Der Or­den der Kai­se­rin

KURIER_MARIA THERESIA - - Mater Castrorum - VON CHRIS­TI­AN NEU­HOLD

Die höchs­te Tap­fer­keits­aus­zeich­nung im Kai­ser­reich ist mehr als ei­ne be­gehr­te Eh­ren­me­dail­le. Mit der Ver­lei­hung des Ma­ria-The­re­si­en-Or­dens er­hält der Emp­fän­ger auch ei­ne le­bens­lan­ge Ren­te. Mit die­ser Art der Altersversorgung will die Kai­se­rin ih­re Trup­pen im Kampf ge­gen Fried­rich II. von Preu­ßen zu­sätz­lich mo­ti­vie­ren

HÖCHS­TE AUS­ZEICH­NUNG. Der ers­te Emp­fän­ger der höchs­ten Tap­fer­keits­aus­zeich­nung, wel­che das Kai­ser­reich zu bie­ten hat, ist Leo­pold Graf Daun, der Ober­kom­man­die­ren­de der Ar­mee Ma­ria The­re­si­as und Sie­ger über Fried­richII. vonP­reu­ßen­in­derSchlacht­von Ko­lin. Daun ist auch der Initia­tor und Ide­en­ge­ber für die Stif­tung die­ses Or­dens. STAATSRENTE. DieEh­reund­dieGunst derKai­seri­nista­bernu­r­einTeil­der­mit der Ver­lei­hung ver­bun­de­nen Pri­vi­le­gi­en. Wäh­rend der Zeit Ma­ria The­re­si­as gibt es im Habs­bur­ger­reich noch kein ge­re­gel­tes Pen­si­ons­sys­tem. Erst nach und­nach­wer­den­ein­zel­neBe­rufs­stän­de mit Ren­ten­aus­zah­lun­gen pri­vi­le­giert. Da­zu ge­hö­ren ab so­fort auch je­ne Kriegs­hel­den, die mit dem Ma­ria The­re­si­en-Or­den, ei­gent­lich dem „Mi­li­tärMa­ria-The­re­si­en-Or­den“, aus­ge­zeich­net wer­den. Sie er­hal­ten ei­ne Pen­si­on, die ih­nen und ih­ren An­ge­hö­ri­gen die Ver­sor­gung im Al­ter ga­ran­tiert. Die Wit­we ei­nes Or­den­trä­gers er­hält im­mer­hin noch 50 Pro­zent der Geld­leis­tung. Ne­ben den Trä­gern des Ma­ria-The­re­si­en-Or­dens er­hal­ten nur noch Staats­die­ner­un­dZi­vil­be­am­te­abMit­te­des18. Jahr­hun­derts das Pri­vi­leg ei­ner Altersversorgung, die auch die Ver­sor­gung der Hin­ter­blie­be­nen mit ein­schließt. DerGroß­teil­derBe­völ­ke­rungstirb­tim Reich Ma­ria The­re­si­as in bit­te­rer Ar­mut bit­te­rer Ar­mut. DER KLEI­NE UN­TER­SCHIED. Die Aus­zeich­nung gibt es in zwei Va­ri­an­ten, dem Groß­kreuz und dem Rit­ter­kreuz. Bei­de­wer­de­n­oh­neRück­sicht­aufRang, Stand oder Re­li­gi­on des Be­trof­fe­nen ver­lie­hen. Es­wä­re­a­ber­nich­tÖs­ter­reich wenn es nicht doch ei­nen klei­nen, aber fei­nen hier­ar­chi­schen Un­ter­schied ge­ben wür­de. Das Groß­kreuz ist den Ar­mee­und Flot­ten­kom­man­dan­ten vor­be­hal­ten, das Rit­ter­kreuz wird an Of­fi­zie­re­oh­neRang­un­ter­schie­de­ver­lie­hen. Zur Zeit Ma­ria The­re­si­as muss auch beim Or­den auf ei­nen Blick er­sicht­lich sein, wer der Chef ist. Die Mit­glied­schaft im Ma­ria-The­re­si­en-Or­den setzt, na­he­zu re­vo­lu­tio­när für die da­ma­li­ge Zeit, nicht den Adels­ti­tel des Emp­fän­gers vor­aus, be­för­dert sei­nen Trä­ger aber au­to­ma­tisch in den Rit­ter­stand. Auch das ist in Zei­ten, in de­nen man nur als Ade­li­ger in hö­he­re Äm­ter auf­stei­gen kann, ei­ne nicht zu un­ter­schät­zen­de Mo­ti­va­ti­on für vie­le „bür­ger­li­che“Kom­man­dan­ten in den un­te­ren Rän­gen, sich wäh­rend ei­nes Ge­fechts durch Mut und Ein­falls­reich­tum aus­zu­zeich­nen. HERZ­HAF­TE TA­TEN. Ver­lie­hen wird der Or­den laut den Sta­tu­ten an je­ne, die durch „ei­ne be­son­ders herz­haf­te That“auf­ge­fal­len sind, die ex­pli­zit „Ei­gen­in­i­ta­ti­ve ei­ner mi­li­tä­ri­schen Leis­tung im Ge­fecht“vor­aus­setzt. Da­zu zählt im Ex­trem­fall auch die Ver­wei­ge­rung ei­nes Be­fehls, al­ler­dings nur, wenn da­durch das Ge­lin­gen ei­ner be­son­ders toll­küh­nen Ak­ti­on ver­bun­den ist. Ver­schwen­de­risch geht die Mon­ar­chie­mit­die­sem bis zum En­de des Ers­ten Welt­kriegs als höchs­te Tap­fer­keits­aus­zeich­nung in Ver­wen­dung ste­hend Or­den nicht um. Nach Daun er­hal­ten in den fol­gen­den 160 Jah­ren nur 1.241 Per­so­nen die­se Aus­zeich­nung, die nur nach ge­nau­es­ter Über­prü­fung der je­wei­li­gen Hel­den­tat ver­lie­hen wird. Der letz­te Trä­ger die­ses Or­dens, ein k. u. k. Ma­ri­ne­flie­ger, ver­stirbt 1986.

Nach sei­nem Sieg von Hoch­kirch er­hält Gi­de­on von Laudon 1758 das Groß­kreuz des Ma­ri­aThe­re­si­en-Or­dens

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