Das gro­ße Flat­tern

Im ober­ös­ter­rei­chi­schen Jul­bach hat ei­ne neue Le­ge­hen­nen-ras­se ihr Zu­hau­se ge­fun­den. Was es mit die­ser auf sich hat, er­zählt der stol­ze Be­sit­zer und Bio-bauer Ge­rald Grimps.

Kurier_Natuerlich Leben - - INHALT - ANJA GEREVINI

Wie ein Zwei­nut­zungs­huhn die Bio-sze­ne re­vo­lu­tio­niert

Statt ei­nem sat­ten Mu­hen hallt nun fröh­li­ches Ga­ckern aus dem Stall her­über. Vor ei­nem Jahr be­schloss Ge­rald Grumps näm­lich von sei­ner Mut­ter­k­uh­her­de auf Le­ge­hen­nen um­zu­stei­gen. Ei­ne Ent­schei­dung, der vie­le St­un­den voll mit Über­le­gun­gen und Dis­kus­sio­nen vor­aus­ge­gan­gen wa­ren. „Mei­ne El­tern ha­ben den Hof mit Rin­dern ge­führt“, er­zählt der Bio-bauer. „Und so ist es auch ge­blie­ben, als ich über­nahm – ich ha­be nur auf Mut­ter­k­uh­hal­tung um­ge­stellt.“Trotz al­ler Be­mü­hun­gen wur­de es für den klei­nen Be­trieb in Ober­ös­ter­reich aber im­mer schwie­ri­ger. „Die Er­trä­ge sind ge­schrumpft, ich konn­te tun, was ich woll­te“, er­zählt Ge­rald Grimps.

„Als dann auch noch die mut­ter­k­uh­prä­mie ge­stri­chen wur­de, blie­ben mir nur zwei op­tio­nen: ich konn­te auf­ge­ben und mei­nen hof an ir­gend­wen ver­pach­ten oder et­was ganz neu­es aus­pro­bie­ren.“

DURCH­STAR­TEN. Und so be­gann ei­ne neue Ära in jul­bach. ge­rald grimps be­gann, sich nach Al­ter­na­ti­ven um­zu­se­hen – und stieß letzt­lich auf le­ge­hen­nen. „ich kann nicht sa­gen war­um, aber die Ar­beit mit den Tie­ren hat mir ein­fach ge­fal­len“, er­zählt er und schmun­zelt. „Al­so ha­be ich den­ho­f­um­ge­baut, da­mit hüh­ner ein­zie­hen kön­nen.“Dass er ei­nen Bio-be­trieb füh­ren wür­de, das war von An­fang klar, selbst wenn die Auf­la­gen we­sent­lich stren­ger sind als in kon­ven­tio­nel­len Be­trie­ben. So müs­sen den Tie­ren Au­ßen­be­rei­che of­fen ste­hen, es dür­fen we­ni­ger hen­nen in ei­ner her­de ge­hal­ten wer­den und auch die Ein­schrän­kun­gen bei fut­ter­mit­tel sind enorm. „in kon­ven­tio­nel­len Be­trie­ben wer­den pro le­ge­hen­ne zwei Qua­drat­me­ter Au­ßen­flä­che be­rech­net, bei Bio-be­trie­be sind es vier – un­d­bei­unshat­je­des Tier zehn Qua­drat­me­ter zur Ver­fü­gung“, er­klärt der ober­ös­ter­rei­cher nicht oh­ne Stolz. „Wenn ich jetzt sa­ge, ich ha­be zwei her­den mit je 3000 hüh­nern, dann klingt das nach sehr viel, aber die Au­ßen­be­rei­che sind da­für auch wirk­lich groß.“

AUF­MOT­ZEN. Da hüh­ner flucht­tie­re sind, die den Au­ßen­be­reich nur dann ent­spannt nut­zen kön­nen, wenn sie Ver­steck­mög­lich­kei­ten vor­fin­den, pflanz­te ge­rald grimps ge­nü­gend Bäu­me. Auch der Stall wur­de nach neu­es­ten ge­sichts­punk­ten ge­baut. So wird et­wa die fut­ter- und Was­ser­auf­nah­me der Tie­re pe­ni­bel ge­nau auf­ge­zeich­net. „im Bio-be­reich steht das Tier­wohl an obers­ter Stel­le und wenn es hüh­nern nicht gut geht, dann er­kennt man das so­fort, weil sie das fres­sen und Trin­ken ein­stel­len“, er­klärt der Bauer die­se maß­nah­me. „So kann ich dann so­fort re­agie­ren.“Auch ei­ne Be­feuch­tungs­an­la­ge ließ grimps in den Stall ein­bau­en, da­mit auch im hoch­som­mer ei­ne Tem­pe­ra­tur von 26 grad ge­hal­ten wer­den kann – hüh­ner sind näm­lich sehr hit­ze­emp­find­lich.

„Al­les, was wir un­se­ren Tie­ren füt­tern und auf un­se­ren Feldern aus­brin­gen, ge­langt wie­der an uns zu­rück. Des­we­gen war für mich Bio die ein­zi­ge Al­ter­na­ti­ve.“

Ge­rald Grimps, Bio-bauer

EIN­LE­BEN. Und so le­ben nun zwei her­den mit le­ge­hen­nen in jul­bach. Die ei­ne be­steht aus den be­kann­ten brau­nen le­ge­hen­nen. in der an­de­ren tra­gen die Tie­re ein creme­far­be­nes fe­der­kleid. Wenn al­les gut geht, dann wer­den sie in Ös­ter­reich künf­tig im­mer­häu­fi­ger zu­se­hen sein. „Bei mir lebt die ers­te her­de von ,San­dy loh­mann’“, er­zählt der Bio-bauer. „Es han­delt sich da­bei um ein so­ge­nann­tes Zwei­nut­zungs­huhn.“kurz zur Vor­ge­schich­te: für die land­wirt­schaft sind nur weib­li­che Tie­re in­ter­es­sant. Da­her ist es üb­lich, häh­ne gleich nach dem Schlupf zu tö­ten – ei­ne un­trag­ba­re Si­tua­ti­on. Die Tier­schutz­or­ga­ni­sa­ti­on „Vier Pfo­ten“und das Bio-la­bel „ja na­tür­lich“be­schlos­sen, ge­mein­sam mit der Brü­te­rei Schlier­bach ge­gen die­se me­tho-

de an­zu­kämp­fen, in­dem sie im Bi­o­Be­reich die Zwei­nut­zungs­hüh­ner wie­der ein­füh­ren woll­ten. Ein kampf, der sich lohn­te ( mehr da­zu le­sen Sie auf Sei­te 42). Und nun pick­te die ers­te her­de „San­dy loh­mann“auf ge­rald grimps hof. „mir tau­gen die­se hen­nen, sie sind viel vor­sich­ti­ger und schlau­er“, sagt der Bio-bauer. „Und ih­re le­ge­leis­tung lässt auch in so hei­ßen Som­mer, wie wir heu­er ei­nen hat­ten, nicht stark nach.“

Apro­pos: Die Eier un­ter­schei­den sich op­tisch von an­de­ren Bio-ei­ern. Sie sind nicht braun, son­dern creme­far­ben, wie das ge­fie­der der hen­nen. Viel­leicht sind sie auch ei­ne Spur klei­ner, ih­re Qua­li­tät aber un­ter- schei­det sich kei­nes­falls von her­kömm­li­chen Bio-ei­ern. „Dar­auf kann man sich bei Bio ver­las­sen“, be­stä­tigt ge­rald grimps und lacht. „Auch wenn die Bio-eier ir­gend­wann nicht mehr rund, son­dern eckig sein soll­ten, sind sie im­mer noch hun­dert mal bes­ser als Eier aus kä­fig­hal­tung.“-

Die Ras­se „San­dy Loh­mann“gilt als ro­bust und agil – und sie sind vor­sich­ti­ger, wie Ge­rald Grimps fest­stell­te

Zehn Qua­drat­me­ter Platz hat je­des Huhn. Da­mit die Nes­ter weich sind, wer­den Din­kels­pel­zen ein­ge­setzt

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