass“, in dem am 1. März 1755 die Lei­chen­schän­dung un­ter dem Deck­man­tel der „Vam­pi­raus­trei­be­rei“ver­bo­ten wird. Doch da­mit war der Spuk für den streit­ba­ren Ge­lehr­ten noch kei­nes­falls vor­bei. Er­sam­mel­twei­terMel­dun­gen­über­an­geb­li­chen Vam­pi­ris­mus und geht den Ge­schich­ten auf den Grund. 1768 rei­tet er zur Ge­ne­ralat­ta­cke ge­gen den Aber­glau­ben. Im An­hang zu Andre­as Ul­rich May­ers „Ab­hand­lung des Da­seyns der Ge­spens­ter“er­scheint sein Be­richt „Vam­py­ris­mus“, in dem er mit den blut­sau­gen­den Un­to­ten ab­rech­net. Dem Aber­glau­ben be­geg­net er mit dem Wis­sen des Na­tur­for­schers. Die er­staun­lich lang­sa­me Ver­we­sung der Lei­chen und ihr un­ge­wöhn­li­cher Zu­stand, meis­tAn­samm­lun­gen­von Blut im Mund, fül­li­ge Lei­ber und ro­si­ge Haut, an­geb­lich al­les Be­wei­se ih­rer Un­totheit, führt er auf na­tür­li­che Ur­sa­chen wie die Bo­den­be­schaf­fen­heit de­s­F­ried­ho­fe­so­der­be­stimm­teKrank­hei­ten der Vor­stor­be­nen zu­rück. In­s­ei­ne­mBe­richt be­zeich­net er dieEx­hu­mie­run­gen und Lei­chen­schän­dun­gen als „un­ge­heu­re Miß­bräu­che, der der Ver­nunft schnur­ge­ra­de zu­wi­der sind. Die Zau­be­rey der Ab­ge­stor­be­nen, von wel­cher hier die Fra­ge ist ... be­fin­det sich nur in Ge­gen­den, in wel­chen die Un­wis­sen­heit noch im­mer herr­schet.“Vom Gra­fen Dra­cu­la fin­det sich in den Schrif­ten van Swietens üb­ri­gens nichts. Die trans­syl­va­ni­sche Le­gen­de von Vlad, de­mP­fäh­ler, ha­ter­stBramS­to­ker mit dem Wir­ken des Vam­pir­jä­gers aus den Nie­der­lan­den ver­mischt.

1768 schreibt Ger­ard van Swie­ten sein Trak­tat ge­gen den Vam­pir­my­thos

Van Swie­ten bau­te imAu­la­ge­bäu­de der UniWi­en ein „ana­to­mi­sches Thea­ter“

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