Der Tod der ers­ten Da­me Eu­ro­pas

KURIER_MARIA THERESIA - - Mater Castrorum -

Sie war seit vie­len Jah­ren auf die­sen Au­gen­blick vor­be­rei­tet. To­ten­klei­der, Schu­he und der drei Me­ter lan­ge und zwei Me­ter brei­te Prunks­ar­ko­phag stan­den längst be­reit, als Ma­ria The­re­sia am 29. No­vem­ber 1780 das Zeit­li­che seg­ne­te. Sie freu­te sich dar­auf, ih­rem ge­lieb­ten Mann in ei­ner an­de­ren Welt wie­der­zu­be­geg­nen.

VOR­BE­REI­TUNG AUF DEN TOD. Kein an­de­rer Mon­arch hat sich je so in­ten­siv auf das Ster­ben vor­be­rei­tet wie Ma­ria The­re­sia. Ih­re To­ten­klei­der hat­te sie schon zehn Jah­re, die San­da­len 15 Jah­re be­vor sie starb, be­reit­stel­len las­sen, und auch der Holz­sarg zum Trans­port ih­res Leich­nams in die Ka­pu­zi­ner­gruft war längst ge­zim­mert. Die Kai­se­rin war erst 37 Jah­re jung, als ihr Sar­ko­phag fix und fer­tig in der Be­gräb­nis­stät­te der Habs­bur­ger auf­ge­stellt wur­de. Knapp zwei Ta­ge be­vor sie stirbt, fühlt die Kai­se­rin den Tod auf sich zu­kom­men­den. „Mei­ne Fü­ße sind kalt und blau. Das ist der Brand – nun ist es in 24 St­un­den zu En­de“, pro­phe­zeit sie. Un­ter star­ker Atem­not lei­dend, aber mit kla­rem Ver­stand setzt die schwer über­ge­wich­ti­ge Ma­ria The­re­sia ih­re letzt­wil­li­gen Ver­fü­gun­gen auf, än­dert ihr Tes­ta­ment, er­le­digt Bitt­schrif­ten, nimmt Vor­trä­ge ent­ge­gen. Sie ist Re­gen­tin bis zum letz­ten Atem­zug. „GUT GE­NUG, UM ZU STER­BEN“. Fünf ih­rer Kin­der sind an­we­send, als sie in ih­rem Schlaf­ge­mach in der Hof­burg hin­über­däm­mert. Am längs­ten ist ihr Mit­re­gent, Kai­ser Jo­seph, bei ihr, dem sie nun „das Reich über­gibt“. Der Sohn hat jetzt aber ganz an­de­re Sor­gen und will ih­re La­ge im Bett ver­bes­sern: „Ihro Ma­jes­tät­lie­gen­sehr­ü­bel“, sag­ter­zuihr. „Ja“, er­wi­dert sie, „aber gut ge­nug, um zu ster­ben“. Ma­ria The­re­sia liebt ih­ren äl­tes­ten Sohn über al­les, und doch traut sie dem Hitz­kopf­mit­sei­nen­re­vo­lu­tio­nä­renI­de­en­die Füh­rung der Mon­ar­chie nicht recht zu. Ihr po­li­ti­sches Er­be ist wohl die größ­te Sor­ge in ih­ren letz­ten St­un­den. Sie ver­bringt die­se in ei­nen al­ten Schlaf­ro­ckih­res­ver­stor­be­nenMan­nes­ge­hüllt, den­si­e­n­icht­mehr­aus­zie­hen­möch­te. Sie wei­gert­sich, die­letz­teNacht­zu­schla­fen, weil sie „vom Tod nicht über­rascht wer­den und ihn kom­men se­hen will“. Die Kai­se­rin stirbt am 29. No­vem­ber 1780 um 20.45 Uhr an „Was­ser­sucht, Ka­tarrh und Brand“, wie ih­re Lei­bärz­te dia­gnos­ti­zie­ren. Der Leich­nam wird „mit ei­nem ein­fa­chen Ge­wan­de“zwei Ta­ge öf­fent­lich auf­ge­bahrt. MA­RIA-THE­RE­SIA-GRUFT. Am 3. De­zem­ber er­folgt die Über­füh­rung in die Be­gräb­nis­stät­te der Habs­bur­ger. „Die Ma­ria-The­re­sia-Gruf­tist­dieg­röß­te­und prunk­volls­te Gruft bei den Ka­pu­zi­nern“, sagt Gi­gi Beut­ler, die seit 25 Jah­ren Tou­ris­ten und Wie­ner durch die Gruft­führt, un­d­die­wirauf­ei­ne­mRund­gang­mit­denSchü­ler­nei­nerGym­na­si­al­klas­se aus Frank­furt am Main be­glei­te­ten. Mehr als 200.000 Be­su­cher kom­men Jahr für Jahr in die Ru­he­stät­te der kai­ser­li­chen Fa­mi­lie, um dort die Sar­ko­pha­ge von 143 Habs­bur­gern zu be­sich­ti­gen. Und auch, um hier in­ti­me Ge­schich­ten über die wich­tigs­ten An­ge­hö­ri­gen des Kai­ser­hau­ses zu er­fah­ren. „Ma­ria The­re­sia und ihr Gat­te Franz Ste­phan“, er­klär­tGi­giBeut­le­rih­ren­auf­merk­sa­men Zu­hö­rern bei den Ka­pu­zi­nern,„ha­be­nih­re­ei­ge­neG­ruft­be­reits­als jun­ges Ehe­paar ge­stal­ten las­sen, und selt­sa­mer­wei­se ist sie 1765, als Franz Ste­phan von Loth­rin­gen ganz plötz­lich starb, gera­de fer­tig ge­wor­den.“Das streng ka­tho­li­sche Kai­ser­paar wähl­te den jüngs­ten Tag, al­so die Au­fer­ste­hung­von­denTo­ten, al­sMot­to­für sei­neG­ruft.„Man­sieh­tih­reFi­gu­ren

VON GE­ORG MAR­KUS

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