Fleisch wie­der mehr wert­schät­zen

Kurier_Natuerlich Leben - - REPORTAGE -

Gut mög­lich, dass es ei­nem bei die­sen Zah­len den Ma­gen um­dreht. Welt­weit geht ein Drit­tel al­ler pro­du­zier­ten Le­bens­mit­tel am Weg von Feld und Stall auf den Tel­ler ver­lo­ren. Das sind sa­ge und schrei­be 1,3 Mil­li­ar­den Ton­nen „Food Was­te“pro Jahr. Die di­rek­ten fi­nan­zi­el­len Ein­bu­ßen durch ver­schwen­de­te Pro­duk­ti­on be­lau­fen sich da­durch auf zir­ka 565 Mil­li­ar­den Eu­ro. Rech­net man die glo­ba­len Um­welt­kos­ten wie Was­ser, Fut­ter­mit­tel und Pes­ti­zi­de auch noch hin­ein, kommt man so­gar auf die hor­ren­de Sum­me von et­wa 2,2 Bil­lio­nen Eu­ro – das be­sagt die Stu­die „Food was­ta­ge foot­print“der Er­näh­rungs- und Land­wirt­schafts­or­ga­ni­sa­ti­on der Ver­ein­ten Na­tio­nen von 2014.

Mit „Food Was­te“ist die be­trächt­li­che Ver­geu­dung von Le­bens­mit­teln und da­mit ver­bun­de­ner Res­sour­cen wie Was­ser, Ener­gie, An­bau­flä­chen ge­meint. Bern­hard Ze­het­gru­ber, Ex­per­te für nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft und Res­sour­cen bei „Global2000“re­flek­tiert: „Für die Her­stel­lung von ei­nem Ki­lo­gramm Fleisch wer­den 16.000 Li­ter Was­ser ver­braucht, für ein Ki­lo Wei­zen sind es nur 1100 Li­ter. Hoch­ge­rech­net auf das Drit­tel Le­bens­mit­tel­ver­lus­te welt­weit, ge­hen da­durch al­lei­ne 250 Mil­li­ar­den Ton­nen Was­ser ver­lo­ren. So viel Was­ser, wie in ei­nem Jahr die Wol­ga hin­un­ter rinnt. Wä­re ‚Le­bens­mit­tel­ver­schwen­dung‘ ein Land, wä­re es mit 3,3 Mil­li­ar­den Ton­nen CO2 hin­ter Chi­na und den USA auf Platz 3 der Kli­ma­sün­der.“

Ex­em­pla­risch für die Ver­schwen­dung ist der Fleisch­sek­tor, schon al­lei­ne da­durch, weil er ei­ne län­ge­re und res­sour­cen­in­ten­si­ve­re Pro­duk­ti­ons­ket­te hat. Ei­ne we­sent­li­che Lü­cke ist die Nicht­nut­zung von Schlacht­ne­ben­er­zeug­nis­sen wie In­ne­rei­en, Blut, Kno­chen, Haut­spalt für Ge­la­ti­ne oder Ge­där­me für Wur­st­über­zü­ge. Tei­le, die frü­her selbst­ver­ständ­lich ver­wer­tet wur­den. Un­se­re Li­fe­sty­le­ge­sell­schaft aber for­ciert im­mer mehr nur je­ne Fleisch­tei­le, die schnell ver­ar­beit­bar sind. Da­durch wan­dern schon bei der Schlach­tung Tau­sen­de Ton­nen in den Müll. Ze­het­gru­ber: „Be­grü­ßens­wert fin­de ich ei­ne Re­duk­ti­on des Fleisch­kon­sums. Wenn schon Fleisch, dann wä­re die kom­plet­te Ver­wen­dung sinn­voll. Stichwort: , from no­se to tail’.“Da­mit ist die Nut­zung al­ler Tier­tei­le von Kopf bis Schwanz ge­meint. Die Gas­tro­no­mie be­her­zigt das be­reits, in­dem sie in­no­va­ti­ve In­ne­rei­en-me­nüs kre­iert und da­mit Fleisch­tei­le, die in Ver­ges­sen­heit ge­ra­ten sind, un­se­ren Gau­men wie­der schmack­haft macht.

Bern­hard Ze­het­gru­ber ist Ex­per­te für nach­hal­ti­ge Land­wirt­schaft und Res­sour­cen bei „Global2000“.

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