Ge­leb­te Viel­falt

Über das dies­jäh­ri­ge Mot­to der UN, die Wich­tig­keit von bio­lo­gi­scher Viel­falt und cha­rak­te­ris­ti­sche Sor­ten­bil­der.

Kurier_Natuerlich Leben - - INHALT - BAR­BA­RA STIE­GER

Die Ar­che Noah im Kampf ge­gen den Ein­heits­brei

Bio war nicht im­mer po­pu­lär. Das war noch so, als der Ver­ein Ar­che Noah vor 25 Jah­ren ge­grün­det wur­de. Da­mals hat­te man für An­hän­ger ei­ner öko­lo­gisch nach­hal­ti­gen Le­bens­wei­se we­nig schmei­cheln­de Aus­drü­cke wie „Körndlfres­ser“oder „Öko-fuz­zi“schnell pa­rat. Seit­her hat sich sehr viel ver­än­dert. Bio ist in, in al­ler Mun­de und geht weit über die Sor­ten­viel­falt für den Spei­se­plan hin­aus.

Es ist vor al­lem auch ein Po­li­ti­kum ge­wor­den. Das Jahr 2015 stell­te auch die Un­un­ter das The­ma „Bio­lo­gi­sche Viel­falt für ei­ne na­tür­li­che Ent­wick­lung“. Ein wich­ti­ger und rich­ti­ger Schritt ist das für Ar­che Noah Ge­schäfts­füh­re­rin Beate Kol­ler. „Nutz­pflan­zen, die viel­fäl­tig an lokale Kli­ma- und Bo­den­be­din­gun­gen an­ge­passt sind und auch oh­ne mas­si­ve che­mi­sche In­puts sta­bi­le Be­trä­ge lie­fern, sind für die Er­näh­rung der Welt­be­völ­ke­rung es­sen­zi­ell. Das Saat­gut muss für die Bau­ern und Bäue­rin­nen ver­füg­bar und an­pas­sungs­fä­hig sein. Mo­no­po­li­sie­rung der na­tür­li­chen Res­sour­cen und die Fol­gen des Kli­ma­wan­dels be­dro­hen ja ge­ra­de die ärms­ten Län­der der Er­de am stärks­ten“, so Kol­ler.

Ge­nau in die­sen Tei­len der Er­de ist ei­ne nicht pri­va­ti­sier­te Kul­tur­pflan­zen­viel­falt oft ge­ra­de­zu ei­ne Art Le­bens­ver­si­che­rung. Zu­dem kommt, dass auf­grund der sich stän­dig än­dern­den Kli­ma­be­din­gun­gen und den da­mit ein­her­ge­hen­den Aus- wir­kun­gen auf die Bo­den­be­schaf­fen­heit nie­mand ge­nau weiß, wel­chen An­for­de­run­gen Kul­tur­pflan­zen in Zu­kunft ge­wach­sen sein müs­sen. „Was wir wis­sen, ist, dass wir schon mit­ten in die­sen Ve­rän­de­run­gen ste­hen. Wir brau­chen lo­kal an­ge­pass­te und an­pas­sungs­fä­hi­ge, bei­spiels­wei­se tro­cken­heits­re­sis­ten­te, Hit­ze ver­träg­li­che Ge­mü­se und Feld­früch­te und wol­len in die­ser Ab­si­che­rung auch nicht von den Leis­tun­gen der Agrar­kon­zer­ne gänz­lich ab­hän­gig sein.“

Des­halb ist man beim Ver­ein mehr als glück­lich, dass die ge­plan­te Eu-saat­gut­ver­ord­nung vo­ri­ges Jahr erst ein­mal be­gra­ben wur­de. Kri­ti­ker hat­ten schon mo­niert, dass be­reits der­zeit in Eu­ro­pa nur fünf Kon­zer­ne 95 Pro­zent des Ge­mü­se­saat­guts kon­trol­lie­ren.

SAAT­GUT UND SOR­TEN. Geht es nach der Ar­che Noah, kann es gar nicht ge­nug Viel­falt ge­ben, und so ar­bei­ten sie un­er­müd­lich in ei­nem rie­si­gen Netz­werk mit Bio-be­trie­ben an der Wei­ter­ent­wick­lung. In Ab­stim­mung­mit dem Sa­men­ar­chiv und an­de­ren Pro­jekt­part­nern wer­den be­stimm­te Pflan­zen auf Feldern an­ge­baut. Aus­ge­wählt wer­den die­se nach Merk­ma­len wie Ro­bust­heit, Ge­schmack oder Far­be. So ge­lingt es, über Jah­re cha­rak­te­ris­ti­sche Sor­ten­bil­der zu ent­wi­ckeln und zu stär­ken. Der­zeit gilt das Haupt­au­gen­merk Pa­ra­dei­sern, Boh­nen, Kür­bis­sen und Pa­pri­ka. Auch sel­te­ne Kul­tu­ren wie die Ker­bel­rü­be oder die Ra­pun­zel­g­lo­cken­blu­me sol­len wie­der­be­lebt wer­den. „Es ist no­chu­n­end­lich­viel zu tun. Wir ver­su­chen, im Rah­men der Mög­lich­kei­ten ei­nen Schritt nach dem an­de­ren zu ge­hen“, so Kol­ler.

Ei­ne auf­wen­di­ge Ar­beit, die je­doch auch im vo­ri­gen Jahr ge­wür­digt wur­de. Kürz­lich wur­den im ArcheNoah-schau­gar­ten in Schil­tern neun Tra­di­tio­nen in das ös­ter­rei­chi­sche Ver­zeich­nis des im­ma­te­ri­el­len Kul­tur­er­bes auf­ge­nom­men,

„Nutz­pflan­zen, die an lokale Be­din­gun­gen an­ge­passt sind, sind für die Er­näh­rung der Welt­be­völ­ke­rung es­sen­zi­ell.“

Beate Kol­ler, Ge­schäfts­füh­re­rin Ar­che Noah

dar­un­ter das vom Ver­ein ein­ge­reich­te Ele­ment „Tra­di­tio­nel­ler Sa­men­bau und Saat­gut­ge­win­nung“. Die tra­di­tio­nel­le Saat­gut­ge­win­nung ist ei­ne kul­tu­rel­le Tä­tig­keit mit jahr­tau­sen­de­al­ten Wur­zeln, die ei­ne im­men­se Viel­falt an Kul­tur­pflan­zen und ei­nen gro­ßen Reich­tum an Kul­tur-tech­ni­ken her­vor­brach­te.

Im Schau­gar­ten

Im Schau­gar­ten in Schil­tern kann man sich vom Er­folg über­zeu­gen. Hier wird Tra­di­ti­on mit Neu­em ver­bun­den. Fast ver­lo­ren ge­gan­ge­ne Kul­tur­pflan­zen wer­den wie­der le­ben­dig, ver­mehrt, vor dem Aus­ster­ben be­wahrt und wei­ter­ent­wi­ckelt. In dem al­ten Schloss­gar­ten sind die ba­ro­cken Struk­tu­ren weit­ge­hend er­hal­ten und ge­hen mit den his­to­ri­schen Pflan­zen ei­ne be­son­ders har­mo­ni­sche Ver­bin­dung ein. Was hier und dort wie hoch­ge­schos­se­nes Un­kraut aus­sieht, ist in Wahr­heit ei­ne sel­te­ne Spi­nat- oder ei­ne al­te Pas­ti­na­ken­sor­te, die ge­ra­de ab­blüht und von der wie­der Saat­gut ge­won­nen wird. Im Schau­gar­ten wer­den Pflan­zen und Sor­ten eben ge­zielt zur Saat­gut­ge­win­nung an­ge­baut. Die Grün­dung der Samm­lung und des Schau­gar­tens zählt zu den Mei­len­stei­nen in der Ge­schich­te des Ver­eins und wird auch in Zu­kunft ei­nen we­sent­li­chen Be­stand­teil der Ar­beit aus­ma­chen. „Wich­tig ist, noch mehr Men­schen in die prak­ti­sche Sor­ten­er­hal­tung ein­zu­bin­den. Noch stär­ker auf in­ter­na­tio­na­ler Ebe­ne zu ko­ope­rie­ren. Sor­ten­viel­falt nicht nur zu er­hal­ten, son­dern auch an heu­ti­ge An­bau­be­din­gun­gen an­zu­pas­sen, da­mit es in Zu­kunft noch mehr Viel­falts­pro­duk­te am­markt­gibt“, meint Kol­ler. In Bio-qua­li­tät selbst­ver­ständ­lich, da­von kön­nen sich In­ter­es­sier­te im Schau­gar­ten in Schil­tern je­der­zeit über­zeu­gen. Und das auch gleich mit ei­nem Ge­schmacks­er­leb­nis der be­son­de­ren Art ver­bin­den.

REI­CHE AUS­WAHL. Jetzt im Herbst sind vor al­lem zahl­rei­che Sa­men­trä­ger zu se­hen, et­wa blü­hen­de Pas­ti­na­ken, Sa­la­te oder Schwarz­wur­zeln. Auch Exo­ten wie bei­spiels­wei­se die Erd­man­del oder Me­lothria, ein Kür­bis­ge­wächs, fin­den hier Platz.

Wer auf den Ge­schmack kommt, kann sich im an­ge­schlos­se­nen Shop mit Sa­men, Jung­pflan­zen und Bü­chern ein­de­cken oder gleich vor Ort ver­kos­ten. In der Gar­ten­kü­che kocht Ben­ja­min Schwai­gho­fer. Er hat ku­li­na­ri­sche Er­fah­run­gen rund um den Glo­bus ge­sam­melt, mit be­son­de­rem Au­gen­merk auf die Slo­w­foo­dBe­we­gung und ver­wen­det aus­schließ­lich sai­so­na­le Pro­duk­te der Re­gi­on. Ge­nuss pur, so­zu­sa­gen. Die­se ver­eint er dann am Herd zu schmack­haf­ten, bio­lo­gi­schen Me­nüs. Das Re­zept ne­ben­an ist ein ku­li­na­ri­scher Gruß an al­le Le­ser zum Aus­pro­bie­ren.

„Wich­tig ist, noch mehr Men­schen in die prak­ti­sche Sor­ten­er­hal­tung ein­zu­bin­den.“

Beate Kol­ler, Ge­schäfts­füh­re­rin Ar­che Noah

Die Sor­ten­viel­falt zu er­hal­ten, ist Haupt­ziel der Ar­che

Noah

Pflan­zen wer­den vor dem Aus­ster­ben be­wahrt

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