In gro­ßer Hö­he

Kurier_Natuerlich Leben - - INHALT - ANJA GEREVINI

Was Alm­wirt­schaft mit Ar­ten­viel­falt zu tun hat

In der Wer­bung, in Slo­gans und auf Post­kar­ten kom­men sie glei­cher­ma­ßen­vor. Al­men sind ein Teil der ös­ter­rei­chi­schen Iden­ti­tät. Doch sie sind mehr als ver­träum­te Bil­der. „Es sind Flä­chen, die auf­grund ih­rer Hö­hen­la­ge und des Kli­mas nur wäh­rend der Som­mer­mo­na­te als Wei­de be­wirt­schaf­tet wer­den kön­nen. Die Alm­bau­ern sind so­zu­sa­gen die letz­ten No­ma­den der Al­pen“, er­klärt Su­san­ne Ai­g­ner vom Um­welt­bü­ro in Klagenfurt. „Ver­mut­lich ist die­se ur­al­te, archai­sche Nut­zungs­form ein Grund da­für, dass Al­men mit star­ken Emo­tio­nen be­legt sind.“

Dass hoch­al­pi­nes Ge­biet als Wei­de­land ge­nutzt wird, reicht weit zu­rück. Ar­chäo­lo­gi­sche Fun­de zei­gen, dass be­reits vor 6500 Jah­ren Men­schen ih­re Tie­re im Som­mer in die Hö­he trie­ben, um sie dort gra­sen zu las­sen. „Je­der er­reich­ba­re Win- kel zwi­schen Fel­sen wur­de ge­mäht und an das Vieh ver­füt­tert“, er­zählt Su­san­ne Ai­g­ner. „Heu­te wer­den die­se Ex­trem­la­gen längst nicht mehr be­wirt­schaf­tet, aber noch im­mer wer­den auf Ös­ter­reichs Al­men je­des Jahr 60.000 Ton­nen Milch und 6500 Ton­nen Fleisch pro­du­ziert.“

WIRT­SCHAFTS­ZWEIG. Das Be­wirt­schaf­ten der Al­men war – und ist – nicht ein­fach. Vor al­lem in den 50er bis 70er Jah­ren pass­te die­se Form der Land­wirt­schaft nicht zum Fort­schritts­ge­dan­ken. Das Vieh wur­deim Tal in Stäl­len ge­hal­ten und mit Kraft­fut­ter er­nährt, wo­durch ih­re Leis­tung stieg. Doch das war nicht der ein­zi­ge Grund. „Der Man­gel an Män­nern nach dem Zwei­ten Welt­krieg hat vie­le Be­trie­be da­zu ge­zwun­gen, sich auf die Heim­be­trie­be zu kon­zen­trie­ren“, weiß die Um­welt-

ex­per­tin. „Da­durch konn­ten sich auf vie­len Al­men Wald und Zwerg­sträu­cher aus­brei­ten. Ins­ge­samt ist die alm­wirt­schaft­lich ge­nutz­te Flä­che zwi­schen 1952 und 1986 um 16 Pro­zent zu­rück­ge­gan­gen.“

Ob­wohl be­reits im Jahr 1887 ei­ne staat­li­che Kom­mis­si­on den Wert der Alm­wirt­schaft er­kann­te und „un­ver­züg­li­che Be­stim­mun­gen über Schutz, Pfle­ge und För­de­rung“ein­for­der­te, dau­er­te es lan­ge, bis ers­te Alm­schutz­ge­set­ze er­folg­ten. Die Ein­füh­rung der Al­pungs­prä­mie in den 70er Jah­ren führte da­zu, dass die Alm­wirt­schaft wie­der in das Be­wusst­sein der Bau­ern rück­te. „Den­noch re­du­ziert sich die Alm­flä­che seit­her wei­ter“, hält Ai­g­ner fest. „Je­den Tag ge­hen in Ös­ter­reich rund 20 Hekt­ar Alm­wei­den, Ma­ger­wie­sen und Ma­ger­wei­den durch Ver­bu­schung und Ver­wal­dung ver­lo­ren.“

GROS­SER VER­LUST. Wer­den Al­men auf­ge­ge­ben, so hat das un­wie­der­bring­li­che Aus­wir­kun­gen. „Alm­wei­den sind kei­ne ho­mo­ge­nen Flä­chen, son­dern wer­den von den un­ter­schied­li­chen Tier­ar­ten sehr dif­fe­ren­ziert ge­nutzt“, sagt Ai­g­ner. „Oh­ne Nut­zung wür­de sich zwar ei­ne na­tür­li­che Ve­ge­ta­ti­on ent­wi­ckeln, die­se ist je­doch struk­tur­är­mer und da­mit auch är­mer an un­ter­schied­li­chen Pflan­zen- und Tier­ar­ten.“Auch auf der Tou­ris­mus wür­de lei­den. Da­her sind die Be­mü­hun­gen groß, die Alm­wirt­schaft le­ben­dig zu er­hal­ten. Ai­g­ner: „Nicht zu­letzt müss­te der Ver­lust von­fleisch un­d­milch­pro­duk­ti­on der Al­men aus­ge­gli­chen wer­den. Durch Im­por­te oder aus in­ten­si­ver Land­wirt­schaft in den Tä­lern.“Da­bei sind land­wirt­schaft­li­che Er­zeug­nis­se von Al­men hoch­wer­ti­ge Pro­duk­te. Un­ter­su­chun­gen zei­gen, dass Alm­milch ei­nen ho­hen An­teil an Ome­ga-3-fett­säu­ren ent­hält. „Die Be­wirt­schaf­tung er­folgt über wei­te Be­rei­che öko­lo­gisch, die Richt­li­ni­en sind sehr streng“, be­stä­tigt Su­san­ne Ai­g­ner. „Auf Al­men dür­fen in Ös­ter­reich ge­ne­rell kei­ne Her­bi­zi­de oder In­sek­ti­zi­de aus­ge­bracht wer­den, hier gilt die Bio-richt­li­nie.“Ge­nau hier gilt es an­zu­set­zen: Alm­pro­duk­te müs­sen ei­gens ver­mark­tet wer­den. „Der Groß­teil des Flei­sches von den Al­men ist von her­aus­ra­gen­der Qua­li­tät, von frei­lau­fen­den Tie­ren und nach­hal­tig so­wie res­sour­cen­scho­nend pro­du­ziert“, so Ai­g­ner. „Da­von merkt der Kon­su­ment kaum et­was, denn der Groß­teil der Tie­re wird kon­ven­tio­nell ver­mark­tet.“Zu­gleich ist Bil­dungs­ar­beit nö­tig. Nur so kann ei­ne ein­ma­li­ge Kul­tur­land­schaft für die nach­fol­gen­den Ge­ne­ra­tio­nen er­hal­ten wer­den. -

Al­men sind ein wich­ti­ger Be­stand­teil des Na­tio­nal­park Ho­he Tau­ern

Durch Be­wei­dung und Mahd blei­ben im Ge­bir­ge die Wie­sen of­fen – so wach­sen auf en­gem Raum vie­le ver­schie­de­ne Pflan­zen

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