Die di­cke“Kai­se­rin wird zur Weltwährung

KURIER_MARIA THERESIA - - Mater Castrorum - VON CHRIS­TI­AN NEU­HOLD

Die ers­ten sil­ber­nen Ma­ria-The­re­si­en-Ta­ler mit dem Por­trät der Kai­se­rin mit Wit­wen­schlei­er wer­den knapp nach dem Tod Franz Stephans ge­prägt. We­gen ih­res ho­hen Sil­ber­ge­halts wer­den sie ei­ne Art Weltwährung, die in Tei­len Afri­kas und In­di­ens bis ins 20. Jahr­hun­dert Zah­lungs­mit­tel bleibt.

DER CHEF BIN ICH. Die Bot­schaft auf den­ers­tenMa­ria-The­re­si­en-Ta­lern, die ab 1765 in der kai­ser­li­chen Münz­stel­le in Hall in Ti­rol ge­prägt wer­den, ist un­miss­ver­ständ­lich. Im Reich des Dop­pel­ad­lers gibt es kei­ne Dop­pel­herr­schaft. Es re­giert auch nach dem Tod des ge­lieb­ten Ge­mahls Franz Ste­phan nur ei­ne Per­son: „Ma­ria The­re­sia von Got­tes Gna­den Rö­mi­sche Key­se­rin, Wit­tib; Kö­ni­gin­zu­Hun­garn, Bö­heim, Dal­ma­ti­en, Croa­ti­en, Sla­vo­ni­en, Erz­her­zo­gin zu Oes­ter­reich et ce­te­ra et ce­te­ra“. Das­ha­tauchSoh­nun­dMit­re­gent Jo­seph II. ge­fäl­ligst zu ak­zep­tie­ren. FÄLSCHUNGSSICHER. Das die Mün­ze mit ih­rem Por­trät ein Welter­folg wer­den wird, ist nicht ab­seh­bar. Denn ei­gent­lich­ent­steht­derMa­ria-The­re­si­en­Ta­ler, da­mals auch Le­van­ti­ner Ta­ler oderLe­van­te­ta­l­er­ge­nannt, 1753in­Fol­ge­ein­er­zwi­sche­nös­ter­rei­chun­dBay­ern ge­schlos­se­nen Münz­kon­ven­ti­on. Da­bei wur­de das Ver­hält­nis zwi­schen den Wäh­run­gen und der Sil­ber­ge­halt der Mün­zen fest­ge­legt. Ex­akt 23,38556 Gram­ment­hält­je­derMa­ria-The­re­si­en­Ta­ler, ein bis heu­te für Sil­ber­mün­zen un­ge­wöhn­lich­ho­herWert. DieMün­ze er­setzt auch frü­he­re Mün­zen mit dem noch un­ver­schlei­er­ten Por­trät der Kai­se­rin, die­seit1741in­Ös­ter­reichinUm­lauf sind. Rasch wird der Ma­ria-The­re­si­en-Ta­ler auch au­ßer­halb des Habs­bur­ger­reichs zur be­lieb­ten Wäh­rung. Ne­ben dem ho­henSil­ber­ge­halt­ver­danktdieMün­ze ih­re Po­pu­la­ri­tät vor al­lem ih­rer Fäl­schungs­si­cher­heit. Auf­grund der ge­präg­tenRand­schrift­fäll­tderAbriebso­fort auf. Da­bei han­delt es sich um ei­ne Art „Kör­berl­geld“, wel­ches sich Kauf­leu­te­un­dMün­zwechs­ler­ver­dien­ten, in dem­sie­win­zi­geMen­gen­derMün­ze­mit ei­ner Fei­le ab­rei­ben und das dar­aus ge­won­ne­neE­del­me­tal­lein­schmel­zen­und ver­kau­fen. 390 MIL­LIO­NEN STÜCK. In Ös­ter­reich bleibt der Ma­ria-The­re­si­en-Ta­ler bis zum31. Ok­to­ber1858ein­ge­setz­li­ches Zah­lungs­mit­tel. Al­sHan­dels­mün­zeist er aber wei­ter welt­weit im Ein­satz. Bis zum En­de des Zwei­ten Welt­kriegs ist die Mün­ze mit der „Fat Ma­ry“, in gro­ßen Tei­len Afri­kas ein an­er­kann­tes Zah­lungs­mit­tel. Das Ver­brei­tungs­ge­biet reicht vom west­li­chen Nord­afri­ka über den Su­dan, Äthio­pi­en, So­ma­lia, Ke­nia bis in die Küs­ten­ge­bie­te Tan­sa­ni­as und vom ge­sam­ten asia­tisch-is­la­mi­schen Raum bis in Tei­le In­di­ens. Im Je­men­un­dinMo­sam­bi­kis­ter­so­gar­für vie­leJah­re­of­fi­zi­el­leLan­des­wäh­rung. In ei­ni­gen Län­dern Afri­kas wird der Ma­ria-The­re­si­en-Ta­ler auch zur Grund­la­ge des re­gio­na­len Ge­wichts­sys­tems. So ist das in Eri­trea üb­lich Maß „Ro­tel“als Ge­wicht von 16 Ma­ria-The­re­si­en-Ta­lern­de­fi­niert. Selbst­wäh­rend­des­Zwei­ten Welt­kriegs wer­den noch in Münz­stät­ten in Rom, Lon­don, Pa­ris, Brüs­sel un­dinBom­bayMa­ria-The­re­si­en-Ta­ler weit­ge­hend ori­gi­nal­ge­treu nach der Vor­la­ge des Jah­res 1780 nach­ge­prägt. Ma­ri­aThe­re­sia­kennt­man­da­her­infast al­len Tei­len der Welt.

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