Na­tür­li­che Ge­schmacks­ver­stär­ker

Sie wür­zen aus­ge­zeich­net und kön­nen das Wohl­be­fin­den po­si­tiv be­ein­flus­sen. Die Volks­me­di­zin ver­traut seit Jahr­hun­der­ten auf die Kraft von Kräu­tern.

Kurier_Natuerlich Leben - - INHALT - DO­RO­THE RAI­NER

Die Wir­kung von Kräu­tern in Kü­che und Me­di­zin

Sie sind das i-tüp­fel­chen ei­nes je­den Ge­rich­tes, ver­zau­bern mit ih­ren Aro­men den Gau­men und ver­lei­hen den Spei­sen meist erst den rich­ti­gen Kick. Kräu­ter sind aus der Kü­che nicht mehr weg­zu­den­ken. Aber ne­ben der ge­schmack­li­chen Kom­po­nen­te kön­nen Pe­ter­si­lie, Sal­bei, Ros­ma­rin und Co. noch viel mehr, zum ei­nen das Wohl­be­fin­den stei­gern und als Phy­to­phar­ma­ka ge­gen di­ver­se Krank­hei­ten ein­ge­setzt wer­den.

„Grund­sätz­lich gilt es, zwi­schen fri­schen Kräu­tern, Ge­wür­zen und Arz­neidro­gen zu un­ter­schei­den“, so die Phar­ma­ko­gnos­tin Bri­git­te Kopp. „Je­de Pflan­ze stellt für sich näm­lich ein Viel­kom­po­nen­ten­ge­misch dar, das aus Tau­sen­den ver­schie­de­nen Sub­stan­zen be­ste­hen kann. Bei den Kü­chen­kräu­tern in Form ei­ner wohl­tu­en­den Wir­kung, bei Heil­pflan­zen, so­fern sie rich­tig auf­be­rei­tet wer­den, ha­ben sie phar­ma­ko­lo­gi­sche Wir­kun­gen und Wirk­sam­keit“, er­klärt die Wis­sen­schaf­te­rin.

MUND­PRO­PA­GAN­DA. Schrift­li­che Auf­zeich­nun­gen über den Ein­satz von Heil­pflan­zen ge­hen bis 3000 vor Chris­tus zu­rück. Die Men­schen wuss­ten schon früh um die heilende Wir­kung so man­chen Blüm­chens am We­ges­rand, die ge­sam­te Volks­me­di­zin be­ruht auf dem Sam­meln von Heil­kräu­tern. „Krank­hei­ten wur­den bis ins 19. Jahr­hun­dert aus­schließ­lich mit Pflan­zen be­han­delt“, so Kopp. Vor al­lem Heil­kun­di­ge wuss­ten Be­scheid, sie kann­ten die Pflan­zen, wuss­ten sie zu kon­ser­vie­ren und kann­ten die rich­ti­gen An­wen­dungs­ge­bie­te.

Die Kennt­nis um die Pflan­zen­heil­kun­de wur­de von Ge­ne­ra­ti­on zu Ge­ne­ra­ti­on wei­ter­ge­ge­ben und fand durch den Buch­druck im 15. Jahr­hun­dert ei­ne wei­te Ver­brei­tung. Bis heu­te wer­den Heil­pflan­zen und dar­aus her­ge­stell­te Phy­to­phar­ma­ka er­folg­reich ein­ge­setzt, nicht nur in der TCM, son­dern auch in der west­li­chen Me­di­zin.

RE­NAIS­SANCE . Im Ge­gen­satz zu der hei­len­den Wir­kun­gist­die Ge­schich­te der Kräu­ter zur Ver­fei­ne­rung von Spei­sen noch re­la­tiv jung. Vie­le der von uns ver­wen­de­ten Kräu­ter ka­men aus dem Mit­tel­meer­raum über die Al­pen. Zu­erst in den Klos­ter­gär­ten zu Heil­zwe­cken ver­wen­det und do­ku­men­tiert, hiel­ten sie ganz ne­ben­bei im­mer mehr auch als Ge­würz­kräu­ter Ein­zug in die Kü­chen.

Rund 400 hei­mi­sche Pflan­zen sind be­kannt, die tra­di­tio­nell Ver­wen­dung fin­den. Ein klei­ner Teil da­von kommt in der Kü­che zum Ein­satz. Frisch ent­fal­ten sie ihr gan­zes Aro­ma und ih­re wohl­tu­en­de Wir­kung. Neue Stu­di­en ha­ben ge­zeigt, dass ge­ra­de die Mi­schung von se­kun­dä­ren Pflan­zen­stof­fen, vor al­lem äthe­ri­schen Öle und Vit­ami­nen, die Bio­ver­füg­bar­keit aus­macht. Man soll­te die Kräu­ter zu­dem bes­ser klein zup­fen als schnei­den, denn so blei­ben wert­ge­ben­de Ver­bin­dun­gen bes­ser er­hal­ten. Wer ei­nen Kräu­ter­gar­ten in den ei­ge­nen vier Wän­den an­le­gen möch­te, soll­te sich ei­nen hel­len, aber nicht zu son­ni­gen Ort su­chen und bei der Aus­wahl dar­auf ach­ten, dass die Kräu­ter Raum­tem­pe­ra­tur ver­tra­gen, wie et­wa Ore­ga­no, Me­lis­se, Ker­bel und Ba­si­li­kum.

„Ei­ne Heil­pflan­ze ist ei­ne Pflan­ze, die we­gen ih­res Ge­halts an Wirk­stof­fen zu Heil­zwe­cken bzw. zur Lin­de­rung von Krank­hei­ten ver­wen­det wer­den kann.“

Bri­git­te Kopp, Phar­ma­ko­gnos­tin an der Uni Wi­en

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