Neue Län­der für die

KURIER_MARIA THERESIA - - Mater Castrorum -

DAS REICH WÄCHST. „Sie wein­te, doch sie nahm“, be­merk­te Frie­dich II., Kö­nig von Preu­ßen spöt­tisch, als er sich mit Russ­land und Ös­ter­reich im so­ge­nann­ten „Par­ta­ge­trak­tat“im Som­mer 1772 über die Auf­tei­lung Po­lens un­ter den drei Groß­mäch­ten ei­nig­te. Tat­säch­lich fühl­te sich Ma­ria The­re­sia, die­ei­gent­lich­für­die­pol­ni­schenPa­trio­ten Par­tei er­grif­fen hat­te, die nach dem Tod von Kö­nig Au­gust III. von Po­len den Thron ger­ne wie­der mit ei­nem Lands­mann be­setzt hät­ten, nicht wohl bei der Aus­plün­de­rung des Lan­des. Sie beugt sich aber den Wün­schen ih­res Soh­nes Jo­seph II. und ih­res Kanz­lers Kau­nitz. Im­mer­hin ver­grö­ßert sich ihr Reich um 70.000 Qua­drat­ki­lo­me­ter um das Kö­nig­reich Ga­li­zi­en un­dLu­do­me­ri­en und die al­te pol­ni­sche Haupt­stadt Kra­kau. Doch sie nimmt un­ter Pro­test.„Die­un­glück­li­cheTei­lun­gPo­lens “, schreibt sie, ha­be sie zehn Jah­re ih­res Le­bens ge­kos­tet. „Durch­wie­l­an­geZeit­ha­beich­mich­da­ge­gen ge­wehrt! Nur die Schlag auf Schlag sich fol­gen­den Un­glücks­fäl­le derTür­ken, dieAus­sichts­lo­sig­keit, von Frank­reich oder En­g­land Bei­stand zu er­hal­ten, dieWahr­schein­lich­keit, al­lein ei­nen Krieg ge­gen Ruß­land und Preu­ßen­füh­ren­zu­müs­sen, Elend, Hun­gers­not und ver­derb­li­che Krank­hei­ten in mei­nen Län­dern zwan­gen mich, auf die­se un­se­li­gen Vor­schlä­ge ein­zu­ge­hen, die­ei­nenSchat­ten­war­fen­auf­mei­ne­gan­zeRe­gie­rung. Gott­wol­le, da­ßich da­für nicht noch in der an­de­ren Welt zur Ver­ant­wor­tung ge­zo­gen wer­de.“Und sie nimmt gleich mehr, denn als Land­brü­cke zwi­schen dem nun ös­ter­rei­chi­schen Teil Po­lens und Sie­ben­bürg­enge­winnt­sie1775die­bis­da­hin­un­ter tür­ki­scher Ober­ho­heit ste­hen­de Bu­ko­wi­na. Es ist das Preis­geld des von ihr zwi­schen­denK­rieg­füh­ren­denLän­dern Tür­kei­un­dRuß­land­ver­han­del­tenF­rie­dens. Um sich von „er­lit­te­ner Un­bill“zu ent­schä­di­gen, lässt sie sich aus den Steu­er­ein­nah­men der neu­en Pro­vinz jähr­lich 100.000 Gul­den zur per­sön­li­chen Ver­fü­gung aus­be­zah­len. JO­SEPHS KRIEG. Für ih­ren Sohn und Mit­re­gen­ten Jo­seph II. ist der Ge­biets­ge­win­nimOs­ten­nett, doch­de­mKai­ser des Hei­li­gen Rö­mi­schen Reichs Deut­scher Na­ti­on, so sein vol­ler Ti­tel, fehlt per­sön­li­cher Feld­her­ren­ruhm. Die St­un­de des Ruhms scheint ge­kom­men, als der Kur­fürst von Bay­ern kin­der­los stirbt. Um das Er­be strei­ten sich so­gleich­die­üb­li­chenVer­däch­ti­gen, al­len vor­an Ös­ter­reich und Preu­ßen. Jo­seph sieht Erb­an­sprü­che der Habs­bur­ger aus dem 15. Jahr­hun­dert und das Reichs­ge­setz hin­ter sich, Fried­rich ver­lässt sich wie üb­lich lie­ber auf sei­ne Ar­mee. Es kommt wie es kom­men muss, bei­de Mäch­te ma­chen ge­gen­ein­an­der­mo­bil. Fried­rich­mar­schiert- wie

Bei der Tei­lung Po­lens er­hält Ös­ter­reich das 70.000 Qua­drat­ki­lo­me­ter gro­ße Ga­li­zi­en und Lo­do­me­ri­en und Kra­kau (Bild) mit zu­ge­spro­chen

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