Bio der nächs­ten Ge­ne­ra­ti­on

Kurier_Natuerlich Leben - - INHALT - ANDREA KRIE­GER

In wel­che Rich­tung es in Zu­kunft ge­hen könn­te

Die Markt­hal­le Rot­ter­dam be­inhal­tet ei­nen gro­ßen Su­per­markt und hun­dert fi­xe Markt­stän­de. Vor ei­nem steht ei­ne Frau im Over­all, die Bio-kar­tof­feln an­bie­tet. Es könn­te ei­ne Bäue­rin sein. Ne­ben Le­bens­mit­teln gibt es Re­stau­rants und Koch­kur­se.

So wie die­ser lu­kul­li­sche Tem­pel könn­te – in Groß­for­mat – die Zu­kunft des Bio-ein­kaufs aus­se­hen. „Su­per­märk­te wer­den noch mehr zu Märk­ten, die Fri­sche ze­le­brie­ren“, kon­sta­tiert Da­vid Boss­hart, Trend­for­scher und Chef des Zürcher Gott­lieb Dutt­wei­ler In­sti­tu­te (GDI). Das GDI un­ter­such­te im Auf­trag des Han­dels­kon­zerns Rewe und der Bio-han­dels­mar­ke Ja! na­tür­lich, wel­che Art Bio sich die Kon­su­men­ten künf­tig wün­schen wer­den und wie Le­bens­mit­tel­pro­du­zen­ten, -händ­ler und -di­enst­leis­ter dar­auf re­agie­ren könn­ten. Denn ob­wohl, wie Boss­hart sagt, „Bio ei­ne Er­folgs­ge­schich­te ist, die ih­res­glei­chen sucht“: La­bels wie ve­gan, Slow Food, Pre­mi­um, Fair Tra­de und Re­gio­nal buh­len eben­falls zu­neh­mend um das Kun­den­ver­trau­en. „Das Ge­sund­heits- und Ge­nuss­be­wusst­sein ent­wi­ckelt sich wei­ter“, so Boss­hart. Le­bens­mit­tel sei­en „zu ei­ner Art Er­satz­re­li­gi­on ge­wor­den.“Ist ein ge­wis­ser Wohn­stan­dard er­reicht, geht es den Men­schen ver­stärkt um Wer­te wie Wohl­füh­len, Ge­sund­heit, Nach­hal­tig­keit und so­zia­le Ver­ant­wor­tung. „Wir kon­su­mie­ren ethisch kor­rek­te Mar­ken um mit gu­tem Ge­wis­sen ge­nie­ßen zu kön­nen“, heißt es in der Stu­die.

QU­AL DER WAHL. Das Di­lem­ma da­bei: Vie­le La­bels ver­su­chen heu­te Le­bens­mit­tel zu ver­kau­fen, die auch im mo­ra­li­schen Sinn gut sind. Die Kun­den müs­sen sich zwi­schen ver­schie­de­nen Ver­spre­chen be­zie­hungs­wei­se ethi­schen Schwer­punk­ten ent­schei­den. Ei­ne zen­tra­le The­se der Stu­die lau­tet da­her: „Die Zu­kunft ge­hört dem La­bel, das al­les ver­eint.“Boss­hart: „Ei­ne glaub­wür­di­ge und star­ke Bio-mar­ke er­laubt, neue Trends wie Re­gio­na­li­tät oder Fair­ness auf­zu­neh­men und zu in­te­grie­ren.“Dass Kon­su­men­ten zu­neh­mend zu Pro­du­zen­ten wer­den, ist ei­ne wei­te­re The­se des GDI. „Do-it-yours­elf“lau­tet die Ant­wort auf das Un­be­ha­gen an­ge­sichts ei­ner Wert­schöp­fungs­ket­te, die vie­le nicht mehr durch­bli­cken. Wie könn­ten Su­per­märk­te auf das Ge­fühl der Ent­frem­dung von Hof und Tisch re­agie­ren? Die Gour­met-ket­te Ea­ta­ly, laut Boss­hart das Vor­bild für die Wei­ter­ent­wick­lung des Le­bens­mit­tel­han­dels bie­tet Bau­ern re­gel­mä­ßig ei­ne Platt­form um sich und ih­re Pro­duk­te vor­zu­stel­len. Die künf­ti­ge Rol­le des Händ­lers könn­te laut GDI ge­ne­rell ver­stärkt die ei­nes Ver­mitt­lers sein, der ver­schie­de­ne aus­ge­wähl­te Pro­du­zen­ten vor den Vor­hang holt.

FER­TIG, ABER BIO. Bei al­ler Lie­be zum Sel­ber­ma­chen ge­win­nen Bio-fer­tig­pro­duk­te schon aus Zeit­man­gel an Be­deu­tung. Und sie wer­den bes­ser. „Con­ve­ni­ence hat sich ent­schmud­delt, hat öf­ter Pre­mi­um­cha­rak­ter und kommt heu­te mit ver­bes­ser­ter Qua­li­tät da­her“, sagt Trend­for­scher Boss­hart. Ob Fer­tig­pro­duk­te oder nicht: Online-shop­ping im Le­bens­mit­tel­han­del wird wei­ter zu­le­gen. Und schafft Platz für die zu­kunfts­träch­ti­ge Ver­schmel­zung von Su­per- markt, Re­stau­rant, Ta­ke-away und Koch­schu­le erst er­mög­li­chen. Wie bei Ea­ta­ly oder der Markt­hal­le Rot­ter­dam. Die dort an­ge­bo­te­ne Fo­rel­le oder Bir­ne könn­te künf­tig ver­stärkt von na­hen Dach­far­men kom­men. Bei der in­no­va­tivs­ten Va­ri­an­te, dem aqua­po­ni­schen An­bau­ver­fah­ren lie­fert die Fisch­zucht das Was­ser und na­tür­li­che Dün­ge­stof­fe für die Pflan­zen im vor­de­ren Be­reich des Ge­wächs­hau­ses am Flach­dach.

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„Ei­ne glaub­wür­di­ge und star­ke Bio-mar­ke er­laubt, neue Trends wie Re­gio­na­li­tät oder Fair­ness auf­zu­neh­men.“

Da­vid Boss­hart, Trend­for­scher

Die Markt­hal­le Rot­ter­dam zeigt schon heu­te, wie die Su­per­märk­te der Zu­kunft aus­se­hen könn­ten

Oben: be­grün­tes Wohn­haus und Brü­cke nach ei­nem Ent­wurf von Vin­cent Cal­le­baut Mit­te: ver­ti­ka­le Ge­mü­se­farm Un­ten: Fisch- und Ge­mü­se­farm in Ber­lin

Vin­cent Cal­le­baut ent­wi­ckel­te ei­ne Ar­chi­tek­tur­vi­si­on für Pa­ris – et­wa Wohn­tür­me mit Acker­flä­chen

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