Das Glück liegt auf der Wie­se

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War­um He­u­milch­kü­he ide­al ge­hal­ten wer­den

Seit Jah­ren setzt sich der Schwei­zer Bio-bauer Mar­tin Ott da­für ein, die Hal­tung von Milch­kü­hen grund­le­gend zu ver­än­dern. Im Interview er­zählt er war­um.

Sie wer­den als gut­mü­tig, glub­sch­äu­gig und meist als dumm an­ge­se­hen. Doch Kü­he sind hoch­kom­ple­xe Tie­re. Mar­tin Ott ist ein Schwei­zer Bio-bauer, So­zi­al­the­ra­peut und Au­tor. Seit Lan­gem be­schäf­tigt er sich mit dem Ver­hal­ten von Kü­hen. Im Interview bricht er ei­ne Lan­ze für die sei­ner Mei­nung nach ver­kann­tes­ten Nutz­tie­re der Welt.

Wo­her stammt die Fas­zi­na­ti­on für Kü­he?

Mar­tin Ott: Ich ha­be 30 Jah­re lang als Milch­bau­er ge­ar­bei­tet. Mein Ziel war im­mer, den Tie­ren ge­recht zu wer­den und sie ge­sund zu er­hal­ten. Da ist es na­he­lie­gend, dass man sich mit ih­rem We­sen be­schäf­tigt.

Wel­chen Stel­len­wert hat die Kuh heu­te für die Mensch­heit?

Die Rol­le zur Kuh ist lei­der am­bi­va­lent. Wir sper­ren die Tie­re in Stäl­le, neh­men ih­nen die Hör­ner und da­mit die Mög­lich­keit der Kom­mu­ni­ka­ti­on, wir las­sen sie ih­re müt­ter­li­che Art nicht mehr aus­le­ben und füt­tern sie falsch, um sie zu noch mehr Leis­tung zu brin­gen. Kurz: Wir kor­rum­pie­ren die Kuh. Und den­noch kom­pen­siert sie al­les, was ihr

an­ge­tan wird. Das Ein­zi­ge, was sie tut, ist, dass sie nicht mehr alt wird. Da­bei ver­dan­ken wir ihr viel: Das Ge­schenk der Kü­he an die Men­schen war, dass wir durch sie sess­haft wer­den konn­ten. Kü­he sind die ein­zi­gen Tie­re, die – ver­zei­hen Sie die Wor­te – an ei­nem Ort fres­sen und schei­ßen kön­nen und den Bo­den da­bei ver­bes­sern. Sie ha­ben be­wirkt, dass der Mensch Acker­bau be­trei­ben kann.

Wo liegt Ih­rer Mei­nung nach der größ­te Feh­ler in der Hal­tung?

Die gan­ze Hal­tung ist frag­wür­dig. Ei­ne Kuh be­kommt 2,5 Ton­nen Ge­trei­de im Jahr ge­füt­tert. Mit die­ser Men­ge könn­te man fünf Men­schen er­näh­ren. Mit ih­rer Milch kann man ei­nen Men­schen er­näh­ren. Das Tier ver­nich­tet al­so das Es­sen von vier Men­schen – Le­bens­mit­tel, die es nur in­ef­fi­zi­ent ver­dau­en kann. Le­bens­mit­tel, die da­zu füh­ren, dass die Kü­he un­se­re Um­welt tot pup­sen. Wer­den sie mit Gras ge­füt­tert, wie von der Na­tur vor­ge­se­hen, trägt ihr Kot zum Hu­mus­auf­bau und so­mit zur Bin­dung von CO2 im Bo­den bei. Acker­bau für Kü­he zu be­trei­ben ist al­so ab­so­lu­ter Irr­sinn. Re­gen­wäl­der wer­den ge­ro­det, um die nö­ti­gen Flä­chen zu schaf­fen. Und was ist das Er­geb­nis? Mehr Milch pro Tier, sin­ken­de Milch­prei­se. Es ist Wahn­sinn, dass ein Li­ter Li­mo­na­de mehr kos­tet als ein Li­ter Milch. Hier for­de­re ich von tik ein kla­res Stopp. Kü­hen die Wie­sen zu

„Als Bauer muss man Lie­be zur Na­tur und den Tie­ren emp­fin­den. Al­les an­de­re wä­ren fal­sche Vor­aus­set­zun­gen.“

Mar­tin Ott, Bio-bauer und Au­tor

Wie­sen sind phy­sio­lo­gisch ge­se­hen die idea­le Nah­rungs­quel­le für Kü­he

Mar­tin Ott ist Bio-land­wirt aus

Lei­den­schaft

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