Ein gu­tes Ru­he­kis­sen

Kurier_Natuerlich Leben - - INHALT - ANDREA KRIE­GER

Was Öko-tou­ris­mus aus­macht

Um­welt­be­wuss­ter Frem­den­ver­kehr darf heu­te ger­ne auch be­quem, lu­xu­ri­ös und mon­dän sein. Das Ko­pen­ha­ge­ner 4-Stern-ho­tel „Ac­bel­la Sky“et­wa zieht auch die Ar­chi­tek­tur- und De­si­gn­Lieb­ha­ber un­ter den Ener­gie­sparFans an. Im ur­bans­ten Wi­en wie­der­um war das Ho­tel Stadt­hal­le ein Vor­rei­ter in Sa­chen öko­lo­gi­scher Tou­ris­mus und hat da­für vie­le Aus­zeich­nun­gen ein­ge­heimst. Der Neu­bau­Teil deckt sei­nen Ener­gie­be­darf kom­plett aus ei­ge­ner Kraft. Ge­heizt wird mit­tels Grund­was­ser aus dem Brun­nen und der Wär­me­pum­pe, der Strom kommt von den So­lar­pa­nee­len auf der Breit­sei­te des Hau­ses.

Im Ide­al­fall geht es beim nach­hal­ti­gen Rei­sen nicht nur um Ener­gie­und Was­ser­spa­ren, Ab­fall­ver­mei­dung bzw. den scho­nen­den Um­gang mit na­tür­li­chen Res­sour­cen: „Wich­tig ist auch, dass die lokale Wirt­schaft da­durch ge­stärkt wird, die Löh­ne und Ar­beits­be­din­gun­gen im Frem­den­ver­kehr pas­sen und kei­ne Kin­der­ar­beit statt­fin­det“, sagt Cor­ne­lia Küh­has von der Or­ga­ni­sa­ti­on „Na­tur­freu­de In­ter­na­tio­nal.“

JE­DE MEN­GE LA­BELS. Be­reits je­der ne­un­te Kun­de fragt im Rei­se­bü­ro nach Öko-an­ge­bo­ten. Auch an Gü­te­sie­geln fehlt es nicht. Zer­ti­fi­ziert wer­den ne­ben Ho­tels längst auch Pau­schal­rei­sen, Rei­se­bü­ros und Cam­ping­plät­ze. Ein Bei­spiel für letz­te­res ist Cam­ping Koren im slo­we­ni­schen Soča-tal. Das Warm­was­ser kommt dort groß­teils aus Son­nen­kol­lek­to­ren. Im Le­bens­mit­tel­ge­schäft gibt es Bio-pro­duk­te, in klei­nen grü­nen Bee­ten wächst Grün­zeug für die Selbst­ver­sor­gung der Gäs­te, die in Zel­ten und Wohn­wä­gen, auch in öko­lo­gi­schen Holz­häu­sern schla­fen kön­nen. Cam­ping Koren trägt das of­fi­zi­el­le Eu-zer­ti­fi­kat „Eu­ro­pean Ecola­bel.“

Das welt­weit ers­te die­ser La­bels war al­ler­dings das „ös­ter­rei­chi­sche Um­welt­zei­chen“des Um­welt­mi­nis­te­ri­ums. Was aber macht ein gu­tes La­bel aus? Küh­has: „Wer das Zei­chen ver­gibt, spielt ei­ne gro­ße Rol­le: Ei­ne staat­li­che Stel­le ist bes­ser als ein re­gio­na­ler Tou­ris­mus­ver­band.“Nur wer die höchs­ten Stan­dards hat, be­kommt auch die An­er­ken­nung des Glo­bal Sustaina­bi­li­ty Coun­cil (Glo­ba­ler Rat für nach­hal­ti­gen Tou­ris­mus). Küh­has: „Dann wird auch die so­zia­le Di­men­si­on der Nach­hal­tig­keit voll­stän­dig be­rück­sich­tigt und die höchs­ten Kon­troll­stan­dards wer­den ein­ge­hal­ten.“Bei Rei­sen in Ent­wick­lungs­län­der ist das be­son­ders wich­tig.

AUS­GLEICHS­ZAH­LUNG. La­bel hin oder her, das größ­te Co2-pro­blem

ist oft der Luft­weg ans Ziel. Langstre­cken­flie­ger sor­gen durch die gro­ßen Flug­hö­hen für ei­nen zu­sätz­li­chen Treib­haus­ef­fekt. Pas­sio­nier­te Fern­rei­sen­de kön­nen sich im­mer­hin ein bes­se­res Ge­wis­sen kau­fen: Über so­ge­nann­te Kom­pen­sa­ti­ons­agen­tu­ren lässt sich im Aus­maß der in­di­vi­du­el­len Flu­ge­mis­sio­nen für Um­welt­pro­jek­te spen­den. Was zehn Pro­zent der Rei­se­bü­ro­kun­den, al­ler­dings haupt­säch­lich Ge­schäfts­rei­sen­de, mitt­ler­wei­le tun. Ur­lau­bern rät Ex­per­tin Kühas der Um­welt zu­lie­be zu „län­ge­ren und da­für sel­te­ne­ren Fern­rei­sen.“

KLU­GE KO­OPE­RA­TIO­NEN. Die nach­hal­tigs­ten Ur­laubs­re­gio­nen rankt der „Et­hi­cal Tra­vel Award“. 2015 ge­wann der In­sel­staat Cap Ver­de. In­seln schnei­den oft gut ab, sind sie doch vom Kli­ma­wan­del be­son­ders be­trof­fen. Hier­zu­lan­de gibt es eben­falls ein­zel­ne Land­stri­che, die als Gan­zes Öko-tou­ris­mus be­trei­ben, das Piel­ach­tal im Most­vier­tel et­wa. An­de­re, wei­ter ent­fern­te Or­te ha­ben sich zu ei­ner Mar­ke zu­sam­men­ge­schlos­sen, et­wa die 21 „Berg­stei­ger­dör­fer“oder die „Al­pi­ne Pe­arls“, ei­ne Ko­ope­ra­ti­on von 27 al­pi­nen Fe­ri­en­re­gio­nen in Ös­ter­reich, Deutsch­land, Ita­li­en und der Schweiz. Ob man übe­r­all hun­dert Pro­zent Bi­oVer­pfle­gung be­kommt, ist nicht ge­sagt. Da­für bürgt das La­bel „Bio­ho­tels“, das et­wa der Gral­hof am Kärnt­ner Wei­ßen­see trägt. -

Das Ho­tel „AC Bel­la Sky“in Ko­pen­ha­gen be­geis­tert Ök­ound De­sign-fans glei­cher­ma­ßen

Oben und Mit­te: Das Ho­tel Gral­hof in Kärn­ten trägt das Sie­gel „Bio­ho­tel“. Un­ten: Das Ho­tel Stadt­hal­le ist ein Vor­rei­ter in Sa­chen öko­lo­gi­scher Tou­ris­mus und hat da­für vie­le Aus­zeich­nun­gen ein­ge­heimst

Cam­ping Koren, Slo­we­ni­en, ist ein res­sour­cen­scho­nen­des Vor­zei­ge­pro­jekt

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