Im Ge­spräch mit De­si­gner Hus­sein Chalayan

KURIER_PRET-A-PORTER - - Editorial - VON BRI­GIT­TE R. WINK­LER

SIE UN­TER­RICH­TEN GERA­DE DAS VIER­TE SE­MES­TER IN WI­EN. HA­BEN SIE SCHON ZEIT GE­HABT, SICH IN DER STADT UM­ZU­SCHAU­EN?

Hus­sein Chalayan: Ich ha­be gera­de zu Clau­dia, mei­ner As­sis­ten­tin, ge­sagt, dass ich mei­ne Rei­sen nach Wi­en ver­län­gern muss, um mehr von an­de­ren Aspek­ten die­ser Stadt zu se­hen und auch von Ös­ter­reich. Wenn ich nicht un­ter­rich­te, dann ver­brin­ge ich die Zeit ger­ne mit mei­nem Team. So ler­nen wir uns im­mer bes­ser ken­nen. Das ist mir wich­tig.

WAS KEN­NEN SIE TROTZ­DEM BE­REITS?

HCH: Am An­fang bin ich in die Mu­se­en ge­gan­gen. Wi­en hat ei­ne gro­ße Ver­gan­gen­heit, das ist in der Ar­chi­tek­tur, in der Li­te­ra­tur, in der Mu­sik und in der Kunst zu spü­ren. Ich in­de aber auch, dass es ei­ne sehr mo­der­ne, wiss­be­gie­ri­ge Stadt ist. Die­se Mi­schung ist wun­der­bar.

HA­BEN SIE ET­WAS ENT­DECKT, DAS SIE NICHT IN WI­EN ER­WAR­TET HÄT­TEN?

HCH: Ich ha­be mir ge­dacht, dass Wi­en ähn­lich wie deut­sche Städ­te ist. Zu mei­ner Über­ra­schung ist es das nicht – bis auf die Spra­che, wenn auch die Aus­spra­che ver­schie­den ist. Sonst gibt es gro­ße Un­ter­schie­de, ich weiß nicht, war­um. Ich ha­be er­kannt, dass die Kul­tur in ei­ner Stadt oh­ne Zu­gang zum Meer an­ders ist als bei Städ­ten am Meer. Dort mi­schen sich Kul­tu­ren mit an­de­ren Län­dern. Kul­tu­ren in Bin­nen­län­dern sind mehr iso­liert. Bei­de lö­sen ih­re Pro­ble­me auf un­ter­schied­li­che Art und das ist ein in­ter­es­san­tes Stu­di­um für mich. Aber ihr habt die Do­nau, die die Stadt be­freit und mit an­de­ren Län­dern ver­bin­det. Für mich ist es groß­ar­tig, dass die Do­nau ins Schwar­ze Meer mün­det. Die Vor­stel­lung, dass man mit dem Boot vom Schwar­zen Meer bis nach Wi­en fah­ren kann, ist ver­rückt.

WIE WAR DIE ZEIT BIS­HER MIT DEN STU­DEN­TEN?

HCH: Ich un­ter­rich­te sehr ger­ne jun­ge Leu­te. Ich möch­te ver­ste­hen, wie die neue Ge­ne­ra­ti­on denkt. Sie sind ins di­gi­ta­le Zeit­al­ter hin­ein­ge­bo­ren, wir nicht. Und ich bin fas­zi­niert von den Un­ter­schie­den. Wenn man sich mit Din­gen be­schäf­tigt, die ver­schie­den zu

ER GE­HÖRT ZU DEN KREA­TIVS­TEN MO­DE­SCHÖP­FERN DER WELT. GERA­DE AB­SOL­VIERT

HUS­SEIN CHALAYAN SEIN ZWEI­TES JAHR VON INS­GE­SAMT FÜNF ALS PRO­FES­SOR FÜR MO­DE AN DER UNI­VER­SI­TÄT FÜR AN­GE­WAND­TE KUNST

IN WI­EN.

ei­nem selbst sind, wächst man dar­an. Auch die Ver­schie­den­heit un­ter den Stu­den­ten – man­che kom­men aus Ös­ter­reich, an­de­re aus Ja­pan, Ko­rea, Un­garn – ist so in­ter­es­sant. Man kann von ih­nen ler­nen, wie sie den­ken, wie sie sind, wie sie die Welt se­hen. Ich ho­fe, sie ler­nen von mei­ner Er­fah­rung als De­si­gner seit mehr als 21 Jah­ren. Es ist ein Ge­ben und Neh­men. Es be­ein­druckt mich auch, wenn sie ar­bei­ten müs­sen, da­mit sie sich das Stu­di­um leis­ten kön­nen. Die­se Ener­gie steckt an.

MÖ­GEN SIE ES, WENN STU­DEN­TEN „CHALAYAN-MO­DE“ENT­WER­FEN?

HCH: Gar nicht! Da­von hal­te ich sie ab. Wenn sie es brau­chen, um da­von zu ler­nen, ist es okay. Aber wenn sie es für das Di­plom ma­chen und sich da­für nach an­de­ren De­si­gnern um­se­hen, das geht gar nicht.

WAS BE­DEU­TET MO­DE FÜR SIE?

HCH: Man kre­iert ein Bild des Kör­pers. Man kann mit Mo­de auch Ge­schich­ten er­zäh­len, Ide­en aus­drü­cken. Der Kör­per ist für mich ein Sym­bol für die Kul­tur. Mo­de ist ein na­tür­li­cher Be­stand­teil am Kör­per, den man als Aus­drucks­mit­tel ge­braucht. Wie man Klei­dung trägt, sagt viel über ei­nen aus. Auch wenn man nichts trägt, hat das et­was zu sa­gen.

SIE AR­BEI­TEN JA NICHT NUR ALS DE­SI­GNER, HA­BEN ERST KÜRZ­LICH EIN BAL­LETT IM SAD­LER’S WELLS THEA­T­RE IN LON­DON AUS­GE­STAT­TET UND IN­SZE­NIERT. WEL­CHEN BE­RUFS­TI­TEL SOLL MAN IH­NEN GE­BEN?

HCH: Man kann mich ei­nen Mo­de­künst­ler nen­nen oder sa­gen, ich bin ein De­si­gner und ein Künst­ler, das ist mir egal. Aber die meis­te Zeit ver­brin­ge ich da­mit, Klei­dung zu ent­wer­fen.

Mo­de ist ein na­tür­li­cher Be­stand­teil am Kör­per, sie ist ein Aus­drucks­mit­tel. Wie man Klei­dung trägt, sagt viel über ei­nen aus. Auch wenn man nichts trägt, hat das et­was zu sa­gen.

Bei Hus­sein Chalayan gibt es kei­ne Mo­de­schau, bei der nicht et­was Auf­re­gen­des pas­siert: Ein­mal wa­ren es Ti­sche, die man an­zie­hen konn­te, dann wie­der Klei­der, die leuch­te­ten. Bei sei­ner Früh­jahrs­mo­de­schau in Pa­ris ließ er es auf wei­ße Män­tel reg­nen. Sie lös­ten sich in nichts auf und die Mo­dels ver­lie­ßen die „Du­sche“in präch­ti­gen Klei­dern.

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