Al­les in Hand­ar­beit

Kurier_Natuerlich Leben - - INHALT - DO­RO­THE RAI­NER

Über den Ar­beits­auf­wand im Bio-ge­mü­se­an­bau

In­ge Rom­mer hat ih­re Land­wirt­schaft vor zehn jah­ren auf Bio um­ge­stellt und ist froh dar­über, auch wenn der Ar­beits­auf­wand mehr ge­wor­den ist.

Die heu­ri­ge Kür­bi­s­ern­te ist seit ei­ni­gen Wo­chen ein­ge­bracht. Das Er­geb­nis ist nicht ganz so er­trag­reich aus­ge­fal­len, wie ge­wünscht. „Durch­diegro­ße­hit­ze sind die Früch­te eher klein ge­blie­ben und das hat sich na­tür­lich auch auf den Er­trag aus­ge­wirkt“, er­klärt Bio­Bäue­rin In­ge Rom­mer. Un­zu­frie­den ist sie mit dem Er­geb­nis aber nicht, weil die Qua­li­tät der Früch­te stimmt: kräf­ti­ges Frucht­fleisch mit ei­nem fein-nus­si­gen Ge­schmack.

Seit Ge­ne­ra­tio­nen ist der Hof in Frau­en­kir­chen in der Na­tio­nal­park­Re­gi­on Neu­sied­ler See – See­win­kel schon in Fa­mi­li­en­hand. Vor zehn Jah­ren fiel dann der Ent­schluss, die Land­wirt­schaft ganz auf Bio um­zu­stel­len. „Man geht an­ders – scho­nen­der – mit Tie­ren, Um­welt und Pflan­zen um. Das macht für mich Sinn und es kommt uns al­len zu Gu­te“, er­klärt die 53-Jäh­ri­ge ihr Mo­tiv. Den An­fang mach­ten 2005 die Kar­tof­fel, erst spä­ter folg­te dann der Bio-kür­bis.

Von Be­ginn an hat die Fa­mi­lie zu­sam­men­ge­hol­fen, Mann Jo­hann und die bei­den Töch­ter Ca­ri­na und Ju­lia un­ter­stüt­zen die Mut­ter, so gut es geht. Aber die äl­tes­te, Ca­ri­na, ist schon au­ßer Haus und Ju­lia macht nächs­tes Jahr die Ma­tu­ra. In­ge Rom­mer selbst ist Ne­ben­er­werbs­bäue­rin, ta­ge­wei­se ar­bei­tet sie noch in ei­nem Bü­ro. Frei­zeit oder gar Lan­ge­wei­le kennt die sym­pa­thi­sche Bur­gen­län­de­rin nicht. Tref­fen tut sich die Fa­mi­lie meist bei der Ar­beit oder amess­tisch. „Es ist im­mer was zu tun, am Hof, auf den Feldern und in mei­nem Hof­la­den.“Der ist der ganz Stolz der Bäue­rin, denn schon seit 20 Jah­ren wird dort ab­hof­ver­kauft, wa­s­auf den ei­ge­nen Fel­der wächst: Ge­trei­de, Hir­se, Lin­sen, Mais, Spei­se­kar­tof­fel und eben die Kür­bis­se.

DAS IST BIO. Wer in Ös­ter­reich ei­nen zer­ti­fi­zier­ten Bio-be­trieb führt, muss sich an stren­ge Auf­la­gen hal­ten und mit stän­di­gen Kon­trol­len rech­nen. Zu den wich­tigs­ten Re­geln ge­hört es, kei­nen künst­li­chen Dün­ger zu ver­wen­den und kei­ne che­misch-syn­the­ti­sche Spritz­mit­tel ein­zu­set­zen. Vom Auf­wand her ist das na­tür­lich ein gro­ßer Un­ter­schied zum kon­ven­tio­nel­len An­bau. „Wir müs­sen das gan­ze Un­kraut von Hand ha­cken“, er­zählt die Bäue­rin. Auf dem 5,5 Hekt­ar gro­ßen Kür­bis­feld be­deu­tet das vie­le St­un­den har­te Ar­beit in ge­bück­ter Hal­tung – ei­ne kör­per­li­che Stra­pa­ze, doch trotz der Mü­hen hat In­ge Rom­mer es noch kei- nen Ta­ge be­reut, auf Bio ge­setzt zu ha­ben: „Ich schät­ze den na­tür­li­chen Um­gang mit den Le­bens­mit­teln.“

Beim Dün­gen setzt man in der Bio-land­wirt­schaft statt auf Che­mie lie­ber auf ei­ne ab­wechs­lungs­rei­che Frucht­fol­ge, denn­so­wird das Aus­wa­schen des Bo­dens ver­hin­dert. „Durch die Zwi­schen­be­grü­nung kom­men neue fri­sche Nähr­stof­fe in den Bo­den, die dann für die Haupt­kul­tur, den Hok­kai­do, zur Ver­fü­gung ste­hen“, klärt uns die en­ga­gier­te Land­wir­tin auf. Für den Hok­kai­do hat sie sich üb­ri­gens ent­schie­den, weil er „so ei­nen leicht nus­si­gen Ge­schmack hat und sich für al­le Ge­rich­te eig­net.“

Der Kür­bis ist ein so­li­des und ei­gent­lich un­kom­pli­zier­tes Ge­mü­se. En­de April wird aus­ge­sät, ab An­fang Au­gust ge­ern­tet. Durch die gro­ße und lan­ge Hit­ze muss­te heu­er zu­sätz­lich be­reg­net wer­den und dann das viel Un­kraut ... Ge­ern­tet wird bis Mit­te En­de Sep­tem­ber und auch hier do­mi­niert die Hand­ar­beit den Pro­zess: Der Kür­bis wird auf dem Feld ab­ge­schnit­ten, in gro­ße Kis­ten ge­legt und nach Hau­se ge­bracht, wo er erst ein­mal ge­wa­schen und dann für den Wei­ter­trans­port ver­packt wird. Den Rom­mer’schen Kür­bis gibt es im Hof­la­den zu kau­fen, Haupt­ab­neh­mer des Bio-kür­bis ist aber die Mar­ke „Ja! Na­tür­lich“, die auf die Land­wir­tin zu­ge­kom­men ist, nach­dem­sie auf Bio um­ge­stellt hat­te.

LIE­BE & LEI­DEN­SCHAFT. Es braucht schon viel En­ga­ge­ment und Lei­den­schaft zum Tun, um den Kraft­akt je­des Jahr wie­der aufs Neue zu be­wäl­ti­gen. Des Gel­des we­gen tut’s kei­ner, viel­mehr ist es die Lie­be zur Na­tur, zur Land­wirt­schaft un­d­viel­leicht ist es so­gar ei­ne Be­ru­fung. Wenn man In­ge Rom­mer fragt, was sie sich von der Zu­kunft wünscht, ant­wor­tet sie nach ei­ner kur­zen Nach­denk­pau­se: „Das es für mich ins­ge­samt ein bis­serl we­ni­ger stres­sig wird.“

Es gibt vie­le Ta­ge, wo sie nach dem Bü­ro noch auf dem Feld steht und erst um 22 Uhr ins Haus kommt. Der Som­mer­ur­laub wird so ge­legt, dass er mit der Ern­te zu­sam­men­fällt, sonst gin­ge sich das nicht aus. Im Win­ter ist es ru­hi­ger, aber Bauer ist man ganz­jäh­rig. Lan­ge Ur­lau­be kennt die 53-Jäh­ri­ge nicht, wenn, dann gönnt sie sich im Win­ter ein paar Ta­ge in ei­ner Ther­me oder ab und an ei­nen Städ­te­flug. Aber erst „wenn am Hof al­les er­le­digt ist, denn vor­her kann ich mich nicht ent­span­nen.“-

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