„Oh­ne Al­men gibt es we­ni­ger Ar­ten“

Kurier_Natuerlich Leben - - ALMWIRTSCHAFT -

Wer das Wort Na­tio­nal­park hört, denkt an un­be­rühr­te Na­tur. Al­men sind aber ein wich­ti­ger Be­stand­teil der Ho­hen Tau­ern. Wie passt das zu­sam­men?

Zwei Drit­tel des Na­tio­nal­park Ho­he Tau­ern, in der so­ge­nann­ten Kern­zo­ne, ist un­be­rühr­te Na­tur. Wir ha­ben aber auch Au­ßen­zo­nen. Hier fin­det man die durch die Al­men ent­stan­de­ne Kul­tur­land­schaft vor.

Was be­deu­tet Kul­tur­land­schaft ge­nau?

Be­vor die Al­pen­tä­ler be­sie­delt wur­den, war der Wald vor­wie­gend. Der Mensch be­gann in Hand­ar­beit zu ro­den, weil er Flä­chen für die Selbst­ver­sor­gung be­nö­tig­te. Es war ein lan­ger Pro­zess. Mit der Zeit wur­de der Wald auch in den Hoch­la­gen ge­ro­det. So ent­stan­den die Al­men. Durch die Nut­zung wuch­sen die Flä­chen nie zu. Es ent­stand ei­ne für Bio­lo­gen span­nen­de Kul­tur­land­schaft. Auf den Glock­ner­wie­sen im Na­tio­nal­park wach­sen auf 25 m2 mehr als 60 un­ter­schied­li­che Pflan­zen. Auf zir­ka ei­nem Qua­drat­ki­lo­me­ter wur­den hier über 200 Blü­ten­pflan­zen und 140 ver­schie­de­ne blü­ten­be­su­chen­de In­sek­ten ge­zählt.

Wie ent­steht die­ser Ar­ten­reich­tum?

Ar­ten­viel­falt ist von vie­len Fak­to­ren ab­hän­gig, et­wa vom Bo­den, der Be­wirt­schaf­tung, der Hang­nei­gung, der Him­mels­rich­tung und des Re­liefs. In ei­ner Mul­de bleibt et­wa der Schnee län­ger lie­gen als rund­her­um. So kön­nen in ei­nem klei­nen Be­reich un­ter­schied­lichs­te Ar­ten exis­tie­ren.

Der Ar­ten­reich­tum geht zu­rück, wenn Al­men nicht mehr be­wirt­schaf­tet wer­den?

Durch ei­ne ex­ten­si­ve Be­wei­dung und die Berg-mahd blei­ben die Alm­flä­chen of­fen, es kommt Licht zum Bo­den und die Nähr­stoff­ver­sor­gung ist bes­ser. Wird ei­ne Alm nicht mehr be­wirt­schaf­tet, er­obert sich der Wald ste­tig die Flä­che zu­rück, da­mit ge­hen be­stimm­te Grä­ser und Blu­men ver­lo­ren. Der Na­tio­nal­park Ho­he Tau­ern ist Rück­zugs­ge­biet für vie­le Schmet­ter­lin­ge, ei­ni­ge Ar­ten gibt es nur hier. Vie­le Fal­ter sind sehr eng an ge­wis­se Pflan­zen ge­bun­den. Des­halb müs­sen die Al­men durch ei­ne ex­ten­si­ve Be­wirt­schaf­tung in der Au­ßen­zo­ne er­hal­ten blei­ben.

Der Na­tio­nal­park Ho­he Tau­ern ist al­so un­trenn­bar mit den Al­men ver­bun­den?

Die Al­men exis­tier­ten schon, als der Na­tio­nal­park ge­grün­det wur­de. Und ja, sie ha­ben ei­nen gro­ßen Stel­len­wert. Nicht nur we­gen des Ar­ten­reich­tums. Die Idee des Na­tio­nal­parks ist, Na­tur er­leb­bar zu ma­chen. Das Hoch­ge­bir­ge in den Kernn­zo­nen ist schwie­ri­ger zu er­wan­dern, die Al­men hin­ge­gen eig­nen sich für vie­le Ziel­grup­pen. Wich­tig ist, zu­künf­tig ei­nen Weg zu fin­den, der die In­ter­es­sen der Be­wirt­schaf­ter und des Na­tio­nal­parks un­ter ei­nen Hut bringt.

Katharina Aich­horn, Mit­ar­bei­te­rin im Na­tio­nal­park Ho­he Tau­ern Kärn­ten, über Kern- und Au­ßen­zo­nen.

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